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OLPC: Erste Bilder und Daten des Vorserienmodells

100-Dollar-Notebooks werden an Entwickler ausgeliefert. Das Bildungs-Notebook für Schüler in der Dritten Welt ist in einer ersten Version erstmals abgelichtet worden. Die Organisation "One Laptop per Child" (OLPC) hat zahlreiche Bilder des Modells "B1" veröffentlicht – und endlich die vollständigen Spezifikationen der Hardware vorgelegt.
/ Nico Ernst
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Waren bisher nur etliche Designstudien – darunter mit der inzwischen legendären und längst verworfenen Aufladekurbel – des Notebooks zu sehen, so gibt es nun Bilder des fertigen Geräts im Betrieb. Es handelt sich im Prinzip um ein Konzept wie die "Convertible"-Varianten eines Tablet-PC. Das B1 ist sehr kompakt gehalten: Die Diagonale des Bildschirms misst nur 7,5 Zoll, der breite Rahmen der Anzeige und die hinten untergebrachten Anschlüsse lassen den gesamten Formfaktor aber eher auf den eines 13-Zoll-Notebooks wachsen.

Das Gerät belegt eine Grundfläche von 19,3 x 22,9 Zentimetern und ist mit 6,4 Zentimetern recht dick, wiegt aber dennoch nur ca. 1,5 Kilogramm. Es ist mit seiner Dicke auch nicht für elegante Aktentaschen gedacht, sondern soll von Kindern an seinem Griff transportiert werden. Laut der OLPC ist das Gehäuse mit 2 Millimetern Kunststoff dicker als die üblichen 1,3 Millimeter bei kommerziellen Notebooks, es soll zudem gegen Staub und Spritzwasser geschützt sein. Die harten "Mil"-Spezifikationen des US-Militärs für Robustheit erfüllt es jedoch nicht ganz, gibt die OLPC in ihren inzwischen veröffentlichten Hardware-Daten(öffnet im neuen Fenster) des Geräts an. Am Design des B1 fallen auch die beiden ausklappbaren WLAN-Antennen an der Seite des Displays auf, im Rahmen der Anzeige sind auch Audio-Anschlüsse untergebracht. Der Akku sitzt, wie bei den meisten Notebooks, am hinteren Ende des Gerätes und nimmt die gesamte Gehäusebreite ein.

Die Elektronik des nun vorliegenden B1-Modells entspricht den Vorstellungen, die OLPC zu Beginn des Projekts formulierte: Es gibt keine Massenspeicher mit bewegten Teilen, stattdessen stehen 512 MByte Flash-Speicher zur Verfügung sowie 128 MByte DRAM. Das spart viel Strom, fordert aber eine recht kompakte Software. Das gilt auch für den Geode-Prozessor von AMD, der nur mit 366 MHz getaktet ist, aber nur rund ein Watt Leistung aufnimmt. Da die Entwickler dem B1 einen Akku mit 22,8 Wattstunden spendiert haben – eine Größenordnung, die in ausgewachsenen PC-Subnotebooks durchaus üblich ist -, dürfte ein ganzer Tag Laufzeit durchaus machbar sein. Allerdings handelt es sich dabei um einen Nickel-Metallhydrid-Akku und nicht um einen Lithium-Ionen-Akku, wie man ihn in den meisten Notebooks findet. Die Entwickler versprechen sich davon rund 2.000 Ladezyklen, bis der Akku nur noch die halbe Kapazität hat.

Größter Unterschied zu herkömmlichen Notebooks ist aber das Dual-Mode-Display. Es arbeitet zum einen in einem Farbmodus, wahlweise aber auch in Schwarz-Weiß in dreimal höherer Auflösung und kommt damit auf 1.200 x 900 Pixel. Dabei soll es dann auch im Sonnenlicht lesbar sein und nur rund 35,- US-Dollar kosten. Für die Hintergrundbeleuchtung kommen LEDs zum Einsatz, was helfen soll, den Stromverbrauch gering zu halten.

Erweitert wird das B1 über einen Slot für SD-Cards oder drei USB-2.0-Ports. Der von Marvell stammende WLAN-Chipsatz beherrscht 801.11b/g und kann über die Software des B1 auch als Access-Point dienen. Die Organisation will damit "Mesh-Netze" realisieren, bei denen sich viele Rechner schnell miteinander verbinden lassen, ohne eine feste Infrastruktur vorauszusetzen. Dabei reicht es dann auch, wenn eines der B1 Zugang zum Internet hat, um diesen mit den anderen zu teilen. Zur Kommunikation trägt auch eine eingebaute Webcam mit 640 x 480 Pixeln Auflösung bei.

Die Bilder, die OLPC unter der "Creative Commons"-Lizenz veröffentlicht hat, zeigen die Entwickler beim begeisterten Herumspielen mit dem Gerät. Wie die Organisation bereits gemeldet hatte, funktioniert die vor einigen Tagen "eingefrorene" Software offenbar recht gut, auf den Bildschirmen finden sich ein Webbrowser und Spiele. Bei dem jetzt gezeigten B1-Notebook handelt es sich um eines der ersten zehn Exemplare des Geräts. OLPC will, wie Golem.de bereits berichtete , 900 weitere der Geräte beim taiwanischen Hersteller Quanta ordern und sie in den nächsten Wochen an Entwickler in aller Welt verschicken. Die Ergebnisse der Arbeit werden unter freie Lizenzen gestellt, so dass das B1 auch Hilfsorganisationen und Regierungen in eigenem Auftrag fertigen lassen können.


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