Open-Source-Software zwischen Moral und Freiheit
Wo ist, beziehungsweise sollte die Grenze der Freiheit liegen?
So jedenfalls der Grundsatz. Natürlich kann die Frage aufkommen, ob grenzenlose Freiheit sinnvoll ist, ob nicht etwa intolerable politische oder gesellschaftliche Verwendungszwecke ausgegrenzt werden sollten. Tiziano Mengotti und René Tegel, Chefentwickler des GPU-Projekts sehen das so. Gegenüber Newsforge begründeten sie ihre Lizenzmodifikation wie folgt: "Wir sind Software-Entwickler, die einen Teil ihrer Freizeit der Entwicklung von Open Source Software widmen. Es ist eine Tatsache, dass Open-Source-Software von der Militärindustrie genutzt wird. Freie Betriebssysteme können Kampfflugzeuge und Raketen steuern. Unsere Lizenzänderung soll den Software-Nutzern verdeutlichen, dass dies von uns definitiv nicht gestattet wird."
Ganz grundlos befürchten die Entwickler einen derartigen Missbrauch ihres Programms sicher nicht. Denn GPU ermöglicht den Aufbau eines Supercomputers durch die gemeinsame Nutzung der CPU-Leistung von virtuell verbundenen PCs.
Toleranz gegenüber anderen Meinungen
Ob uneingeschränktes Diskriminierungsverbot im Sinne der Open-Source-Philosophie oder moralische Vorstellungen sich durchsetzen sollten - die Geister mögen sich hierüber scheiden. Nach der Urheberrechts-Philosophie steht diese Abwägung letztlich den Entwicklern zu. Wer eine geistige Leistung erbringt, kann grundsätzlich frei darüber entscheiden, was die Nutzer hiermit machen dürfen. Im Übrigen: Wer hätte kein Verständnis dafür, dass ein Programmierer, der die Kontrolle über die Nutzung seiner Software weitgehend aufgibt, indem er sie unter eine freie Lizenz stellt, zumindest verhindern will, dass seine Errungenschaft für kriegerische Zwecke missbraucht wird?
So überrascht es nicht, dass sowohl die GPU-Entwickler als auch die FSF diesem Konflikt zwischen Moral und Freiheit zumindest zwiespältig gegenüber zu stehen scheinen. René Tegel gab gegenüber Newsforge an, sich nicht ganz sicher zu sein, ob eine solche Klausel in eine Software-Lizenz gehört. Auf der anderen Seite hat die FSF nicht von der - gegebenenfalls rechtlich bestehenden - Möglichkeit Gebrauch gemacht, die Veröffentlichung der no-military-Lizenz als ungenehmigte Bearbeitung der GPL zu verbieten. Auch wurden die GPU-Entwickler bis dato nicht aufgefordert, die Lizenz aus dem Netz zu nehmen. Es hat den Anschein, als würden beide Seiten die Einstellung der anderen zumindest in Grenzen respektieren. [von Till Kreutzer, iRights.info]
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
- ohne Werbung
- mit ausgeschaltetem Javascript
- mit RSS-Volltext-Feed
| Open-Source-Software zwischen Moral und Freiheit |







Wie meinst Du das?
Außer bei gewissen Normabweichlern? Nebenbei, wolltest du Kinder gegen Übergriffe...
Für mich hat diese Thematik vor allem eines: Signalwirkung vor der man nicht die Augen...
Für mich hat diese Thematik vor allem eines: Signalwirkung vor der man nicht die Augen...