Handy-TV der Zukunft: Kurze Episoden und Mini-Werbespots
"Um mehr zu bieten, als nur die Möglichkeit, unterwegs fernzusehen, muss das mobile Fernsehen auf vorhandenen Kanälen und Programmen aufsetzen und darüber hinaus die bestehenden Formen der TV- und Internetnutzung berücksichtigen" , so Dr. Shani Orgad, Medienprofessor an der London School of Economics. Doch nur Altbekanntes auf kleinere Displays hin zu optimieren reicht nicht. Auch von Nutzern selbst geschaffene Inhalte sollen bald eine immer größere Rolle spielen.
YouTube gilt für die Branche als beispielhaft: Der Trend zu selbst geschaffenen Inhalten (User-Generated Content) dürfte zu einer der treibenden Kräfte für die mobile Nutzung von TV-Inhalten werden. So prognostiziert die Studie, dass mit der zunehmenden Nutzung mobiler Geräte zur Erstellung von eigenen Video-Inhalten auch neue Rundfunk-Plattformen entstehen werden, um diese Inhalte an andere mobile Nutzer auszustrahlen. Ein erstes Beispiel soll der US-Fernsehsender Current TV sein, der schon mal einen Vorgeschmack auf die Zukunft bringt: 30 Prozent seines Gesamtprogrammangebots bestehen aus Inhalten, die von den Nutzern selbst erstellt wurden.
Der Reiz des Fernsehens soll in der Zukunft also beim Mitmachen liegen. Und dies dürfte für die Inhalteanbieter und die Werbeindustie nicht folgenlos bleiben. Der Zuschauer wird in Zukunft wohl direkt angesprochen oder zum Mitmachen eingeladen. Beim mobilen Fernsehen können Werbetreibende ihre Aussagen sehr viel präziser auf den Nutzer ausrichten, als dies bis dato im herkömmlichen Fernsehen möglich ist. Die Werbeerfolgsraten sollen denen der Internetwerbung denn auch noch überlegen sein – diese Hoffnung will die Studie zumindest wecken.
Derzeit experimentiert die Werbewirtschaft mit Fünf- und Sieben-Sekunden-Spots, die dem 'Snack'- oder 'Häppchen'-Charakter der mobilen Nutzung von TV-Inhalten eher entsprechen. Neue Formate für Handy-TV dürften aus kürzeren und kompakteren Nachrichtensendungen bestehen. Reality-Shows und Game-Shows, die den Nutzer direkt mit einbeziehen, werden kommen und die Nutzer wollen selbst erstellte Inhalte (User-Generated Content) verbreiten.
Ein beliebtes Sendeformat könnten die Mobisodes werden. Dabei handelt es sich um fragmentierte, in kleinere Einheiten unterteilte Episoden speziell für mobile Geräte, die sich in kleinen Portionen unterwegs anschauen lassen.
Der Bildaufbau soll sich ebenfalls verändern. Auf Grund der geringeren Bildschirm- bzw. Displaygröße werden Filme stark auf Großaufnahmen von Sprechern ("Talking Heads") setzen müssen, dem Betrachter werden in Zukunft wohl eher Nahaufnahmen als Totalen präsentiert. Das Erzählerische, so mutmaßen die Forscher, wird zu Gunsten von visuellen Eindrücken zurückgehen.
Wie die Studie zeigt, gehen die Rundfunksender davon aus, dass es mit dem mobilen Fernsehen eine neue Haupteinschaltzeit um die Mittagszeit herum geben wird. Bestätigt werden diese Annahmen durch europäische Mobile-TV-Pilotprojekte, bei denen nicht nur während der klassischen Haupteinschaltzeiten am frühen Morgen und am späten Abend, sondern auch tagsüber eine starke Mobile-TV-Nutzung verzeichnet wurde.
Die Studie(öffnet im neuen Fenster) mit dem Titel "This Box Was Made For Walking" wurde von Nokia bei der London School of Economics in Auftrag gegeben. Der Bericht stützt sich auf die Analyse entsprechender Publikationen, Auswertungen von Pilotprojekten mit Mobile-TV-Nutzern, Interviews mit Experten in den Bereichen Fernsehen, mobile Medien, Werbung und anderen Medien sowie der Teilnahme an Branchenveranstaltungen zum Thema.