Abo
  • IT-Karriere:

Kanada streitet ums Urheberrecht

Pro- und Kontra-Ausnahmen für den Bildungsbereich

Der Rat der Bildungsminister in Kanada (CMEC) schlägt vor, dass Bildungseinrichtungen alle öffentlich im Internet zugänglichen Werke kostenlos nutzen dürfen sollen. Eine solche Ausnahme solle im kanadischen Urheberrechtsgesetz verankert werden. Der Vorschlag findet die Zustimmung der konservativen Regierung. Der Internetforscher Michael Geist von der Universität Ottawa warnt im Toronto Star vor unerwünschten Nebenwirkungen.

Artikel veröffentlicht am ,

Die kanadischen Bildungsminister versprechen sich von einer solchen Ausnahmebestimmung einen breiteren Einsatz des Internets im Unterricht. Ihrem Vorschlag steht eine alternative Forderung des Verbandes Access Copyright gegenüber. Access Copyright vertritt 36 Organisationen von Urhebern und Verlegern bei der Lizenzierung ihrer Werke für den öffentlichen Gebrauch.

Stellenmarkt
  1. OEDIV Oetker Daten- und Informationsverarbeitung KG, Bielefeld
  2. Unternehmercoach GmbH, Eschbach

Michael Geist schreibt in seiner aktuellen Law-Bytes-Kolumne, dass Access Copyright in Zukunft ein Register aller Textwerke - von Büchern bis zu Blogs - errichten und verwalten wolle. Mit dessen Hilfe könnte dann die Nutzung von Internetinhalten lizenzpflichtig gemacht werden, mutmaßt Geist.

Der CMEC-Vorschlag sei zwar "besser als der Gegenvorschlag von Access Copyright", aber auf lange Sicht würde auch er eine Reihe negativer Konsequenzen haben. Das fange damit an, dass "eine solche Ausnahme für die meisten Bildungszwecke einfach unnötig" sei. Schließlich, so Michael Geist, "hat der oberste Gerichtshof entschieden, dass die faire Nutzung - und das schließt die Nutzung von urheberrechtlich geschützten Werken für Forschungszwecke und private Studien mit ein - integraler Bestandteil des Urheberrechtsgesetzes ist". Von Gesetz wegen sei also "der kostenlose Einsatz von Inhalten aus dem Internet im Unterricht" in vielen Fällen schon heute zulässig.

Jetzt eine neue Ausnahme ins Gesetz zu schreiben, würde ein falsches Signal setzen, befürchtet Michael Geist. So könnte der Eindruck erweckt werden, "dass die Verwendung öffentlich im Internet zugänglicher Materialien ohne ausdrückliche Erlaubnis verboten sei". Es komme hinzu, dass eine solche gesetzliche Ausnahmebestimmung gegen internationales Recht verstoßen könnte.

Statt eines besseren Zugangs zu Internetinhalten, wie von den Bildungsministern angestrebt, werde zudem das Gegenteil eintreten, sagt Michael Geist voraus: "Viele Website-Betreiber [...] werden nicht mit einem Gesetz einverstanden sein, das dem Bildungswesen einen kostenlosen Zugang zu ihren Inhalten erlaubt. Daher werden viele ihre Inhalte lieber nicht mehr öffentlich anbieten."

Als Kompromiss schlägt Michael Geist vor, den jetzt bestehenden gesetzlichen Ausnahmekatalog im Urheberrecht zu modifizieren. Statt die vorhandene Aufzählung von Ausnahmebestimmungen für vollständig zu erklären, sollten "diese Kategorien als Beispiele behandelt werden". Auf diese Weise wäre beiden Seiten gedient: Für das Bildungswesen würden weiter Ausnahmen gelten und die Urheber "erhalten die Vergütung, nach der sie sich so sehnen". [von Robert A. Gehring]



Anzeige
Hardware-Angebote
  1. 344,00€

Folgen Sie uns
       


Smarte Wecker im Test

Wir haben die beiden smarten Wecker Echo Show 5 von Amazon und Smart Clock von Lenovo getestet. Das Amazon-Gerät läuft mit dem digitalen Assistanten Alexa, auf dem Lenovo-Gerät läuft der Google Assistant. Beide Geräte sind weit davon entfernt, smarte Wecker zu sein.

Smarte Wecker im Test Video aufrufen
IT-Arbeit: Was fürs Auge
IT-Arbeit
Was fürs Auge

Notebook, Display und Smartphone sind für alle, die in der IT arbeiten, wichtige Werkzeuge. Damit man etwas mit ihnen anfangen kann, ist ein anderes Werkzeug mindestens genauso wichtig: die Augen. Wir geben Tipps, wie man auch als Freiberufler augenschonend arbeiten kann.
Von Björn König

  1. Sysadmin "Man kommt erst ins Spiel, wenn es brennt"
  2. Verdeckte Leiharbeit Wenn die Firma IT-Spezialisten als Fremdpersonal einsetzt
  3. IT-Standorte Wie kann Leipzig Hypezig bleiben?

10th Gen Core: Intel verwirrt mit 1000er- und 10000er-Prozessoren
10th Gen Core
Intel verwirrt mit 1000er- und 10000er-Prozessoren

Ifa 2019 Wer nicht genau hinschaut, erhält statt eines vierkernigen 10-nm-Chips mit schneller Grafikeinheit einen Dualcore mit 14++-Technik und lahmer iGPU: Intels Namensschema für Ice Lake und Comet Lake alias der 10th Gen macht das CPU-Portfolio wenig transparent.
Von Marc Sauter

  1. Neuromorphic Computing Intel simuliert 8 Millionen Neuronen mit 64 Loihi-Chips
  2. EMIB trifft Foveros Intel kombiniert 3D- mit 2.5D-Stacking
  3. Nervana NNP-I Intels 10-nm-Inferencing-Chip nutzt Ice-Lake-Kerne

Google Maps: Karten brauchen Menschen statt Maschinen
Google Maps
Karten brauchen Menschen statt Maschinen

Wenn Karten nicht mehr von Menschen, sondern allein von Maschinen erstellt werden, erfinden diese U-Bahn-Linien, Hochhäuser im Nationalpark und unmögliche Routen. Ein kurze Liste zu den Grenzen der Automatisierung.
Von Sebastian Grüner

  1. Kartendienst Google bringt AR-Navigation und Reiseinformationen in Maps
  2. Maps Duckduckgo mit Kartendienst von Apple
  3. Google Maps zeigt Bikesharing in Berlin, Hamburg, Wien und Zürich

    •  /