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Gray Matter - Gabriel Knight meets Matrix

Autorin Jane Jensen stellte in Leipzig ihr kommendes Adventure vor. Mit der Adventure-Serie Gabriel Knight – der letzte Teil erschien 1999 über Sierra – hat die Mystery-Romanautorin Jane Jensen viele Fans gewonnen. Auf der Games Convention stellte sie ihr PC-Adventure-Projekt Gray Matter vor, das nach einem Fehlschlag nun endlich realisiert werden und 2007 über dtp/Anaconda erscheinen soll.
/ Christian Klaß
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Die 1963 geborene Jane Jensen hat erst als System-Programmiererin für Hewlett-Packard gearbeitet und fing 1989 beim Spiele-Entwickler Sierra Online an. Jedes ihrer Gabriel-Knight-Spiele soll sich über 300.000-mal verkauft haben. Ihr erster Roman, Millenium Rising, erschien 1996. Im Jahr 2002 war sie Mitgründerin des Gelegenheits-Spiele-Publishers Oberon Media(öffnet im neuen Fenster) .

Gray Matter ist das erste Adventure, das Jensen seit der Veröffentlichung von Gabriel Knight 3 in Angriff nimmt. Schon 2003 wurde es einmal angekündigt und sollte über Dreamcatcher erscheinen. Ein Entwicklerteam wurde damals bereits gesucht, doch Dreamcatcher habe es dann letztlich nicht finanzieren können und das Projekt damit eingestellt, erklärte Jensen im Rahmen einer dtp-Pressekonferenz. "Dies ist also eine Möglichkeit für Gray Matter, um endlich realisiert zu werden" , so die Autorin. "Und hoffentlich, so denke ich, sind wir nun deutlich weiter als zur Zeit dieser anderen Ankündigung." Das Konzept und die Geschichte sollen hingegen identisch zu dem damals geplanten Spiel sein.

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Die Entwicklung von Gray Matter übernehmen Tonozuba/Nonstop – insgesamt 80 Leute arbeiten daran, ein eigenes Motion-Capturing-Team inklusive. Da das Spiel in den ersten Tagen seiner Entwicklung steckt, konnte der Einstieg ins Spiel nur anhand von Skizzen mit etwas Konversationstext gezeigt werden. Jensen betonte, dass sich das von Klaus Starke geleitete Team derzeit in der Konzeptionsphase befinde und an der Spiel-Engine gearbeitet werde. Wie ihre Bücher und die Gabriel-Knight-Spiele soll auch Grey Matter eine paranormale Mystery-Serie werden.

"[...] ich scheine nicht davon loszukommen" , so die Autorin scherzhaft über ihren Hang zu Mystery-Geschichten. "Aber fast 14 Jahre, nachdem das erste Konzept zu Gabriel Knight entstand, gab es viele TV-Serien über das Übernatürliche. Viele Filme, viele Spiele widmen sich dem Übernatürlichen. So galt es, einen frischen Ansatz und etwas Neues zu finden, das in dem Thema noch nicht gesehen wurde. Gray Matter hat deshalb eine deutlich philosophischere Sichtweise. Es ist ein subtileres, realistischeres und wissenschaftlicheres Herangehen an das Übernatürliche. Es stellt in Frage, es zeigt, was die Natur des Realistischen ist, wie die Wahrnehmungen und Vorurteile aussehen, wie sie die physische Welt beeinflussen. Und welche ungenutzten Kräfte der menschliche Verstand aufweisen könnte."

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Es gehe in Gray Matter um ein erwachseneres Thema anstatt um das Jagen einer Horde von Vampiren, so Jensen. Die Geschichte dreht sich um zwei Personen: die in Geldnöten befindliche Gauklerin, Straßenkünstlerin und Studentin Samantha Everett und den Neurobiologen Dr. David Styles, der seit dem Tod seiner Frau bei einem Autounfall zurückgezogen auf seinem englischen Landsitz lebt. Sam heuert beim durch den Autounfall seelisch und körperlich gezeichneten Doktor an, der eigenartige Vorstellungen bezüglich des Potenzials des menschlichen Hirns hat. Sam muss für ihren neuen Arbeitgeber sechs Oxford-Studenten auftreiben, die an einem Gehirn-Experiment mit virtuellen Realitäten teilnehmen.

Wie von Jensens Geschichten gewohnt, laufen die erst harmlosen Experimente irgendwann aus dem Ruder, es passieren immer neue unerklärliche Dinge. Schließlich bekommt Dr. Styles Besuch von seiner verstorbenen Frau. Am Spieler ist es, den Geschehnissen im "Dread Hill House" und auf dem Oxford-Campus auf den Grund zu gehen. Gespielt wird je nach Kapitel mit Sam oder mit Styles, ein Hin- und Herschalten würde nicht zur Geschichte passen, meinte Jensen. "Das war etwas, was ich für Gabriel Knight 4 vorhatte, zwischen den Leuten hin- und herzuspringen."

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Die erste Herausforderung für Sam ist es, erst einmal willige Studenten zu finden, da es um den Ruf des Doktors nicht zum Besten steht. Die Studenten werden im Laufe der Geschichte wohl kein schönes Ende finden, sie erfüllen ihre Rolle als "Opferlämmer", wie Jensen sie bezeichnet. Die Neurobiologie im Spiel soll dabei den aktuellen Stand des Wissens berücksichtigen.

"Dies ist das erste Spiel in der Serie und ich will es wie geplant zu einer fortlaufenden Serie machen, hoffentlich so wie bei Gabriel Knight. Deshalb bringt dieses erste Spiel die Hauptdarsteller zusammen und vermittelt das Thema der Serie. Das erste Spiel heißt 'Der Stoff aus dem die Träume sind'" , verriet Jensen. Viele der darin enthaltenen Aufgaben sollen traditionelle Inventar-, Logik-, Dialogpuzzles und Rätsel sein. Während Sam Taschenspielertricks anwenden kann, wird sich Styles in Hypnose und dem Zugriff auf Erinnerungen auskennen.

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Auf die Frage danach, ob es sich um ein 3D-Adventure handle, antwortete Jensen: "Wir haben Gabriel Knight 3 in Echtzeit-3D umgesetzt und ich glaube, dass das Adventure-Spiel-Publikum die Navigation in Echtzeit-3D in der Regel nicht mag. Also planen wir für dieses Spiel zweieinhalb D – 3D-Hintergründe, die vorgerendert wurden und darüber dann ein 3D-Charakter. [Das Spiel] wird hauptsächlich Point-&-Click sein, aber kontextabhängig und in einigen Bereichen, etwa wenn man die Magie von Sam ausübt, wird ein kleines Menü mit den möglichen Optionen auftauchen."

Während Gabriel Knight für seine recht harten Rätsel bekannt ist, soll sich Gray Matter etwas mehr am Massenmarkt ausrichten. Adventure-Einsteiger werden also nicht gleich von Anfang an mit schweren Kopfnüssen konfrontiert, bevor sie überhaupt vom Spiel gefesselt werden konnten. "Es wird definitiv einige herausfordernde Puzzles in Gray Matter geben, [...] ich kann dem Schreiben von Rätseln nicht widerstehen. Einige Leute finden diese sehr schwer zu lösen, aber ich versuche, üblicherweise einen nahtlosen [Spiel-]Fluss zu erzeugen, der in die Geschichte einführt und nicht durch sehr schwierige Puzzles stört."

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Auf die Frage, ob es einen linearen Spielablauf gibt oder mehr Freiheiten für den Spieler, antwortete Jensen, dass sie eine Hassliebe mit dem Wort "linear" verbinde. "Ich bin eine Erzählerin und glaube fest an den Fakt, dass dort eine Geschichte ist, selbst beim Schreiben der Geschichte stellt sich langsam heraus, dass eine Geschichte enthüllt wird, die längst existiert hat, bevor man darüber nachdachte." Wie bei Jensens bisherigen Spielen wird es also keine komplette spielerische Freiheit geben, sondern einen engen erzählerischen Rahmen, in dem die Spieler ein falsches und ein richtiges Ende erleben können.

Auf Action-Elemente wird bei Gray Matter verzichtet, anders als bei alten Sierra-Adventures oder bei Funcoms Genre-Mix Dreamfall . Zum Thema von Gray Matter würden Action-Elemente nicht passen. "Ich mag keine Hardcore-Action-Adventures, wenn es eine große Vermischung von Kämpfen mit Adventures gibt, ich glaube nicht, dass traditionelle Adventure-Spieler wirklich Kämpfe mögen." Dennoch könnten Action-Elemente Jensen zufolge funktionieren, abhängig vom Spiel und falls es wirklich in die Geschichte passt und einfach genug zu steuern ist.

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Gestorben werden kann zwar auch in Gray Matter, aber laut Jensen nur am Ende des Spiels – abhängig von zuvor getroffenen Entscheidungen. "Es wird nicht gekämpft in diesem Spiel, es gibt also weniger Möglichkeiten, zerhackstückelt zu werden" , antwortete Jensen auf die Frage eines Journalisten. Die Spielzeit wird voraussichtlich der von Gabriel Knight 3 entsprechen und bei rund 40 Stunden liegen. Angesprochen werden sollen Adventure- und Mystery-Fans ab etwa 16 Jahren. Für die musikalische Untermalung hofft Jensen wieder auf Unterstützung durch ihren Mann, einen Musiker und Komponisten.

Den vielen bereits erhältlichen und für die nahe Zukunft angekündigten Adventures ging eine Dürreperiode für Adventure-Fans voraus. Diese begründet Jane Jensen damit, dass während der goldenen ersten Periode für Adventure-Spiele die Prozessoren zu langsam für schnelle Action-und Spielhallen-Spiele waren. Also gab es viele Adventures und andere Spiele langsamer Art. Jensen dazu: "Aber – sobald die Prozessoren schnell genug für Actionspiele waren, haben diese den Markt so gut wie komplett übernommen. Ich glaube, das ist in Nordamerika noch immer der Fall. Es gab – seit Gabriel Knight 3 im Jahr 1999 erschien – kein in Nordamerika entwickeltes großes Adventure-Spiel mehr. Das ist wirklich schade, denn die Industrie kümmert sich nicht um die vielen Nutzer, die nicht an [Action-Spielen] interessiert sind."

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An der Art und Weise, wie Adventures aufgebaut waren, sei nie etwas falsch gewesen. Es gebe zwar viele Dinge aus klassischen Adventures alter Machart, die nicht mehr wiederkommen müssten, beispielsweise die Suche nach den richtigen anzuklickenden Pixeln ("Pixel Hunting") und eigenartige Lösungswege seien Geschichte. "Aber ich glaube immer noch an die Idee des Spielens einer Person in einer Story und durch diese zu reisen, als ob man sie gerade lesen würde. Und ich glaube, dass es ein Publikum dafür gibt" , betont die Autorin.

Gerade in Nordamerika sei es aber ein Problem, die Zielgruppe auszumachen, da dort lieber die "Action-Spiele mit großen Brüsten" bestellt würden, die zwar ihren 16-jährigen Sohn, aber nicht sie selbst ansprechen würden, so Jensen. Deshalb würden diejenigen, die Adventures vielleicht mögen würden, gar nicht mehr in die Computerspiel-Geschäfte gehen. Die Herausforderung sei es also, die Leute zu erreichen, die solche Spiele mögen.

Ein Weg sei es, den Online-Markt anzugehen, da so ein erwachseneres Publikum erreicht werden könnte. "Und wie wir gesehen haben, sind die Spiele in Europa wieder zurückgekommen. Wegen Gabriel Knight bekomme ich sogar immer noch Briefe aus Dänemark, Deutschland, Österreich und Frankreich. Deshalb denke ich auch, dass Europa immer eine Hochburg für intelligente storybasierte Spiele war" , so das wehmütige Lob von Jane Jensen. Lob hat die Gabriel-Knights-Erfinderin auch für Benoit Sokals Adventure Syberia parat, das sie wegen der Szenerie und der Präsentation bewundert.

Bis Gray Matter gespielt werden kann, wird noch etwa ein Jahr vergehen: Das PC-Adventure wurde im Rahmen der Games Convention 2006 für das vierte Quartal 2007 angekündigt. Der europäische Publisher dtp bzw. sein Adventure-Label Anaconda werden das Spiel nicht nur in Europa, sondern auch in den USA vertreiben.


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