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Anonym im Netz unter schwedischer Piratenflagge

Kostenpflichtiger Dienst "Relakks" gestartet. Die schwedische Piratenpartei hat einen kommerziellen Anonymisier-Dienst gestartet, der sich nicht nur an Nutzer von Filesharing-Software richtet sondern an alle, die aus den verschiedensten Gründen im Verborgenen bleiben wollen. Zwischen Relakks und dem Nutzer wird eine stark verschlüsselte Internet-Verbindung aufgebaut, über die sämtliche Internet-Anwendungen – etwa Tauschbörsen, Browser oder Instant Messenger – ihre Daten schicken können.
/ Christian Klaß
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Auch wenn " Relakks(öffnet im neuen Fenster) " von der "Piratpartiet" vollmundig als Darknet beschrieben wird, ist es ein Anonymisierer, denn die Nutzer tummeln sich nicht in einem für Fremde geschlossenen Netzwerk wie etwa beim Free Network Project (Freenet)(öffnet im neuen Fenster) . Stattdessen werden die verschlüsselten Datenpakete weiter ins Internet geschleust und nur die Zuordnung erschwert. Anstatt mit seiner vom Internet-Provider zugeordneten IP-Adresse sind die Relakks-Kunden mit einer alle 12 Stunden neu zugewiesenen schwedischen IP-Adresse unterwegs. Bisher können nur dynamische IP-Adressen vergeben werden, statische sollen später ebenfalls möglich sein.

Die Zuordnung der neutralen Relakks-IP-Adresse zu einer privaten IP-Adresse ist nach Angaben der schwedischen Piratenpartei nicht möglich. Insofern können etwa Beobachter die Datenpakete nur Relakks zuordnen, nicht aber dem Kunden. Selbiger ist über eine verschlüsselte Verbindung, genauer gesagt ein VPN mit 128-Bit-Verschlüsselung, an Relakks angebunden. So werden die Datenpakete beliebiger Anwendungen einfach durch Darknet geschleust und damit ihre genaue Herkunft verschleiert.

"Es gibt viele legitime Gründe, komplett anonym im Internet bleiben zu wollen" , so Rickard Falkvinge, der Vorsitzende der Anfang 2006 gegründeten schwedischen Piratenpartei, die mittlerweile viele Nachahmer gefunden hat. Falkvinge weiter: "Das Recht Information im Privaten auszutauschen ist essentiell für eine demokratische Gesellschaft. Ohne einen sicheren Weg, anonym auf das Internet zuzugreifen ist dieses Recht null und nichtig."

Die "Piratpartiet" sieht eine Gesellschaft der freien, privaten Kommunikation durch "nicht ausgeglichene" Urheberrechtsgesetze gefährdet, deren Erzwingung zwangsläufig die Überwachung der Bürger mit sich bringe. Mit einem Teil des Relakks-Erlöses – der Dienst kostet seine Nutzer 5 Euro pro Monat – soll deshalb Lobby-Arbeit betrieben werden, mit dem Ziel freundlichere Gesetze zu schaffen, die das Recht auf Privatsphäre wieder wahren. Die aktuelle "Routine-Überwachung" soll derweil mit Relakks unterlaufen werden.

Sicher vor polizeilichem Zugriff wird auch Relakks(öffnet im neuen Fenster) nicht bleiben, nur ob die Strafverfolger fündig werden ist zu bezweifeln, da keine Aufzeichnung des Datenverkehrs stattfinden soll. Ähnliche Dienste sind das von der US-Bürgerrechtsorganisation EFF unterstützte Projekt Tor(öffnet im neuen Fenster) sowie das an der Universität Dresden beheimatete Projekt AN.ON(öffnet im neuen Fenster) , das den Anonymisierungs-Proxy JAP betreibt. Dieser arbeitet mit Tor zusammen und geriet bereits ins Visier des Bundeskriminalamts (BKA). Tor und JAP sind kostenlos, allerdings nicht unbedingt auf Dienste ausgelegt, die für einen regen Datenverkehr sorgen.


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