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Interview: Das Urheberrechtssystem ist skandalös ineffizient

Golem.de: Die Strafen, die in den USA bei Urheberechtsverletzungen drohen, sind allerdings recht hoch - sie können bis zu 150.000 US-Dollar pro Werk betragen. In dem Aufsatz argumentieren sie, dies sei auch sinnvoll, da das Risiko, erwischt zu werden, relativ gering ist. An wen soll das Geld gehen - den Rechteinhaber?

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Varian: Nun ja, darüber gibt es einige Diskussionen, aber ich denke, in der aktuellen Situation wird das Geld zumeist an den Rechteinhaber gehen. Es wäre aber auch ein System denkbar, das sowohl eine Kompensation für den Rechteinhaber als auch eine Strafe vorsieht. Ist die Kompensation für den Geschädigten aber zu hoch, schafft dies wieder den Anreiz, die eigenen Rechte verletzen zu lassen. Die vorgeschlagene Regelung um Thema "Orphan Works" sieht explizit vor, dass, wer sorgfältig nach dem Rechteinhaber sucht, nur die normale Lizenzgebühr zu entrichten hat. Mit einer sorgfältigen Suche ist man also aus dem Schneider, das halte ich für eine gute Idee.

Golem.de: Das Problem der "Orphan Works" spitzt sich aber auch durch eine rapide wachsende Menge von "User-Generated-Content" zu. Welchen Beitrag zu einer Lösung können Projekte wie Creative Commons hier leisten?

Varian: Ich halte Creative Commons für sehr wichtig. Angenommen, Sie sind auf einer Veranstaltung und machen ein Foto - vielleicht nicht Sie als Journalist, sondern als normaler Bürger -, stellen dies ins Internet und es wird von der Presse aufgegriffen. Es wird dann zunehmend schwieriger, den Urheber zu ermitteln, denn anhand des Fotos ist dies in der Regel nicht möglich. Die Situation wird unübersichtlich. Es geht darum, überhaupt irgendeine Art der Lizenzierung zu nutzen, beispielsweise Creative Commons, um anzuzeigen, ob ein Bild genutzt werden kann oder nicht.

Golem.de: Betrachten wir einen anderen Aspekt des Urheberrechts: Tauschbörsen und Filesharing. Die Inhalte-Industrie auf der einen Seite spricht in diesem Zusammenhang von Piraten, die Musik stehlen, während Tauschbörsen-Nutzer oft argumentieren, es werde niemandem etwas weggenommen, die Werke, die sie sich per Filesharing beschaffen, hätten sie ohnehin nicht gekauft. Gibt es aus ökonomischer Sicht einen Unterschied zwischen geistigem und physischem Eigentum?

Varian: Nun, geistiges Eigentum ist immer ein Kompromiss, denn wie Sie richtig anmerken: Einmal erstellt sind die direkten ökonomischen Kosten der Reproduktion praktisch null. Manche Werken bedürfen aber einiger Anreize, damit sie überhaupt entstehen. Wie man aber weiß, erhalten die eigentlichen Urheber oft nicht sehr viel für die Schaffung ihrer Werke, ihre Motivation hat nicht primär etwas mit ökonomischen Anreizen zu tun. Aber ein großer Teil der Infrastruktur, also derer, die Urhebern die Tür zu den Märkten öffnen, wollen in der Regel finanziell vergütet werden. Meiner Meinung nach bedarf es daher geistiger Eigentumsrechte, nur das aktuelle System ist zu extrem in dieser Hinsicht.
Schaut man in die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika, findet man in Bezug auf geistiges Eigentum dort die Formulierung "für eine begrenzte Zeit". Die Frage ist nun, was ist mit einer "begrenzten Zeit" in diesem Zusammenhang gemeint? Ich denke, die Antwort ist ganz einfach: 14 Jahre. Dies war damals die vorgesehene urheberrechtliche Schutzfrist. Ich glaube nicht, dass damit 95, 75 oder auch 28 Jahre gemeint sind.

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Björn 21. Sep 2006

Wenn Du nichts weiter zum Thema beitragen kannst als unreifes Rumgeblöke, dann lass es...

Hans 20. Sep 2006

Soviele Interessante Zusammenhänge habe ich selten in einem Interview / Artikel gelesen...

Ihr Name 20. Sep 2006

ey, benutz gefälligst nicht meinen Nic :P

ji (Golem.de) 19. Sep 2006

Stimmt, böser Fehler meinerseit. Opt-out schafft Anreize, nicht Opt-in. :-( Ich hab das...


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