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Amoklauf in Emsdetten facht Gewaltspiel-Debatte neu an

SPD-Politiker Wiefelspütz fordert Verbot von Killerspielen. Angesichts der Schießerei in einer Realschule in Emsdetten hat SPD-Innenexperte Wiefelspütz vor "blitzschnellen Erklärungsmustern" gewarnt. Gleichwohl regte er erste Konsequenzen aus dem Fall an – und wie so oft werden auch hier "Killerspiele" als ein Problem ausgemacht.
/ Christian Klaß
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Der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, Dieter Wiefelspütz, hat angesichts der Schießerei in einer Realschule in Emsdetten in Nordrhein-Westfalen Konsequenzen gefordert. "Ich bin sehr dafür, ein Verbot von Killerspielen in Betracht zu ziehen", sagte Wiefelspütz der Golem.de-Schwesterpublikation Netzeitung(öffnet im neuen Fenster).

Der SPD-Innenexperte legte allerdings zugleich wert auf die Feststellung, dass nicht jeder, der ein Killerspiel spiele, "automatisch zum Massenmörder" werde. Nötig sei eine generelle Auseinandersetzung mit den Ursachen von Jugendgewalt.

Im konkreten Fall müssten die "Persönlichkeit des Täters und seine Motive" genau analysiert werden. Was in Emsdetten passiert sei, sei "dramatisch gefährlich" gewesen, sagte Wiefelspütz: "Offenbar ist man ganz knapp einem schrecklichen Blutbad entgangen."

Er verwahre sich aber zugleich "gegen blitzschnelle Erklärungsmuster". Es müsse jetzt darum gehen, zunächst die Hintergründe des Falls aufzuklären und dann über Konsequenzen nachzudenken. Gleichwohl sei er dafür, ein Verbot von Killerspielen "sehr ernsthaft" zu erörtern.

Für einen besseren Jugendschutz hatte sich auch die Große Koalition in ihrer Koalitionsvereinbarung ausgesprochen. Unter dem Punkt "Aufwachsen ohne Gewalt" heißt es dort: "Die Neuregelungen im Jugendschutz werden schnellstmöglich – und deutlich vor dem für März 2008 verabredeten Zeitpunkt – evaluiert, um notwendige Konsequenzen rechtzeitig ziehen zu können." Hierzu wolle die Koalition "unverzüglich in einen zielorientierten Dialog mit den Ländern eintreten".

Zu den Eckpunkten, die "vorrangig" erörtert werden sollen, zählen dabei neben einem Verbot von Killerspielen auch Themen wie – bereits existierende und durch FSK und USK ausgesprochene – "Altersgrenzen für die Freigabe von Filmen und Spielen/Alterskennzeichnung von Computerspielen" sowie "Verlässliche Kontroll- und Sicherheitsstandards für Videoverleih-Automaten".

Ein 18-jähriger früherer Schüler hatte in der Emsdettener Geschwister-Scholl-Schule um sich geschossen und 27 Menschen verletzt. Darunter sind 16 Polizisten, die den Rauch von Rauchgranaten einatmeten, die der Täter in der Schule gezündet hatte. Fünf Personen trafen Schüsse. Der Hausmeister der Schule und zwei Kinder wurden schwer verletzt.

Wenig später lebte der Schütze nicht mehr. Die Polizei ging von einer Selbsttötung aus. "Es hat keinen Schusswaffengebrauch durch die Polizei gegeben", sagte Einsatzleiter Hans Volkmann. Am Dienstag wollen Ermittler ihn obduzieren lassen. Der Mann sei ein ehemaliger Schüler und im Ort bekannt gewesen, berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung". Wie in Internetforen zu lesen ist, zählte der Junge zur Fangemeinde des von besorgten Politikern gern als Gewalt verherrlichend kritisierten Shooters "Counter-Strike" – allein dieser Umstand scheint nun von manchen Medien und Politikern wieder mehr Aufmerksamkeit zu erhalten als die Frage danach, woher die Waffe sowie die Sprengstoffe stammen und welche Lebensumstände die Tat begleiteten.

Der Münsteraner Staatsanwalt Wolfgang Schweer sagte, der Täter habe allein gehandelt. Bereits vor der Tat sei er auffällig geworden – so lief gegen ihn ein Verfahren wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz, weil er mit einer scharfen Waffe angetroffen worden war. Die Hauptverhandlung vor dem Jugendgericht in Rheine deswegen war für Dienstag geplant. [Netzeitung(öffnet im neuen Fenster)/Golem.de]


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