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Test: HD-DVD-Laufwerk für Xbox 360 - King Kong legt los

Erweiterung macht Spielekonsole zum vollwertigen, aber hungrigen HD-DVD-Player. Ab 24. November 2006 wird die Xbox 360 mit einem zusätzlichen optischen Laufwerk zu einem - nicht sonderlich stromsparenden - Abspielgerät für HD-DVD-Spielfilme. Golem.de konnte das HD-DVD-Laufwerk bereits ausprobieren, dessen erste Lieferung bereits weitgehend ausverkauft sein soll.
/ Christian Klaß
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Eigentlich ging Microsoft von einer etwas geringeren Nachfrage für das HD-DVD-Laufwerk aus, allerdings musste Toshiba seine eigenen eigenständigen HD-DVD-Player HD E1 (1080i, HDMI 1.2) und HD XE1 (1080p, 5.1, HDMI 1.3) auf Grund eines kurz vor der Auslieferung entdeckten Hardware-Fehlers verschieben. Wie ein Toshiba-Sprecher gegenüber Golem.de angab, ist das günstigere Modell HD E1 deshalb noch nicht erhältlich und wurde auf Ende Dezember 2006 verschoben - ob die Lager der Händler die Ware in diesem Jahr noch annehmen und anbieten, bleibt laut Toshiba abzuwarten. Das bessere Modell, der HD XE1, wird frühestens Ende Januar 2007 zu haben sein. Seit einigen Monaten sind dafür Toshibas Qosmio-Notebooks mit HD-DVD-Laufwerk verfügbar, die ebenfalls als HD-DVD-Player taugen, aber auch deutlich mehr kosten. In der Regel stecken derzeit in HD-DVD-Abspielgeräten Toshiba-Laufwerke, die Xbox 360 ist da keine Ausnahme.

Ein weiterer Grund für die gesteigerte Nachfrage dürfte das Auftauchen von Windows-XP-Treibern sein, mit dem das neue Xbox-360-Zubehör nicht nur als DVD-, sondern auch als HD-DVD-Laufwerk erkannt und genutzt werden kann. Allerdings fehlt bisher noch regulär erhältliche Wiedergabe-Software für HD-DVD-Spielfilme. Die meisten Anbieter werden erst Anfang 2007 angepasste DVD-Wiedergabe-Software einzeln anbieten.

Nachdem der Xbox-360-HD-DVD-Player schon vor dem Kauf kaum noch zu haben ist, wird vielen Kunden nur das Warten auf die nächste Lieferung bleiben. Diese wird den deutschen Handel laut Microsoft Deutschland Mitte Dezember 2006 erreichen. Microsofts Leiter der Xbox-Abteilung, Boris Schneider-Johne, zufolge hätte die erste Lieferung für die Gruppe der Xbox-360-Besitzer mit HD-Fernseher und HD-Film-Interesse ausgereicht, wenn nicht die Toshiba-Verschiebung und das Interesse aus dem Windows-Lager dazwischengekommen wären.

Der Anschluss des HD-DVD-Laufwerks an die Xbox 360 ist recht einfach: Zuerst muss die mitgelieferte Treiber-CD in die Xbox 360 eingelegt werden, die Software-Installation dauert etwa 30 Sekunden. Wenn das Herbst-Update schon installiert wurde, um damit die 1080p-Ausgabe zu ermöglichen, dann meldet die CD bereits nach wenigen Sekunden, dass die Xbox 360 nun in der Lage ist, HD-DVD-Filme vom externen Laufwerk abzuspielen. Schließlich wird das Gerät per USB-2.0-Kabel an die Spielekonsole angeschlossen.

Erwähnenswert ist, dass das Laufwerk ein eigenes Netzteil benötigt, sich zusammen mit der Xbox 360 ein- und ausschaltet sowie einen 2fach-USB-Hub mit sich bringt, an das sich weiteres Xbox-360-Zubehör anschließen lässt. Noch erwähnenswerter ist allerdings, dass die Xbox 360 im Vergleich zu spezialisierter Unterhaltungselektronik ein wahrer Stromfresser ist: Im Schnitt benötigt die Xbox 360 beim Spielen oder auch nur im Xbox-360-Menü rund 160 Watt, bei der DVD-Wiedergabe sind es laut Golem.de-Messung 134 bis 143 Watt und in Verbindung mit dem HD-DVD-Laufwerk und der HD-DVD-Wiedergabe satte 164 bis 173 Watt. Im Stand-by-Betrieb schluckt die Xbox 360 über 10 Watt, kommt das HD-DVD-Laufwerk hinzu, steigt dies auf 14,7 Watt.

Damit verbrät die Xbox 360 ein Vielfaches vom Toshiba HD E1, der laut Hersteller ca. 41 Watt im Betrieb und im Stand-by 0,5 Watt benötigt. Bei den steigenden Strompreisen machen sich solche Unterschiede durchaus bemerkbar und es wäre vorteilhaft, wenn Microsoft der Xbox 360 noch einige Stromspartricks beibringen würde.

Nach dem Einlegen der mitgelieferten King-Kong-HD-DVD brauchte die Xbox 360 etwa 7 Sekunden, um mit der Video-Wiedergabe zu starten. Ist man im Menü der jeweiligen HD-DVD gelandet, braucht die Konsole dann etwa genauso lange, um den Hauptfilm zu starten. Liegt eine HD-DVD-Scheibe beim Einschalten im Laufwerk, dann benötigt die Xbox 360 etwa 23 Sekunden bis zum automatischen Start der Wiedergabe.

Die Wiedergabe selbst ist flüssig, die Xbox-360-Software reagiert auch zügig auf Eingaben des Nutzers, so dass man nicht das Gefühl hat, ständig warten zu müssen. So ist etwa das Pausieren und erneute Wiedergeben innerhalb einer Sekunde erledigt - aus dem nach längerer Pause aktiven Bildschirmschoner der HD-DVD dauert es etwa 3 Sekunden bis zur erneuten Wiedergabe. Der Sprung von Kapitel zu Kapitel benötigt knapp 1 Sekunde.

Da die HD-DVD bereits eine Lesezeichen-Funktion mit sich bringt, um die Wiedergabe an bestimmter Stelle fortsetzen zu können, hat Microsofts Entwicklerteam dem Laufwerk einen kleinen Flash-Speicher spendiert, in dem die Lesezeichen gespeichert werden. Diese Daten lassen sich vom Nutzer auch wieder löschen, allerdings ist bei den aktuellen HD-DVDs noch kein Beschreibungstext vorgesehen, so dass eine aussagekräftige Beschreibung fehlt. Leider wird beim Ausschalten der Xbox 360 oder beim Abbruch der Wiedergabe nicht automatisch ein Lesezeichen angelegt – dies wäre durchaus eine der Bequemlichkeit dienende Verbesserung für künftige Software-Updates.

Während des kleinen Tests war die Xbox 360 per Komponentenkabel an einen Sanyo-Projektor vom Typ PLV-Z4 angeschlossen, der eine Auflösung von 720p (1.280 x 720 Bildpunkte progressiv) bietet und damit nicht die volle HD-DVD-Auflösung von 1080p liefern kann. Die Skalierung bringt die Xbox 360 aber bei der Wiedergabe nicht aus dem Tritt, sie wirkte durchgängig ruckelfrei. Aus dem Tritt gebracht wird die Spielekonsole laut Microsoft allerdings noch von zwei HD-DVD-Scheiben ("Van Helsing", Toshiba-Demo), wofür es im Laufe der Woche noch ein Software-Update geben soll.

Die Darstellung war trotz der Skalierung auf 720p auf der 2,30-Meter-Leinwand scharf und deutlich besser als bei einer DVD, deren deutlich niedriger auflösendes Bild bei so großer Projektion eher unscharf wird. Vom Geräuschpegel her blieben die Xbox 360 und das HD-DVD-Laufwerk im – subjektiv – angenehmen bis akzeptablen Bereich und fielen kaum auf. Allerdings brummte auch der Projektor während der Wiedergabe verhalten vor sich hin, in ruhigen Szenen vor einem Fernseher mag das subjektive Empfinden also anders auffallen.

Das Xbox-360-HD-DVD-Laufwerk kostet inklusive kompaktem Netzteil und Funk-Fernbedienung rund 200,- Euro und ist ab 24. November 2006 erhältlich. Nur der ersten Lieferung wird voraussichtlich die HD-DVD-Version von Peter Jacksons King-Kong-Neuverfilmung beiliegen, welche die versprochene hohe Bildqualität zu liefern weiß. Die Fernbedienung hingegen soll auch in Zukunft dem Laufwerk beiliegen, wie Microsoft bekräftigte.

Das Xbox-360-Grundgerät ("Core") ohne Festplatte schlägt mit ca. 260,- bis 285,- Euro zu Buche, für die Xbox 360 Premium inkl. 20-GByte-Festplatte verlangen Händler zwischen 350,- und 390,- Euro. Damit ist selbst die Xbox 360 Premium mit HD-DVD-Erweiterung günstiger als selbst der einfache Toshiba-Player HD-E1, der 599,- Euro kosten wird. Der besser ausgestattete Toshiba HD-XE1 schlägt mit 899,- Euro zu Buche. Beide reinen HD-DVD-Player haben aber im Vergleich zur Xbox 360 den Vorteil, HDMI zu unterstützen, zudem kann die Xbox 360 nur über VGA 1080p ausgeben, über Komponentenkabel bleiben es maximal 1080i.

Dafür kann die Xbox 360 aber auch zum Spielen verwendet werden und dient in Zukunft auch als Internet-Set-Top-Box für Video-on-Demand (VoD). Wirklich interessant ist die Erweiterung – das gilt generell für HD-DVD- und Blu-ray-Player - aber nur für diejenigen Nutzer, die einen hochauflösenden Fernseher oder Projektor ihr Eigen nennen, denn erst damit ist der Unterschied zur DVD zu merken. Die HD-DVD-Filme sind derweil im Vergleich zur herkömmlichen Spielfilm-DVD noch recht teuer , lassen sich aber immerhin auch schon ausleihen .

Fazit:
Die Xbox 360 ist momentan der vom Kaufpreis her günstigste HD-DVD-Player, der in Deutschland angeboten wird und macht seine Sache weitgehend gut. Die Darstellung ist ruckelfrei, die Lautstärke annehmbar und die Bedienung mit Hilfe der Fernbedienung recht einfach. Das Fehlen einer automatischen Erinnerung für die letzte Abspielposition sowie die Notwendigkeit eines weiteren Netzteils stören etwas. Negativ fällt auf, dass der Stromverbrauch der Xbox 360 bei der HD-DVD-Wiedergabe auf bis zu 173 Watt steigt - wer Strom sparen will und auf die Spielfunktionen verzichten kann, sollte also eher auf Toshibas verspätete herkömmliche HD-DVD-Player warten, die zwar teurer in der Anschaffung sind, aber deutlich geringere Betriebskosten mit sich bringen.


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