Kostenloses Bittorrent ein Verbrechen?
Dass Bittorrent eine von der Musik- und Filmindustrie wenig geliebte Software ist, da sie nicht nur für legale Dateiaustauschzwecke, sondern auch zur Verbreitung von Schwarzkopien genutzt wird, weiß auch Navin. Andererseits gibt es ihm zufolge 80 Millionen Menschen, die Bittorrent nutzen, sehr am Herunterladen von Fernsehsendungen, Filmen und Musik interessiert sind und in zahlende Kunden verwandelt werden könnten.
Bittorrent sei nicht für das unerlaubte Kopieren geschaffen worden, sondern um Inhalte effizient zu verteilen, so Navin gegenüber The Guardian(öffnet im neuen Fenster) . Und hier will Bittorrent als Distributor mitmischen und hofft, dank seiner Technik kostengünstiger arbeiten und eine bessere Qualität liefern zu können. Peer-2-Peer-Technik sei dabei die einzige sinnvolle Methode, um Inhalte über das Internet zu übertragen, ohne es selbst in Mitleidenschaft zu ziehen.
Navin arbeitete zuvor bei Yahoo, wechselte 2004 zu Bittorrent und half Bram Cohen, das Unternehmen aufzubauen. "Man könnte sagen, dass Bram vor meinem Hinzustoßen eine phänomenal erfolgreiche T-Shirt-Firma hatte" , so Navin. Cohen verdiente sein Geld durch Spenden für Bittorrent und das Verkaufen von T-Shirts. Es habe einiger Überredungskünste bedürft, in größeren Maßstäben zu denken.
"Bram Cohan hat das schwere Verbrechen begangen, seine leistungsfähige Software kostenlos zu verteilen! Jeder würde das als Verbrechen sehen, da er niemals von der Nutzung profitierte" , so Navin. Ganz so schlimm scheint es dann aber doch nicht zu sein, immerhin ist Bittorrent sehr verbreitet: "Da wir nun diese große Zahl an Nutzern auf Bittorrent haben, ist es für uns wirtschaftlich interessant, zu einem Distributor von Inhalten zu werden."
Allerdings gibt es bisher nur einen Partner, Warner Bros. Aber auch dessen Filme sind noch nicht als Bezahl-Download über Bittorrent zu haben. Navon zufolge wolle Bittorrent erst weitere Partnerschaften eingehen, um dann mit einem größeren Katalog starten zu können. Man sei bereits mit mehreren anderen Studios im Gespräch.
Auch mit unabhängigen Anbietern oder privaten Kreativen wolle Bittorrent zusammenarbeiten – in Zukunft wird Bittorrent.com(öffnet im neuen Fenster) also auch YouTube & Co. Konkurrenz machen. Bis es mit dem Musik- und Filmvertrieb über Bittorrent losgeht, muss sich das Unternehmen noch mit Werbeschaltungen zufrieden geben. Das jedoch sei nichts, womit Bittorent sonderlich profitabel würde.
Dass Bittorrent nicht wie Grokster, Napster und Co. zur Zielscheibe der Inhalte-Anbieter wegen der Urheberrechtsverletzungen durch die Nutzer wurde, liegt dem Bittorrent-COO zufolge auch daran, dass Bittorrent nicht für illegale Anwendungen entwickelt wurde. Bram Cohen habe von Anfang an von der Nutzung zur Schwarzkopienverbreitung abgeraten und Nutzer gewarnt, dass es keine Anonymität gebe. Bittorrent hat keinen zentralen Punkt, funktioniert also nicht wie eine Tauschbörse, sondern ist es rein dezentrales Dateitransfer-Werkzeug.
Auf die Frage danach, wie man die Warner Bros. der Welt davon überzeugen könnte, ihre Shows zu schützen, erklärte Navin, dass es "niemals ein Digital-Rights-Management-System (DRM) geben werde, das (universell) funktioniert. Das wäre so, als ob man erwarten würde, dass ein 75-Dollar-Türschloss alle Wertgegenstände schützen würde." Um möglichst viele Nutzer mit einem künftigen Bittorrent-Film- und Musikshop abdecken zu können, wird zum Start auf das gebräuchliche Windows-DRM von Microsoft gesetzt.
Ganz glücklich scheint das Bittorrent-Team damit aber nicht zu sein. "Wir schauen uns immer nach einem Standard um, der unabhängig entwickelt wurde und plattformübergreifend ist. Die Studios tun das auch, insbesondere da sie sehen, dass Apple und Microsoft ihre Kontrolle ausdehnen und Nutzer an sich fesseln." Bisher gibt es Derartiges allerdings nicht.
Navis glaubt, dass es letztlich darauf hinausläuft, dass statt auf DRM-Systeme auf eingebettete Wasserzeichen gesetzt wird. Um die Kunden dazu zu bringen, für die bisher kostenlos – aber illegal – über Bittorrent verbreiteten Inhalte zu zahlen, sei zudem ein konsistentes Preisgefüge vonnöten, das für Video-Downloads angemessen erscheine. Da Bittorrent sein kommerzielles Download-Angebot aber noch nicht gestartet hat, bleibt abzuwarten, welche Musik- und Videopreise Navis und Cohen vorschweben.



