Microsoft will eigene Chips entwickeln
Wie die New York Times meldet(öffnet im neuen Fenster) , soll Charles Thacker die Abteilung im Silicon Valley südlich von San Francisco leiten. Seine Abteilung arbeitet dabei mit dem anderen Teil der "Computer Architecture Group" in Redmond zusammen. Thacker entwirft seit den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts Hardware und war unter anderem im "Palo Alto Research Center" (PARC) von Xerox beschäftigt.
Für Microsoft soll Thacker jetzt Chip-Designs erstellen. Dafür, so der Entwickler gegenüber der Zeitung, sei die Zeit besonders günstig: "Wir stehen an einem Wendepunkt der Branche." Die Computer an sich würden nicht mehr schneller werden, sondern auf mehr Parallelität setzen, erklärte Thacker weiter und spielte damit auf den Trend zu Mehrkern-Prozessoren an. Durch die Veränderungen der Hardware müsse sich auch die Software anpassen, und hier sei Microsoft doppelt gefordert. Für das Unternehmen, so Thacker, sei es nun außerdem möglich, Chip-Designs zu entwickeln, ohne die Chips physisch herstellen zu müssen. Der Forscher bezog sich dabei auf Software, mit der man – wie berichtet – die Funktionen von Chips auf Großrechenanlagen simulieren kann.
Ob Microsoft tatsächlich komplette Mikroprozessoren entwickeln will oder sich auf Spezialfunktionen beschränkt, gab Thacker nicht an. Er erwähnte als mögliche Einsatzgebiete für die Microsoft-Chips lediglich kommende Versionen der Xbox und die Spracherkennung. Für Letzteres scheint ein dedizierter Prozessor mit DSP-ähnlichen Eigenschaften eher wahrscheinlich.
Microsofts Hardware-Ambitionen sind dabei durchaus ernst zu nehmen. Wann immer eine bestimmte Hardware für Windows-Funktionen nur schwer oder in unzureichendem Reifegrad verfügbar war, lieferte Microsoft die Geräte gleich selbst. Heute sind davon zwar nur die Eingabegeräte übrig geblieben, aber in den 90er-Jahren hatte Microsoft unter anderem eine Soundkarte (Windows Sound System) und auch Spiele-Controller im Programm. Der Einfluss des Softwareriesen auf Hardware war so groß, dass sogar Intel reagierte. Deren inzwischen sehr erfolgreiche Entwicklerkonferenz "Intel Developer Forum" (IDF) war vor über zehn Jahren vor allem als Gegenpol zu Microsofts "WinHEC" ins Leben gerufen worden – der "Windows Hardware Engineering Conference".