Kritik: VMware gegen Microsoft und XenSource
Die für Ende 2007 geplante nächste Server-Generation aus dem Hause Microsoft wird eine eigene Virtualisierungstechnik mitbringen. Zusammen mit XenSource, den Entwicklern der freien Virtualisierungslöung Xen, möchte Microsoft daran arbeiten, paravirtualisierte Linux-Distributionen zu unterstützen. Für Xen angepasste Linux-Versionen ließen sich also auch direkt unter Longhorn als Gastsystem nutzen. Brian Byun, Vice President of Products and Alliances bei VMware, kritisiert(öffnet im neuen Fenster) die Zusammenarbeit der beiden Unternehmen jedoch, bezeichnet das Vorhaben als "Ironie".
So sei die Lösung eine Einbahnstraße, die Microsofts Interessen bevorzuge. Denn Linux lässt sich zwar mit der Windows-Technik nutzen, Microsoft kündigte aber keine Bemühungen an, auch Longhorn für den Einsatz unter Xen vorzubereiten. Die so genannte Paravirtualisierung, wie Xen sie betreibt, setzt ein modifiziertes Betriebssystem als Gast voraus. Während sich Open-Source-Systeme einfach anpassen lassen, ist dies bei proprietären Betriebssystem nicht möglich bzw. muss vom Hersteller selbst vorgenommen werden, da der Quelltext nicht frei zugänglich ist.
Byun wirft XenSource außerdem vor, sich von den Open-Source-Wurzeln zu entfernen. Um Microsofts kommerzielle Interessen zu unterstützen und mit den proprietären Windows-Schnittstellen zusammenarbeiten zu können, müsse die Firma neue Schnittstellen entwickeln und existierenden GPL-Quelltext verwerfen. Andernfalls käme es zu einer "Kontamination", die die GPL nicht zulässt. Demnach könne auch nichts von XenSource' neuer Entwicklung durch die Xen- und Linux-Communitys genutzt werden, selbst kommerzielle Linux-Distributoren können nicht davon profitieren.
Auch der Zeitpunkt der Ankündigung sei bemerkenswert: Byun findet es "seltsam", Interoperabilität für ein Produkt anzukündigen, das noch zwei Jahre oder gar mehr entfernt sei, während die Schnittstellen unter Linux immer noch lebhaft diskutiert würden. "Es bleibt abzuwarten, wie wichtig diese 'Brücke' für Linux-Anwender sein wird. Schließlich hat sich niemand für Linux entschieden, um es dann auf proprietären Windows-Schnittstellen laufen zu lassen" , so Byun. Außerdem würde dieses Modell weder durch Linux-Distributoren noch durch OEM-Anbieter und Anwender unterstützt.
Idealerweise sollte jeder Hypervisor jedes Betriebssystem optimal unterstützen, ohne dass dafür eine Lizenz benötigt würde, so Byun. In dem vorliegenden Fall würde allerdings XenSource Microsofts Hypervisor lizenzieren, aber nicht umgekehrt. Microsoft werde nur daran arbeiten, Windows für den eigenen Hypervisor zu optimieren und sicher glücklich sein, auch Linux zu unterstützen, so Byun weiter.
VMware hingegen hoffe weiterhin auf einheitliche Linux-Schnittstellen für die Paravirtualisierung. Diese sollen es einfacher machen, Linux durch verschiedene Hypervisor zu unterstützen, wovon sowohl Xen als auch VMware profitieren würden. VMware arbeite dafür aktiv mit den Linux-Kernel-Entwicklern zusammen, um eine offene Schnittstelle zu entwickeln, so dass der Linux-Kernel nativ auf jedem Hypervisor laufen könne. Eine solche Schnittstelle ließe sich auch auf andere Betriebssysteme portieren. Man selbst habe den eigenen Vorschlag(öffnet im neuen Fenster) für eine offene Schnittstelle veröffentlicht und verfolge Linux- und Hypervisor-Interoperabilität nicht aus kommerziellem Interesse, sondern mit der offenen, transparenten, leistungsbasierten und herstellerneutralen Einstellung, die das Kennzeichen der Linux-Kernel-Community sei.
Letztlich ist Byun nach eigenen Aussagen davon überzeugt, dass die meisten Kunden ihre Linux-Distributionen mit Hypervisorn betreiben werden, die offene Standards nutzen und keinen Lizenz- Lock-in(öffnet im neuen Fenster) für proprietäre Schnittstellen enthalten.



