Interview: Herausforderung Print on Demand

Netzeitung: Dem Buchmarkt steht also die gleiche Entwicklung bevor, die der Musikindustrie durch die Digitalisierung schon widerfuhr und die in anderen Branchen der Unterhaltungsindustrie, bei Film, Fernsehen, Journalismus, gerade läuft?

Eichborn: Ja. Nur ist Lesen eine anstrengendere Beschäftigung als Musik hören und Bilder ansehen. Ich will weiterhin ein Buch in der Hand haben, ich will es nicht am Bildschirm lesen. Dass das E-Book kommt, ist aber auch klar.

Netzeitung: Kommt das noch? Das wurde doch schon vor Jahren beschworen.

Eichborn: Es ist bisher noch zu teuer, die Technik ist da. Inzwischen kann ich blättern und lesen wie auf einer normalen Buchseite. Es wird kommen, dass ich mir überlege, welchen Roman ich am Strand lesen will, und mir dann "Jerry Cotton" oder Donna Leon aufs E-Book lade. Und Sachtexte natürlich. Aber das herkömmliche Buch wird nicht verdrängt.

Netzeitung: Die Zahl der publizierten Bücher steigt immer weiter. In Deutschland sind 2005 insgesamt 89.869 Titel neu erschienen.

Eichborn: Die Produktvielfalt nimmt auf allen Feldern weiter zu. Die Auflagen sinken dementsprechend, und je kleiner die Auflagen, desto mehr macht das On-Demand-Prinzip Sinn.

Netzeitung: Desto schwerer wird es für den Einzelnen, an Aufmerksamkeit zu kommen.

Eichborn: Das ist ohnehin schwer. Auch jetzt hat es der unbekannte Autor mit dem unbekannten Manuskript schwer. Verlage und Buchhandel haben ihre Kriterien zwangsläufig von gestern, aus ihren Erfahrungen. Wenn alle sich um denselben Mainstream prügeln, hat es das ungewöhnliche Neue immer schwerer, hineinzukommen. Alle Erneuerung in der Welt hat immer an den Rändern stattgefunden, Jesus Christus bis Bill Gates kamen aus dem Nichts. Die Fülle der Autoren war zu ihrer Zeit verkannt.

Netzeitung: Ist das immer noch so?

Eichborn: Nach wie vor. Ich bin überzeugt davon, dass wir die bleibenden Autoren heute gar nicht beurteilen können. Das konnten die Zeitgenossen noch nie, die haben nie richtig gelegen. Die fanden etwa Gutzkow, den heute keiner mehr kennt, wichtiger als Goethe.

Netzeitung: Schöne Aussichten für heute verkannte Autoren.

Eichborn: Die Fülle der Autoren taugt natürlich auch nichts. Dieses Lamento der leidenden Autoren kann ich nicht leiden.

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