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BenQ Mobile: Radikaler Umbau, 1.900 müssen gehen

Insolvenzverwalter empfiehlt Einstieg ins OEM-Geschäft. Auf einer Mitarbeiterversammlung des insolventen Handy-Herstellers BenQ Mobile erläuterte Insolvenzverwalter Martin Prager in München seine Vorstellungen für eine Rettung des Unternehmens: Die Firma solle sich nur noch als Auftragshersteller für Handys präsentieren, was rund 1.900 Arbeitsplätze kostet.
/ Nico Ernst
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Prager stellte unmissverständlich fest: "Wenn dieses Unternehmen auf Kosten seiner Gläubiger rote Zahlen schreibt, kann und darf ich es nicht fortführen." Durch den Insolvenzantrag sei BenQ Mobile von einem "Global Player" zu einem nur noch in Europa agierenden Unternehmen geworden, das außerdem unter einer beschädigten Marke operiere, so Prager. Der Insolvenzverwalter empfahl als Ergebnis seiner dreiwöchigen Untersuchung der Firma ein neues Geschäftsmodell.

Dieses Konzept erläuterte BenQ Mobiles Geschäftsführer Clemens Joos: Sein Unternehmen soll künftig nur noch als Auftragshersteller Handys entwickeln, designen und nur "möglicherweise" auch herstellen. Das Modell entspricht damit dem OEM-Konzept des "Original Equipment Manufacturer" (OEM), wie es ironischerweise vor allem taiwanische Firmen beherrschen. Siemens' Handy-Sparte war vor Jahresfrist von der taiwanischen BenQ mit dreistelligen Millionenförderungen seitens Siemens übernommen worden.

Durch das geänderte Geschäftsmodell hofft Prager, BenQ Mobile auch über den schon zugesicherten 1. Januar 2007 hinaus fortführen zu können. Bis dahin sollen alle Arbeitsverträge bestehen bleiben und die Mitarbeiter Insolvenzausfallgeld erhalten. Danach stünden aber knapp 1.100 Arbeitsplätze von zuvor rund 1.800 in Kamp Lintfort und rund 850 von zuvor 1.300 Arbeitsplätzen in München zur Disposition. Entsprechend der neuen Ausrichtung sollen in den Abteilungen Marketing, Vertrieb und Fertigung die Mitarbeiterzahlen um 75 Prozent sinken. Mit in Zukunft 500 statt bisher 700 Arbeitnehmern sollen Forschung und Entwicklung weitgehend geschont werden.

Den Menschen, die ihren Job verlieren, will Prager über Qualifizierungsmaßnahmen für andere Unternehmen helfen. Die Details sollen mit der IG Metall und der Bundesagentur für Arbeit ausgearbeitet werden. BenQ Mobile könne diese Vorhaben aber nicht allein finanzieren: "Hier sind Politik, Gewerkschaften und die Siemens AG gefragt" , sagte Prager in München.

Von dort und aus Düsseldorf wurde der Ball unmittelbar zurückgespielt. Bayerns Arbeitsministerin Christa Stewens und Karl-Josef Laumann, Arbeitsminister Nordrhein-Westfalens, meinten in einer gemeinsamen Erklärung: "Wir werden den BenQ-Mitarbeitern, deren Arbeitsplätze akut gefährdet sind, mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln helfen." Das soll vor allem durch Weiterbildungsmaßnahmen geschehen, an denen sich auch die beiden Länder beteiligen wollen: "Bayern und NRW werden, wenn nötig, die Hälfte der hierfür anfallenden Kosten übernehmen" , erklärten die Minister. Für die nicht weiter beschäftigten Mitarbeiter empfahlen Stewens und Laumann eine Transfergesellschaft, welche die Arbeitsplätze vorläufig auch 2007 erhalten soll, aber: "Hier sind und bleiben in erster Linie die Unternehmen Siemens und BenQ in der Verantwortung" , schlossen die Minister eine finanzielle Unterstützung dieser Gesellschaft vorerst aus. Sie bekräftigten: "Der Staat hilft, wo er kann, für eklatante Fehler muss ein Unternehmen aber selbst geradestehen."

Abgesehen von solchen Zukunftsplänen bezeichnete der Insolvenzverwalter seine konkreten Maßnahmen als "einschneidend" , betonte aber, dass alle anderen Wege auf eine Zerschlagung und einen stückweisen Verkauf von BenQ Mobile hinausgelaufen wären. Sein Bestreben sei es, das Unternehmen als Ganzes zu erhalten, wenn auch als " Entwicklungsbetrieb mit kleiner Fertigung" , so Martin Prager.


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