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Interview: Das Urheberrechtssystem ist skandalös ineffizient

Golem.de: Initiativen wie One Laptop per Child (OLPC) versuchen das im Internet vorhandene Wissen Kindern in weniger entwickelten Ländern zugänglich zu machen. Welche Rolle können solche Inhalte hier spielen?

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Varian: Konzentrieren wir uns auf den Bildungssektor und damit Lehrbücher. Ich würde behaupten, das beste vergriffene Mathematik-Buch ist mindestens so gut wie das schlechteste kommerziell verfügbare Mathematik-Buch. Es sollte also nicht schwer fallen, Autoren zu motivieren, ihre Werke zu diesem Zweck zu spenden, gäbe es denn einen einfachen Weg, dies zu tun. Es sollte also kein großes Problem sein, einen alle Fächer umfassenden Satz Schulbücher aus solchen Materialien zusammenzustellen. Urheberrechte müssen dazu nicht verletzt werden. Das Ganze ist primär eine Frage der Organisation und steuerliche Anreize für die Spende von Inhalten könnten das Ganze noch vereinfachen.

Golem.de: Sie haben sich unter anderem mit Themen wie Systeme, Lock-In, Wechselkosten und den Vorteilen offener Systeme auseinander gesetzt. Betrachtet man den Markt für Online-Musik, findet man vor allem zwei dominierende Marktteilnehmer: Apple mit seinem proprietären System und Microsoft, deren System im Vergleich zu Apples Angebot oft als die offene Alternative dargestellt wird. Wie schätzen Sie diesen Markt ein?

Varian: Die wirkliche Marktmacht liegt in diesem Bereich nicht zwingend bei den Inhalteanbietern, sondern bei den Anbietern von Digital-Rights-Management-Systemen (DRM). Ein effektives DRM-System muss im Markt eine hohe Verbreitung haben und zum Standard werden. Hat man einen solchen Standard etabliert, hat man starke Lock-In-Effekte und Wechselkosten. Wer einen solchen Standard kontrolliert - sei es Microsoft oder sei es Apple -, verfügt gegenüber den Inhalteanbietern über eine starke Machtposition.
Bei Kabelfernsehanbietern ist dies noch viel stärker ausgeprägt. Die Anbieter kontrollieren, welche Inhalte die Nutzer erreichen, schlagen aus ihrer Position Kapital: Sie knöpfen dafür sowohl den Inhalteanbietern als auch den Empfängern Gebühren ab.

Golem.de: Genau dieses Problem wird in Bezug auf das Internet heute unter dem Begriff "Netz-Neutralität" kontrovers diskutiert.

Varian: Netz-Neutralität ist aber ein wenig greifbares Konzept. Einige verstehen darunter nur die Möglichkeit, unterschiedliche Preise für verschiedene Dienste zu fordern, für andere geht es um unterschiedliche Preise für verschiedene Inhalte und wieder andere sprechen darüber, einzelnen Providern unterschiedliche Preise zu machen. Manches dabei ist durchaus sinnvoll, anderes nicht. Aus meiner Sicht bedarf es hier noch einer universellen und von allen Seiten akzeptierten Definition des Themas Netz-Neutralität.

Golem.de: Zum Thema Wechselkosten und Lock-In findet man bei Ihnen die Aussage, Open Source biete einen besonderen Schutz gegen künftige Preiserhöhungen. Wie ist das zu begründen?

Varian: Mittlerweile haben viele das Problem von Wechselkosten erkannt, also die Tatsache, dass der Preis eines Systems von vielen Faktoren abhängt und nicht in erster Linie durch dessen Kaufpreis bestimmt wird, sondern auch von den Preisen, die für Updates oder zusätzliche Software, die in der Zukunft benötigt wird, der Integration in das Gesamtsystem, Schulungskosten und so weiter. Wenn es nun darum geht, eine Entscheidung zur Adaption einer bestimmten Software zu treffen, gilt es, die Gesamtkosten über den ganzen Lebenszyklus zu betrachten. Bei Open-Source-Software hat man einen vollständigen Zugriff auf Bestandteile und damit die Sicherheit, die Software bei Bedarf anpassen zu können. Damit hat man schon zum Zeitpunkt der Entscheidung die Sicherheit, nicht später in eine Sackgasse zu laufen, was bei proprietärer Software immer eine latente Gefahr darstellt.

Golem.de: Inwiefern hat Open Source die Wirtschaft und auch Geschäftsmodelle verändert?

Varian: Google wäre beispielsweise ohne Open Source praktisch nicht denkbar. Google nutzt mehrere hunderttausend Server und es wäre ziemlich teuer, wenn Google für jeden neuen Server Lizenzgebühren abführen müsste. So kann Google Software wirklich ausreizen und erweitern, um sie an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Open Source ist dadurch ein Kernbestandteil des Geschäfts. Mittlerweile gibt Google auch Software an die Open-Source-Community zurück und unterstützt unter anderem die Mozilla Foundation.

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Björn 21. Sep 2006

Wenn Du nichts weiter zum Thema beitragen kannst als unreifes Rumgeblöke, dann lass es...

Hans 20. Sep 2006

Soviele Interessante Zusammenhänge habe ich selten in einem Interview / Artikel gelesen...

Ihr Name 20. Sep 2006

ey, benutz gefälligst nicht meinen Nic :P

ji (Golem.de) 19. Sep 2006

Stimmt, böser Fehler meinerseit. Opt-out schafft Anreize, nicht Opt-in. :-( Ich hab das...


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