Spieletest: Red Orchestra - Mehrspieler-Schlacht in Russland
Aus Unreal-Tournament-Mod wurde kommerzielles Spiel. In den letzten Jahren hat die Mod-Szene einen so kontinuierlichen Zulauf von ambitionierten und talentierten Entwicklern wie nie zuvor - kein Wunder, dass aus immer mehr dieser vermeintlichen Hobby-Projekte mittlerweile kommerzielle Software wird. Jüngstes Beispiel ist der Netzwerk-Shooter "Red Orchestra: Ostfront 41-45", der seit einiger Zeit über den Download-Dienst Steam, mittlerweile aber auch als von Frogster Interactive veröffentlichte Handelsversion erhältlich ist.
Entwickelt wurde "Red Orchestra: Ostfront 41-45" von Tripwire Interactive, den Machern des preisgekrönten Unreal-Tournament-Mods Red Orchestra, die sich im Frühjahr 2004 mit ihrem Preisgeld und einer gewonnenen kostenlosen Version der Unreal Engine selbstständig gemacht haben. Mit "Red Orchestra: Ostfront 41-45" liefern sie ihr erstes kommerzielles Spiel auf Basis der Unreal-Engine 2.5 ab.
Red Orchestra spielt ähnlich wie Day Of Defeat im vom Shooter-Genre nicht gerade selten genutzten Szenario des Zweiten Weltkriegs. Anders als Day Of Defeat und Konsorten wurden hier allerdings - wie der Titel schon sagt - die Schauplätze des deutschen Feldzugs gegen die Sowjetunion genutzt. Der Spieler darf dabei wahlweise auf Seiten der Aliierten (Sowjetunion) oder für die Achsenmächte (sprich: Die deutsche Wehrmacht) ins Feld ziehen; gerade letzteres dürfte sicherlich wieder für einige Kontroversen sorgen.
Red Orchestra ist ein klassischer Mehrspieler-Titel; eine Einzelspieler-Kampagne ist zwar vorhanden, taugt auf Grund ihres geringen Umfangs und der kaum vorhandenen Intelligenz der Computer-Bots allerdings nur zum grundsätzlichen Bekanntmachen mit dem Gameplay. Ein bisschen Übung ist allerdings auch zwingend vonnöten, um in den Gefechten am Kaukasus und Umgebung zurecht zu kommen.
Tripwire Interactive ging es offensichtlich vor allem darum, sich durch möglichst hohen Realismus von der Konkurrenz abzuheben. Das beginnt schon bei der Bedienung der Waffen: Ein Fadenkreuz gibt es nur für die Scharfschützen, ansonsten muss mit Kimme und Korn Vorlieb genommen werden; Querschläger und unangenehme Rückstoßeffekte bestimmen zusätzlich das Bild, selber nachgeladen werden muss natürlich auch.
Zudem müssen sich die Spieler mit einigen authentischen Beschränkungen abfinden. Panzer etwa lassen sich nicht mit jedem beliebigen Soldaten führen - nur die dafür vorgesehen Soldaten können die Stahlkolosse wirklich lenken. Es versteht sich fast von selbst, dass auch das Herumkurven mit den Kettenfahrzeugen nicht so Arcade-lastig ist wie in anderen Shootern: Abhängig vom Terrain sollte gut abgewogen werden, wie viel Gas man gibt - Abbremsen und Beschleunigen ist nämlich alles andere als einfach. Auch das Bedienen der Bordgeschütze ist oft eher anstrengend als spannend.
Optisch hat Red Orchestra nicht allzu viel zu bieten: Die Unreal-Engine ist bereits deutlich in die Jahre gekommen, die Umgebungen wirken zum Teil trist und farblos, die Animationen hölzern. Zudem nerven die oft beachtlichen Ladezeiten.
Red Orchestra: Ostfront 41-45 ist für knapp 30,- Euro im Handel erhältlich und hat eine USK-Freigabe ab 16 Jahren erhalten. Auch wer die Handelsversion kauft kommt um die Steam-Aktivierung übrigens nicht herum, wird dafür aber zumindest mit einem gedruckten Handbuch und Karten belohnt.
Fazit: Red Orchgestra setzt auf beinharten Realismus - und will so die Spieler begeistern, denen Titel wie Battlefield 2 schon immer viel zu Arcade-lastig waren. Wer Spaß daran hat, mit jeder Kugel Munition äußerst sorgsam umzugehen und sich nur langsam durch das Gelände vorzukämpfen, könnte an den Mehrspieler-Schlachten Gefallen finden. Alle anderen werden sich ob des hohen Schwierigkeitsgrades und der nicht gerade taufrischen Präsentation kaum überzeugen lassen.