Französischer Entwickler Nevrax kurz vor der Insolvenz. Das französische Entwicklerstudio Nevrax scheint am Ende zu sein und sucht derzeit einen Käufer für sein Online-Rollenspiel Ryzom. Manche Fans wollen die Sache deshalb nun selbst in die Hand nehmen, das Online-Rollenspiel gemeinsam kaufen und als Open Source weiterentwickeln.
Ryzom startete im September 2004 mit einem eigenen Fantasy-Universum fernab vom üblichen Zwergen-Elfen-Ork-Allerlei und wartete mit einem ganz eigenen Aussehen auf. Allerdings schaffte es Nevrax seit dem Start nicht, eine große Zahl von Abonnenten für Ryzom zu gewinnen – vor allem der derzeitige Marktführer World of Warcraft habe dann noch Spieler von Ryzom abgezogen, wie Nevrax-CEO Milko Berset vor einigen Monaten zerknirscht gegenüber Golem.de erklärte.
Auch die Möglichkeit, Ryzom dauerhaft kostenlos testen zu können sowie die Erweiterung Ryzom Ring , mit der Nevrax seinen Kunden das Erstellen eigener Abenteuer ermöglicht, haben an der zu geringen Abonnentenzahl offenbar nicht viel ändern können. Ryzom Ring sollte eigentlich schon deutlich früher erscheinen und versprach etwas mehr, als letztlich gehalten wurde – sonderlich komplexe Abenteuer lassen sich nicht erstellen. Aber immerhin bietet Ryzom damit etwas, wovon World-of-Warcraft-Spieler nur träumen können.
Von Nevrax ist seit der öffentlichen Bekanntgabe der anhaltenden Probleme nicht viel zu hören – Milko Berset bestätige gegenüber Golem.de nur kurz, dass es in der Tat traurige Nachrichten seien. Laut der letzten Informationen der deutschen Presseagentur steht Nevrax weiter in Verhandlungen mit Gläubigern und möglichen Investoren. Wenn dies nicht fruchte, werde das insolvente Unternehmen Anfang Dezember 2006 aufgelöst. Viel Zeit ist also nicht mehr, um die Verhandlungen zum Erfolg zu führen.
Das wissen auch die Fans, die sich um die Zukunft von Ryzom sorgen und deshalb auf www.ryzom.org(öffnet im neuen Fenster) mit der " Free Ryzom Campaign(öffnet im neuen Fenster) " Spendenzusagen sammeln, die erst bei Gelingen zum Tragen kommen. Ziel ist es, möglichst schnell wenigstens 100.000 Euro zusammenzubekommen und damit ein Kaufgebot für das Online-Rollenspiel abgeben zu können – genauer gesagt für den Quellcode, die Grafik, den Sound und alles mit Ryzom zusammenhängende geistige Eigentum.
Falls das Angebot der Free-Ryzom-Kampagne angenommen wird, so soll Ryzom als offenes, demokratisch verwaltetes Spielerprojekt weiterleben und auch weiterentwickelt werden. Wer sonst noch Interesse am Kauf von Nevrax bzw. Ryzom hat, ist derzeit nicht bekannt.
Ob nun die engagierten Spielefans genügend Geld zusammenbekommen oder ein anderer Investor den Zuschlag erhält: Laut Nevrax(öffnet im neuen Fenster) liegt alles in den Händen potenzieller Käufer, sowohl was die Weiterführung des Spiels als auch mögliche Abonnement-Preise angeht. Das Ende des Spielbetriebs ist ohne Investor bereits absehbar und neue Abonnenten werden vorerst nicht mehr angenommen.