Interview: Herausforderung Print on Demand
Netzeitung: Im Books-on-Demand-Programm findet man Autoren, die von Begegnungen berichten, die sie in Trancezuständen mit nicht-menschlichen Wesenheiten hatten, und pensionierte Beamte, die sich beim Krimilesen über falsche Alibis ärgerten und nun selber Krimis schreiben. Kann man von Graswurzel-Schriftstellern sprechen, so wie man von "Graswurzel-Journalismus" im Internet spricht?
Eichborn: Ich kann mit dem Begriff nicht soviel anfangen. War Allen Ginsberg zu seiner Zeit ein Graswurzel-Autor? Machen wir uns nichts vor: Die Fülle der Graswurzel-Journalisten und -Autoren, wenn man sie so nennen will, kann nicht schreiben. Das ist wie bei allen menschlichen Tätigkeiten: Leute, die besser sind als andere, sind zwangsläufig wenige. Je besser, desto weniger. Ich habe endlos Bücher gelesen, die ich grauslig finde.
Das ist das gute Recht der Autoren. Ein Segen, dass es das gibt, dass es so zensurfrei funktioniert. Bücher sind das einzige Medium mit Sprache, das frei von Werbung, Industrie und letztlich auch vom Markt ist. Heute kann jeder sein Buch drucken lassen. Die Zeitungen sind dazu da, den Raum zwischen den Anzeigen zu füllen. Je mehr sie verkaufen, desto mehr verdienen sie mit Werbung, von der sie abhängig sind, das ist da das Spiel.
Netzeitung: Aber es ist einfacher geworden, Bücher zu veröffentlichen. Im Buchmarkt gibt es wie in allen Medien eine Demokratisierung, oder?
Eichborn: Klar. Vor 100 Jahren, als die Zeitschriften aufkamen, hatten die Büchermacher und Buchhändler Angst, verdrängt zu werden. Als die Taschenbücher aufkamen, wurde in den fünfziger Jahren das Buch zur Massenware. Jetzt geht die Demokratisierung weiter: Jeder kann drucken und verkaufen, wozu er Lust hat.
Netzeitung: Auf der amerikanischen Plattform Lulu.com kann man laut Webseite "schnell, einfach und kostenlos innerhalb von Minuten publizieren und verkaufen", ohne irgend etwas zu bezahlen.
Eichborn: Beim On-demand-Druck kostet es auch nicht viel, das geht bei "BoD" so ab 350 Euro - anders als bei all den Ausbeuterverlagen, die richtig hinlangen und zum Beispiel Werbung versprechen. Dabei gibt es keine Werbung für Bücher, die etwas bringt. Anzeigen für Bücher sind rausgeschmissenes Geld.
Netzeitung: Was bringt denn etwas?
Eichborn: Pressearbeit, Medienarbeit. Guerilla-Marketing: 20 Leute durch Deutschlands Buchhandlungen schicken, die überall nachfragen. Mund-zu-Mund-Propaganda, das bringt etwas. Als Leser muss ich erstmal davon erfahren, dass es ein Buch gibt, das mich interessiert.
Netzeitung: Sogenanntes virales Marketing?
Eichborn: Nur dass ich da vieles nicht glaube. Viele Autoren sind ständig unter Pseudonymen dabei, im Internet ihre eigenen Bücher zu empfehlen und besprechen. Ist doch klar, dass viele der Stimmen bei Amazon die Autoren selbst sind. Das gehört übrigens auch zur Verlags-Taktik. Wenn ich heute einen Verlag hätte, würde ich jemanden dransetzen, der nichts anderes tut, als unter vielen Namen dafür zu sorgen, dass meine Bücher im Netz immer überall präsent sind.
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ihn kennt man, dich nicht
was sagt uns das ? natürlich-> lesegeräte in buchform ;) das beste daran, sie sind immer...