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Spieletest: Paradise - Neues Adventure vom Syberia-Schöpfer

Point&Click-Abenteuer in Afrika. Unter Anhängern klassischer Point&Click-Adventures genießt Benoit Sokal einen ausgezeichneten Ruf – was der ehemalige Comic-Zeichner mit Amerzone und später vor allem mit Syberia 1 & 2 erschuf, gehört mit Sicherheit zu den Highlights des Genres. In seinem neuen Projekt Paradise verschlägt es den Spieler nun nach Afrika in das fiktive, krisengeschüttelte Land Mauranien.
/ Thorsten Wiesner
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Nach eigenen Angaben wollte Sokal schon lange ein Spiel in Afrika ansiedeln – dem Kontinent, von dem er seit Kindesalter fasziniert ist und der für ihn eines der letzten Mysterien der Welt darstellt. Wie schon in Syberia und Syberia 2 nutzte er allerdings keine real existierenden Szenerien, sondern lässt die Handlung im Fantasiereich Mauranien stattfinden, irgendwo im Herzen Afrikas. Gesteuert wird einmal mehr eine weibliche Hauptfigur, diesmal die junge Ann Smith, Tochter des alternden, despotischen Königs von Mauranien.

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Als der seinen nahenden Tod und die drohende Gefahr für sein Land durch verfeindete Nachbarstaaten spürt, ruft er Ann – die sich vor Jahren von ihm abgewendet und das Land verlassen hatte – zu sich, und die Tochter kommt dem Ruf auch nach und setzt sich ins Flugzeug nach Mauranien. Das kommt allerdings nicht an seinem Bestimmungsort an – und Ann wacht eines Tages in einem Harem auf, ohne zu wissen, wer sie eigentlich ist und was sie an diesem seltsamen Schauplatz will.

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Fortan geht es darum, Ann ihre Erinnerung zurückzubringen, dabei durch Mauraniens Städte und Wüsten zu streifen und zahlreiche Charaktere kennen zu lernen. Die Steuerung ist Adventure-typisch: Durch Klick mit der linken Maustaste läuft Ann zu bestimmten Zielen; lassen sich Objekte aufnehmen oder benutzen, ändert der Mauszeiger seine Form und zeigt so die Interaktionsmöglichkeiten an. Natürlich müssen zahlreiche Multiple-Choice-Gespräche geführt und viele typische Logik- und Inventar-Rätsel gelöst werden; gerade letztere dürften aber auch für einigen Unmut sorgen – die Qualität der Rätsel von Syberia wird nämlich leider nicht erreicht.

Das liegt zum einen daran, dass vieles einfach unlogisch erscheint. Warum zwei beliebige Dinge aus dem Inventar miteinander kombiniert werden müssen oder weshalb bestimmte Gegenstände, die sich dann auch noch nicht untersuchen lassen und somit einfach rätselhaft erscheinen, an bestimmten Orten angebracht werden erschließt sich nicht so wirklich.

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Unerfreulich häufig wird also nach dem Versuch-und-Irrtum-Prinzip vorgegangen – irgendwas wird schon irgendwo passen. Vieles wirkt zudem arg konstruiert: Warum ist ein Code für ein kompliziertes Zahlenschloss ganz in der Nähe des Rätsels angepinnt? Und warum müssen die gleichen ewig langen Wege teils mehrfach zurückgelegt werden? Das riecht förmlich nach künstlicher Spielzeit-Verlängerung.

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Hinzu kommt, dass auch die Story längst nicht so episch und überzeugend angelegt ist wie die von Syberia – vieles wird nur angerissen, zahlreiche Charaktere bleiben blass und das Ende der Geschichte kommt derart abrupt, dass sich bei den meisten Spielern Ernüchterung einstellen dürfte. Letzteres übrigens schneller, als man denkt: Trotz unlogischer Aufgaben ist Paradise recht schnell durchgespielt, mehr als ein Wochenende werden Adventure-Freunde kaum benötigen.

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Letztendlich ist Paradise aber mit Sicherheit auch nicht so schlecht, wie die vorangegangenen Zeilen eventuell vermitteln – denn vor allem atmosphärisch macht der Titel sehr vieles richtig. Die Grafiken sind wunderschön gezeichnet und detailreich, die Zwischensequenzen, die man sich im Menü auch immer wieder anschauen darf, beeindruckend gelungen. Einmal mehr begeistert auch die deutschsprachige Synchronisation, da fast jeder Charakter eine glaubwürdige und passende Stimme hat.

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Einzig die Hauptheldin bleibt oftmals ein wenig zu emotionslos und zurückhaltend. Ein anderer Punkt von Paradise, auf den sich im Vorfeld viele gefreut hatten, ist dafür nur am Rande erwähnenswert: Es gibt im Spiel einen Leoparden, der eine ganz besondere Beziehung zu Ann hat und stellenweise auch selbst gesteuert werden darf. Allerdings ist die Bedienung dabei etwas hakelig, und inhaltlich wirkt das Ganze ebenfalls aufgesetzt.

Paradise ist bereits im Handel erhältlich und kostet etwa 40 Euro. Das Spiel hat eine USK-Freigabe ab 12 Jahren erhalten.

Fazit:
Misst man Paradise an Syberia, ist das Ergebnis eher enttäuschend – weder in Spielumfang noch in Hinsicht auf Story oder Rätseldesign kann das Abenteuer in Afrika dem Platzhirsch wirklich Konkurrenz machen. Wer Point&Click-Adventures mag, sollte aber trotzdem die Reise nach Mauranien antreten. In punkto Atmosphäre und dank wunderschöner Szenerien lassen sich auch unlogische Rätsel und die kurze Spielzeit halbwegs verschmerzen.


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