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IMHO: Defragmentieren, bis der Arzt kommt

Festplatte aufräumen als Abhilfe gegen "Computerkrebs"?

Die Hitze scheint nicht nur der Technik zu schaffen zu machen, auch der Mensch leidet - manchmal hat er dann auch Visionen. In diesem Fall geht es nicht um solche, die zu schmerzhaften Sprüngen gegen aufreizende Eisreklame führen. Nein, schlimmer noch, die hier thematisierte Vision dreht sich um eine schleichende Krankheit, die nichts ahnende Bürger auf heimtückische Weise ihrer PCs beraubt.

Artikel veröffentlicht am ,

Eine am vergangenen Freitag in der Redaktion eingetroffene Pressemitteilung geben wir hier auszugsweise wieder, damit die geschätzten Leser sich der vollen Tragweite der aus Marketing-Meisterhand stammenden Bedrohung biblischen Ausmaßes bewusst werden können. Bitte gut festhalten, es geht los:

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"Alle wissen über das zerstörerische Wesen von Computerviren Bescheid. Sie sind gemein, gefährlich und zum Zerstören von Computern und Netzwerken vorgesehen. Spyware und Adware sind auch berüchtigt für die Störungen, die sie verursachen können und werden nun von einigen Fachleuten als schlimmer als Viren eingeschätzt. Wenn Sie aber einen Windows-Rechner haben, lauert darin ein verstecktes Problem, das schließlich zur Verstümmelung und zum Tod Ihres Systems führen wird."

Das hier vom Softwarehersteller Diskeeper ausgemachte Grauen hat auch einen Namen: Es nennt sich "Fragmentierung" und beschreibt verteilt und nicht am Stück auf der Festplatte gespeicherte Dateien. Zwar kann Defragmentierung bei stark fragmentierten Festplatten und großen Dateien durchaus etwas bringen, wie etwa der c't-Test im Heft 21/05 ("Datenleger", Seite 178) zeigt. Doch eine Fragmentierung marketingträchtig als gar garstigen "Computerkrebs" zu bezeichnen, der im Rechner um sich greift, mutet dann für einen Defragmentierungssoftware-Anbieter doch eher etwas übertrieben an:

"Das heimtückische Wesen der Fragmentierung liegt in der Tatsache, dass sie ein leiser Killer des Computersystems ist. Wie ihr biologisches Pendant metastasiert die Fragmentierung langsam durch das System, wächst und würgt Ressourcen durch seine Verstopfung des Systems mit Bits und Daten ab. Die Symptome zeigen sich zuerst in Form von niedrigerer Leistung, immer länger dauernden Hochfahrzeiten und immer langsameren Ladezeiten für Programme."

Ganz von der Hand zu weisen ist das nicht, doch die Beschreibung scheint etwas übertrieben. Damit nicht genug: "Irgendwann hängt sich dann Ihr Computer aus keinem offensichtlichen Grund auf. Natürlich können Sie das System wieder neu starten, aber diese Episoden kommen immer häufiger vor, bis es eines Tages zum Absturz kommt. Ihr System wird vollkommen abgeschaltet", mahnt Diskkeeper fast prophetisch. In Netzwerkumgebungen verschlimmere sich die Situation um ein Vielfaches und werde wesentlich teurer, wenn das System "schließlich abgeschaltet" werde. Das mutet fast an, als ob der Datenwust eigenhändig auf den Ausschalter drückt.

Selbst die Hardware kann der Pressemitteilung zufolge kaputtgehen, der Höhepunkt klingt nach einem Fiebertraum: "Im Vergleich zu den Kosten einer Neuanschaffung stellt die Defragmentierung ein relativ günstiges Mittel zur Rettung Ihres Systems vor sicherem Verhängnis dar. 'Computerkrebs' kann mit Erfolg behandelt werden, wenn Sie wissen, was dagegen zu tun ist und effektive Maßnahmen vorgenommen werden." Die Kollegen von Heise haben hingegen eher ihre Bedenken geäußert (c't 24/05, Seite 84), dass ständiges Defragmentieren einerseits wenig bringt, die Festplatten aber möglicherweise unnötig belastet. Bei dieser heißen Witterung sei hinzuzufügen, dass für eine gute Festplattenkühlung nicht nur, aber vor allem beim Dauereinsatz gesorgt werden sollte.

Natürlich gebe es laut Diskeeper zu beachtende Unterschiede bei der am Markt befindlichen Defragmentierungssoftware, "genau wie in der Medizin". Vielleicht könnten die durch solch überzeugendes Marketing-Material unzweifelhaft im Übermaß generierten Gewinne in eine Klimaanlage investiert werden. Ein Headcrash durch Überhitzung ist schließlich nicht nur bei Festplatten unangenehm.

IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)



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wallach@yahoo.com 31. Jul 2006

Klar....woran denn sonst. Komisch nur, das du scheinbar der einzige bist, bei dem NTFS...

a.ehrenforth 26. Jul 2006

Solche Kommentare könnten ruhig öfters kommen. Gruß Andi

Sir Jective 25. Jul 2006

sprich zu der hand

Sir Jective 25. Jul 2006

nicht frustrierte computeruser, sondern vollidioten, also genau ihre bisherige kundschaft.

Maniac 25. Jul 2006

Ich kann nur hoffen, das die Schule bald wieder beginnt, dann werden es auch wieder...


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