Ambitioniertes Strategiespiel vom Berliner SEK überzeugt. Lange hat es gedauert, bis das Berliner Entwicklerteam SEK (bekannt durch Wiggles) seinen ambitionierten Echtzeit-Strategie-Titel ParaWorld fertig gestellt hat – das Spiel wurde ursprünglich bereits für 2004 angekündigt und musste dann mehrfach verschoben werden. Die zusätzliche Zeit, die die Entwickler benötigten, wurde aber sinnvoll investiert, denn das fertige Spiel gehört zweifellos zu den Strategie-Highlights dieses Jahres.
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ParaWorld legt großen Wert auf eine intelligente und spannende Story, was gleich zu Anfang offensichtlich wird; lange bevor die erste Mission beginnt, bekommt der Spieler schon einige sehr gut inszenierte Zwischensequenzen zu sehen. Im Mittelpunkt stehen dabei drei junge und attraktive Wissenschaftler, die einer mysteriösen Entdeckung auf der Spur sind: Dinosaurier, die nicht ausgestorben, sondern irgendwo in diesem Universum noch quicklebendig sind.
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Die drei unfreiwilligen Helden bitten eine auf außergewöhnliche Phänomene spezialisierte Forschungsgesellschaft um ihre Hilfe und werden von der dann auch gleich unterstützt – allerdings nicht unbedingt so, wie sie es sich vorgestellt hatten. Kurze Zeit später finden sie sich nämlich in einer archaischen Parallelwelt wieder; und in dieser müssen sie sich nicht nur mit kriegerischen Stämmen, sondern vor allem auch aggressivem Getier wie Mammuts, Säbelzahntiger und vor allem zahlreichen Dinosaurierarten auseinander setzen und irgendwie einen Weg zurück in das Hier und Jetzt finden.
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Hinter der ungewöhnlichen (wenn auch ein wenig von Jurassic Park inspirierten) Geschichte, die im Spielverlauf einige überraschende Wendungen bereithält und jederzeit spannend bleibt, verbirgt sich im Grunde ein klassisches Echtzeit-Strategiespiel, in dem viel Zeit mit genretypischem Siedlungsaufbau, noch mehr allerdings mit Gefechten verbracht wird.
Im sehr umfangreichen Tutorial wird einem die sehr simple und intuitive Bedienung nahe gebracht, allerdings sollten auch Strategie-Profis die Zeit für diese Übungsmission investieren – denn so einfach sich ParaWorld auch handhaben lässt, so komplex spielt es sich letztendlich auf Grund unzähliger Einheitentypen.
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In den ersten Missionen hat es der Spieler noch mit dem an die Wikinger erinnernden Nordvolk zu tun. Hier geht es zunächst vor allem darum, seine eigene Siedlung auszubauen und die ersten Kampfeinheiten auszurüsten. Ausgehend vom Haupthaus gilt es, Hütten, Forst- und Steinmetz-Gebäude, eine Kaserne und dergleichen mehr zu errichten, grundlegende Rohstoffe wie Nahrung, Stein und Holz zu sammeln und die ersten Kämpfer und Kreaturen auszubilden – wie beispielsweise Axtkämpfer und Speerwerferinnen, bald aber auch Streitwagen und die ersten Dinos. Letztere lassen sich dann noch unterschiedlich ausrüsten – dem Spieler obliegt es, welche Echse in den Kampf zieht und welche sich als Transporttier verdingen muss.
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Der zweite Teil der Kampagne dreht sich um die nomadisch lebenden Wüstenreiter, am Ende bekommt man es dann schließlich mit dem Drachenclan zu tun – und jedes der drei Völker hat komplett unterschiedliche Taktiken und vor allem Einheiten. Eben diese Tatsache macht ParaWorld zum Teil zu komplex für Strategie-Neulinge – bei all den unterschiedlichen Kampf- und Transport-Sauriern etwa den Überblick zu behalten, wird auch Profis nicht leicht fallen. Zum Glück erweist sich das sehr liebevoll aufgemachte Handbuch hier als gute Hilfe, da wirklich jede Einheit sehr detailliert beschrieben wird.
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Es gibt allerdings noch mehr Gründe, warum ParaWorld unerfahrenen Strategen besser nicht nahegelegt wird. So sind die Missionen allesamt äußerst umfangreich – eine Stunde dauert es meist mindestens, bis alle Haupt- und Neben-Quests abgearbeitet sind. Gleichzeitig ist die KI äußerst aggressiv und lässt dem Spieler nur wenig Ruhe; Schwachstellen werden schnell entdeckt, und ein Aufrüsten der eigenen Basis sowie perfekt geplante Transportwege schützen auch nur im seltensten Fall. Wer sich nicht selbst immer aktiv in die Schlacht stürzt, wird kaum die für Erfolge ausgezahlten Schädel abstauben, mit denen sich nach und nach die einzelnen Helden, aber auch die eigenen Einheiten verbessern lassen.
Die Steigerung der Level will übrigens wohlüberlegt sein, denn sie wirkt sich nicht unbedingt nur auf die Charakterwerte der Einheiten aus; die drei Helden etwa verfügen ab bestimmten Leveln über Sonderfähigkeiten wie Hypnose, die im Spielverlauf sehr hilfreich sein können – etwa, wenn ein aggressiver Tyrannosaurus zur Attacke ansetzt.
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Wenn ParaWorld trotz sehr umfangreich angelegter Missionen, unzähliger Einheitentypen und sehr aggressiver KI trotzdem eigentlich immer beherrschbar bleibt, liegt das vor allem an der sehr durchdachten und intelligenten Steuerung. Deren Prunkstück ist sicherlich der so genannte "Army Controller" am linken Bildschirmrand, mit dem der Spieler zu jedem Zeitpunkt sämtliche Einheiten und deren Rang im Blick hat, problemlos zu ihrer Position wechseln und zudem auch sehen kann, was sie gerade tun – etwa kämpfen, Holz fällen oder gar untätig in der Gegend rumstehen.
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Optisch sieht ParaWorld gut, aber nicht spektakulär aus, was die Entwickler allerdings durch viel Liebe zum Detail – etwa beim Design der Einheiten – wieder wettmachen. Zudem ist die Sprachausgabe erstklassig und die Qualität der Zwischensequenzen wurde ja bereits positiv hervorgehoben.
Nach Abschluss der Solokampagne sorgt der Multiplayer-Modus für zahlreiche weitere Stunden Spielspaß, da die drei unterschiedlichen Völker mit ihren diversen Einheiten auch hier viel Raum für diverse Taktiken und Spielweisen lassen. Bei ein paar Testpartien gab es allerdings kleinere Lags, die ein wenig den Spielspaß drückten. Publisher und Entwickler versuchen, ParaWorld als Warcraft-Konkurrent im E-Sport-Bereich zu etablieren – und scheinen auf gutem Weg dahin zu sein.
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ParaWorld ist bereits im Handel erhältlich und kostet etwa 50,- Euro.
Fazit: Im Grunde bietet ParaWorld ein Echtzeit-Strategie-Erlebnis, wie man es in spielerischer Hinsicht auf dem PC schon öfter geboten bekam – nur, dass in diesem Fall das Szenario ebenso außergewöhnlich wie fantasievoll designt wurde, die Hintergrundgeschichte spannender und besser erzählt ist als bei den meisten Konkurrenztiteln und zudem viele sinnvolle Extras wie der tolle Army-Controller die Bedienung zu einem wahren Vergnügen machen. Erfahrene Strategen mit dem Wunsch nach neuen Herausforderungen sollten den Trip in diese faszinierende Parallelwelt also unbedingt antreten – es lohnt sich.