Neue Kampagne gegen Film-Schwarzkopierer. Mit der Kampagne "Raubkopierer sind Verbrecher"/"Hart aber gerecht" versucht die Filmbranche seit mittlerweile drei Jahren, Schwarzkopierer mit den rechtlichen Folgen zu konfrontieren und damit abzuschrecken. Nun wurde in Berlin ein neuer Fernseh- und Kino-Spot vorgestellt, der sich nicht um die Zeit vor oder während, sondern nach dem Gefängnis dreht – und ehrliche Kunden weniger stark beleidigt.
Während die bisherigen Werbespots die zahlenden Kinozuschauer mit harten Sprüchen malträtieren und sie dem Pauschalverdacht aussetzt, illegale Taten zu vollziehen, bedankt sich der neue Spot mit "Danke, dass Sie sich für die legale Alternative entschieden haben" . Der Werbespot selbst zeigt einen hektischen jungen Ex-Häftling, der Beziehungsanbahnung bis Trennung in wenigen Sekunden an der Theke absolviert. Der markige Spruch dazu lautet: "Nach 5 Jahren Knast hat man keine Zeit zu verlieren."
Das neue Video(öffnet im neuen Fenster) steht ab sofort auf der Website www.hartabergerecht.de(öffnet im neuen Fenster) zur Verfügung, auch auf einigen Fernsehsendern (MTV, Viva, RTL und Tele 5) soll er ab heute laufen. Im Kino wird der Werbespot "Jede Sekunde zählt!" erst im September 2006 gezeigt, so Jan Oesterlin, der Geschäftsführer der für die Kampagne verantwortlichen Zukunft Kino Marketing GmbH (ZKM). Weiterhin ist geplant, in Zukunft mit der Kampagne stärker im Kino und im Handel aufklärend und abschreckend zugegen zu sein. Auch auf "Points of Crime" , so Oesterlins Umschreibung von Internet und Flohmärkten, soll in Zukunft mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden. An Schulen will die ZKM ab 2007 ihre Aufklärungsbemühungen verstärken. Oesterlins Ziel ist es, die Nähe und den Diskurs mit den Kunden zu suchen und mit der Kampagne im Gespräch zu bleiben.
Zum Start des neuen Raubkopierer-sind-Verbrecher-Videos hat die ZKM den geschichtsträchtigen Berliner Bahnhof Friedrichstraße gewählt. Wo zu Zeiten der Mauer früher einmal der Besucherverkehr zwischen West- und Ost-Berlin unter dem Blick der Volkspolizei abgewickelt wurde, "versteckten" sich nun vier angemalte Menschen an Pfeilern und Wänden, flankiert von einem Raubkopierer-sind-Verbrecher-Aufkleber und dem Hinweis "Raubkopierer können sich nicht verstecken" . Dazu kamen noch ein paar freundliche Informationszettelverteiler mit amerikanisch angehauchten Polizei-Uniform-Imitaten. Neben Pressefotografen fanden sich auch Passanten mit Fotoapparaten und Fotohandys ein, das Geschehen zu knipsen.
Auf die Frage danach, ob eine zu harte Abschreckung die Filmbranche nicht in ein schlechtes Licht rücke, betonte Oesterlin gegenüber Golem.de, dass die Zielgruppe selbst fordern würde, besser über die Folgen informiert zu werden. Auch wenn Oesterlin in der anschließenden Pressekonferenz beiläufig erwähnte, dass bereits Klagen mit dem in der Werbung ausgeschlachteten Strafmaß von fünf Jahren Gefängnis endeten, dürfte dies allerdings nur für die wenigsten Schwarzkopierer gelten.
Eine im Auftrag der Filmförderungsanstalt (FFA) von der Firma P4M durchgeführte Studie untersuchte 116 Kinofilme, die im Zeitraum vom 1. April 2006 bis zum 30. Juni 2006 in den deutschen Kinos angelaufen sind. Filme mit 50.000 oder mehr Besuchern am Eröffnungswochenende sollen dabei gleichzeitig zu 100 Prozent online verfügbar gewesen sein. Filme mit 10.000 bis 50.000 Zuschauern am Eröffnungswochenende, was den Großteil der Filme ausmacht, waren zu 80 Prozent online erhältlich.
Erfasst wurden dabei laut ZKM alle "relevanten Foren, Portale, News-Server und File-Sharing-Technologien [...], wie etwa eDonkey, BitTorrent und Usenet" . Bei der Ermittlung der Download-Zahlen wurde ausschließlich in BitTorrent gemessen. Bei dem Film "Das Omen" sollen am Startwochenende 82.187 BitTorrent-Downloads erfolgt sein, 135.225 Personen sahen sich das Gruselfilm-Remake im Kino an. Beim erfolgreicheren Animationsfilm "Ice Age 2 – Jetzt taut's" hätten 2.395.588 Personen 121.894 BitTorrent-Downloads gegenübergestanden.
Da sich auch die ZKM bewusst ist, dass Abschreckung nicht in jedem Fall helfen wird, sind auch schärfere Maßnahmen in den Kinos selbst geplant. Damit die deutschen Tonspuren nicht mehr unerlaubt aufgezeichnet und in Verbindung mit in anderen Territorien bereits erschienenen Kauf-DVDs kombiniert und verbreitet werden, sollen technische Störmaßnahmen die Aufnahmen unbrauchbar machen. Ähnliches wurde auch für Kameras in Aussicht gestellt, allerdings scheint die Technik hier noch etwas auf sich warten zu lassen. Beim Transport an die Kinos werden die Filme zudem nur noch in Einzelteilen geliefert.