Bessere Sprachqualität für Handytelefonate
Heute wird in den meisten GSM- und UMTS-Systemen der AMR-NB Codec (AMR-Narrow-Band) eingesetzt. Bei dem neuen AMR-WB Codec (AMR-Wide-Band, 2000) ist die Sprachbandbreite doppelt so hoch wie bisher. Der AMR-WB Codec arbeitet mit ACELP-Technik (Algebraic Code-Exited Linear Prediction). Dabei regen ausgewählte Folgen niedriger Pulse und eine periodische Signalkomponente ein adaptives Synthesefilter an. Dieses generiert das Sprachsignal für die Ausgabe.
Neben dem speziellen Pause-Modus verfügt der AMR-WB über neun Bitraten. Die ersten drei mit 6,60, 8,85 bzw. 12,65 KBit/s sind für die breitbandige Telefonübertragung unerlässlich. Zwei weitere zusätzliche Bitraten (15,85 und 23,85 KBit/s) wurden für spezielle Telefonanwendungen wie Konferenzschaltungen bereitgestellt.
T-Mobile hat vier Wochen lang einen Test mit 150 Vieltelefonierern in Hamburg und Köln durchgeführt, die über ein speziell präpariertes Sony-Ericsson Z800 mit nachgebauter AMR-WB-Funktion telefonierten. Riefen die Tester einen anderen Teilnehmer aus dem Testpool an, konnten sie die AMR-WB-Qualität genießen. Riefen sie ein anderes als eines der präparierten Testhandys an, telefonierten auch sie nur mit derzeit üblicher Sprachqualität.
Ziel war, herauszufinden, wie die Nutzer die verbesserte Sprachqualität beurteilen würden und ob dadurch eventuell mehr Leute mehr mobil anrufen würden, wenn AMR-WB Standard wäre.
71 Prozent der Testteilnehmer beurteilten den Unterschied zu herkömmlichen Telefonaten als deutlich wahrnehmbar. Etwas über 60 Prozent der Probanden attestierten der Technik eine bessere Qualität, auch wenn man flüsterte. Etwas mehr als die Hälfte hatte das Gefühl, der Gesprächspartner stehe gleich neben einem. Knapp 40 Prozent der Testteilnehmer gaben an, die Sprachqualität zu vermissen, seit sie ihr Testhandy wieder abgeben mussten.
Golem.de konnte sich bei einer Präsentation von T-Mobile und Ericsson auf der Systems 2006 selbst einen Eindruck von AMR-Wideband verschaffen. Die Klangqualität war deutlicher und weniger abgehackt als bei derzeitiger, mobiler Gesprächsübertragung. Es vermittelte das Gefühl, der Gesprächspartner stünde in der Nähe. Als störend entpuppte sich aber dabei das Gemurmel der in der Nähe des Gesprächspartners befindlichen Personen, das deutlicher in den Vordergrund rückt. Damit dürfte der Zugewinn an Sprachqualität an belebten Orten wie etwa Bahnhöfen nur wenig bringen. Hier bedarf es noch eines Filters, der möglichst nur die eigene Stimme überträgt und Hintergrundgeräusche unterdrückt.
Ebenso klang in dem kleinen Testballon der Ton ganz und gar nicht mehr gut, sobald die Lautstärke bis zum Anschlag nach oben gedreht wurde. Ein Mitarbeiter von Ericsson versicherte jedoch, dass das noch Kinderkrankheiten des Prototypen seien, die in einer kommerziellen Version ausgemerzt sein würden.
Insgesamt sieht die Technik vielversprechend aus. Von den Testern haben 39 Prozent geantwortet, sie würden bei AMR-Wideband-Qualität länger telefonieren, 37 Prozent würden häufiger telefonieren. Damit käme T-Mobile seinem Ziel ein gutes Stück näher, den Umsatz auch über Sprache zu erhöhen.
Noch muss sich der Normalkunde allerdings in Geduld üben: T-Mobile plant die Einführung des Dienstes erst für 2008. Derzeit sprechen die Bonner mit den anderen deutschen Netzbetreibern. Eine Einführung allein bei T-Mobile würde kaum sinnvoll sein, erklärt Thomas Henze von T-Mobile, da nur eine volle Netzabdeckung mit AMR-WB dem Produkt zu Erfolg verhelfen kann. Wichtig wäre weiter, dass die Hersteller entsprechende Endgeräte anbieten.
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