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Zweiklassengesellschaft auf der Games Convention

Kleinere Websites, Fansites und Blogs bleiben außen vor. Die Leipziger Messeleitung scheint Fehler nachahmen zu wollen, welche an alte CeBIT-Zeiten erinnern und dort schon für Wirbel sorgten: Wer auf der Games Convention 2006 als Reporter für eine Online-Publikation unterwegs ist, dem kann der Zugang zum geschäftlichen Bereich der Messe verwehrt werden. Und das, obwohl im Vorfeld der Spielemesse stolz auf über 2.500 anwesende Journalisten aus 30 Ländern verwiesen wurde, 2005 waren es noch 2.000 aus 28 Ländern und 2004 rund 1.700 aus 21 Länder.
/ Christian Klaß
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Anders als Print- und Rundfunk-Journalisten, die mit Presseschildern durch die Gegend laufen, hat die Leipziger Messe Online-Journalisten erst einmal als Vertreter eines "Web-Portals" gebrandmarkt. Wer nur ein solches Schild vorweisen kann, darf – als Journalist zweiter Klasse – plötzlich nicht mehr in den Business-Bereich der Games Convention. Dort sitzen allerdings die Publisher, stellen ihre Neuheiten einem Fachpublikum vor und gewähren Interviews mit Entwicklern. Wer am Eingang zum Business-Center das falsche Schild vorweist, darf fortan nicht mehr rein.

Auf Nachfrage bei Mitarbeitern der Leipziger Messe hieß es, dass der Ausschluss auf Anfrage von Publishern erfolge, die sich im vergangenen Jahr über zu viele Besucher im Business Center beschwert hätten. Golem.de ist Derartiges selbst nicht aufgefallen, auch wenn es viele kleinere Nachrichten-Websites, Fansites und Blogs mit teils jungen Redakteuren geben mag, so sind die Publisher in der Regel erpicht darauf, auch diese zu empfangen und ihre News auf den entsprechenden Webseiten zu lesen.

Während sich die Leipziger Messe auf die Wünsche bzw. Beschwerden von Publishern beruft und sich die Öffentlichkeitsabteilung selbst nicht in der Lage sieht, sämtliche um eine Presse-Akkreditierung bittenden Websites zu überprüfen, zeigten sich die von Golem.de befragten Publisher überrascht bis entsetzt wegen der Regelung. Wer laut Leipziger Messe "nur zum Spaß" auf der Messe unterwegs ist, also vielleicht nur sein Blog füllt, ist dennoch unerwünscht – obwohl eine Art Presseausweis zweiter Klasse vergeben wird.

Größere Websites stehen immerhin auf einer Liste der "relevanten Publikationen" und ihre Vertreter erhalten zumindest auf Nachfrage Presseschilder der ersten Klasse. Neueinsteiger und kleinere Websites haben diesen Vorteil aber nicht, was eine ungerechte Benachteiligung ist – vor allem, wenn schriftliche Terminbestätigungen vorgewiesen werden müssen, obwohl Termine in der Regel nur per Telefonat oder E-Mail ausgemacht werden. Entsprechend verärgert und enttäuscht reagieren deshalb die zu Unrecht gebrandmarkten Online-Redakteure. Beschwerden wie "Da brauchen sie einem doch gar nicht erst eine Presseeintrittskarte geben...", "eine Frechheit", "[...] und das in der heutigen Zeit" sind deshalb immer wieder zu hören.

Auch Golem.de-Redakteuren wurde, wie vielen anderen etablierten Online-Medien, am ersten Messetag zunächst der Zugang zum Business-Center verweigert, bevor die Presseschilder getauscht werden konnten. Am Fachbesuchertag waren die Presseschilder zweiter Klasse kein Problem.

Während die Leipziger Messe sich überzeugt von ihrer Regelung zum Nachteil von Online-Journalisten zeigt, formiert sich unter den Publishern der Widerstand. Immerhin zahlen sie viel Geld, um Journalisten jeglicher Art ihre Produkte anzupreisen – und haben letztlich auch immer noch selbst die Möglichkeit, jemandem einen Termin zu verwehren.

Kommentar:
Horden junger, angehender Redakteure, Blogger und engagierte Fangruppen mögen für den einen oder anderen Messeplaner, Pressevertreter oder Journalisten ein eher unerwünschtes Phänomen sein. Dennoch ist es gerade ein Vorteil des Internets, dass jeder die Chance hat, seine eigene Publikation aufzubauen, abseits von Verlagen. Es reicht nicht, einige Blogger anzuheuern und sich ein eigenes Blog (gc-blog.de(öffnet im neuen Fenster)) schreiben zu lassen.

Es ist jedoch Aufgabe einer Messeleitung, sich hier einen Überblick zu verschaffen und auch einmal Flexibilität und Kenntnis des Internets zu beweisen sowie Neulingen zur Not auch in Rücksprache mit den Ausstellern Unterstützung zukommen zu lassen. Online-Journalisten hereinzulassen, um sie dann solange vom wirklich wichtigen Geschehen auszusperren, bis ausreichende Bedeutung nachgewiesen ist oder genügend Druck gemacht wurde, kann hingegen keine Lösung sein.


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