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Digitaler Reiseführer: Lost in Translation war gestern

Intelligentes Navigationssystem mit Übersetzungsfunktion erfolgreich erprobt. Ein digitaler Reiseführer namens COMPASS verspricht Touristen und anderen Reisenden eine leichte Orientierung in fremden Ländern – auch ohne die dafür notwendigen Sprachkenntnisse. In einem Pilotprojekt hat das Fraunhofer Institut für Software- und Systemtechnik (ISST) mit Partnern das System in Peking erprobt. Touristenströmen dürfte dies eine wertvolle Hilfe sein, wenn sie die Olympischen Spiele 2008 in der chinesischen Hauptstadt stressfrei genießen wollen.
/ Ingo Pakalski
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Kern von COMPASS ist ein Backend-Server, der vor allem lokale Informationen sowie Daten zu touristischen Sehenswürdigkeiten sammelt und diese gewichtet, um sie schließlich per Internet-Verbindung an ein Mobiltelefon zu übermitteln. Dies soll eine zügige und vor allem treffsichere Datenbelieferung gewährleisten, die auf einen bestimmten Ort samt aktueller Tageszeit zugeschnitten ist.

In dem Pilotprojekt wurde die Standortbestimmung mittels GPS-Signal realisiert. Möglich wird aber auch eine Ortsbestimmung mittels Funkzellenortung sein. Das Szenario gestaltet sich für den Touristen folgendermaßen: Das Taschentelefon übernimmt die Ortung und übermittelt die aktuelle Position an den COMPASS-Server, der daraufhin die gefundenen Informationen an den mobilen Begleiter überträgt. Der Backend-Server weiß dann etwa, welche Geschäfte, Restaurants oder Sehenswürdigkeiten in der Umgebung des aktuellen Ortes zu sehen sind.

Befindet sich ein Tourist mit dem digitalen Reiseführer außerhalb der Öffnungszeiten vor einem Geschäft oder einem Gebäude, kann COMPASS diese Informationen einbeziehen. Das verhindert, dass der Tourist zu einem Laden gescheucht wird, der zu diesem Zeitpunkt gar nicht geöffnet ist. Hierzu nutzt der Backend-Server auch lokale Suchmaschinen, die Informationen wie Öffnungszeiten meist bereitstellen. Hält sich der Tourist zur Mittagszeit in der Nähe eines Restaurants auf, weist COMPASS den Weg und hilft bei der Kommunikation mit dem Personal, das häufig nur chinesisch spricht.

Bei all dem hat der Tourist die Möglichkeit, ein Nutzerprofil anzulegen, um die Informationsmenge zu begrenzen und zu kanalisieren. Das automatische Anlegen von Profilen ist nicht vorgesehen, so dass der Anwender die Kontrolle darüber behält, welche Daten er preisgibt. Befinden sich etwa ein französisches und ein italienisches Restaurant in der Nähe des Touristen und wird COMPASS nach einer passenden Essensgelegenheit befragt, wird die italienische Küche vorgeschlagen, wenn der Nutzer zuvor seine Abneigung gegenüber den französischen Kochkünsten per Profil kundgetan hat. Die Profile gestatten somit die Filterung unliebsamer Informationen, so dass die Relevanz der bereitgestellten Informationen steigt.

Da der Backend-Server sogar Speisekarten von Restaurants in digitaler Form vorhält, gelingt auch die Essensbestellung, selbst wenn die Menü-Karte vor Ort nur chinesische Schriftzeichen aufweist. Mit Hilfe von Übersetzungsfunktionen kann das Restaurant-Personal den Bestellwunsch vom Display des Mobiltelefons ablesen oder vom Gerät vorgelesen bekommen.

Das Fraunhofer ISST hat COMPASS kürzlich in Peking zusammen mit dem DFKI, T-Systems sowie dem chinesischen Forschungsinstitut ICT und CapInfo erprobt. In einem Feldtest konnten zwei Drittel der Teilnehmer kein chinesisch sprechen und mussten sich mit dem digitalen Reiseführer in der chinesischen Hauptstadt zurecht finden. Als Härtest mussten die Nutzer erfolgreich ein Café in der Nähe ausfindig machen, Wetterinformationen für einen bestimmten Ort abrufen oder eine Taxifahrt samt Unterhaltung mit dem Taxi-Chauffeur absolvieren. Dies gelang nach Institutsangaben problemlos. Selbst das Feilschen von Preisen in Geschäften soll mit dem System möglich gewesen sein.

Die technischen Voraussetzungen erwarten ein Smartphone mit GPRS-Verbindung und HTML-Browser. Theoretisch eignet sich auch ein PDA oder Smartphone mit HTML-Browser und WLAN-Anbindung dafür. Für den Feldtest fehlten einfach die passenden WLAN-Hotspots, um eine möglichst flächendeckende Verbindung zu dem Backend-Server zu garantieren. In dem Test kamen die Windows-Mobile-Smartphones MDA III und MDA Pro zum Einsatz, die mit speziellen Clients ausgestattet waren. Diese boten Sprachein- und ausgabe, um den Testern den Umgang mit dem System weiter zu vereinfachen.

"Der Feldtest lief sehr zufriedenstellend. Die Testpersonen waren begeistert und haben einhellig bestätigt, dass die Funktionalität der COMPASS-Anwendung ihnen geholfen hat, die vorgegeben touristenspezifischen Situationen einfach zu meistern", schwärmt Dr. Bernhard Holtkamp, COMPASS-Projektleiter am Fraunhofer ISST. Und auch chinesische Kontaktpersonen wie Taxifahrer, Verkäufer oder Kellner, die von den Testern mit der Anwendung konfrontiert wurden, waren nach Institutsangaben von dem System angetan. Ziel ist es nun, den Besuchern der Olympischen Spiele 2008 in Peking ein lauffähiges COMPASS-System zur Verfügung zu stellen. Zu welchen Konditionen der Dienst dann angeboten wird, ist noch unklar. Aber auch für andere Großereignisse könnte sich das System eignen, um Touristen die Orientierung in einem Land zu erleichtern, dessen Sprache und Schrift sie nicht oder nur bruchstückhaft beherrschen.


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