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Spieletest: Titan Quest - Futter für Diablo-Süchtige

Iron Lore bringt simples, aber effektives Hack&Slay-Abenteuer. Nur wenigen Spielen gelingt es, auch einige Jahre nach ihrer Veröffentlichung noch eine große Fangemeinde begeistern zu können – Diablo 2 zählt zu dieser Hand voll Klassikern, die auch heute noch auf nicht wenigen Festplatten lagern und auch regelmäßig gestartet werden. Eine Fortsetzung hat Blizzard allerdings trotz des großen Zuspruchs immer noch nicht offiziell bestätigt; kein Wunder also, dass sich mit Iron Lore jetzt ein anderer Entwickler anschickt, die zahlreichen Diablo-Freunde zu bedienen.
/ Thorsten Wiesner
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Ein Test von Titan Quest kommt um eine Erwähnung des "großen Bruders im Geiste" Diablo 2 einfach nicht herum – das Hack&Slay-Gameplay spielt sich zu ähnlich, als dass man einen Vergleich der beiden Titel unterlassen könnte. Storytechnisch wird in Titan Quest allerdings die Mythologie bemüht – und das auf nicht unbedingt wirklich einfallsreiche Art und Weise: Die Titanen sind ihrem ewigen Gefängnis bei den Göttern entflohen und haben jetzt natürlich nichts Besseres zu tun, als Tod und Verderben über die Welt zu bringen. Der Spieler muss in Form des Helden diese Angriffe zurückschlagen und dabei berühmte Stätten wie das Labyrinth von Knossos, die Pyramiden in Ägypten und die Hängenden Gärten von Babylon besuchen.

Wie bei den meisten Action-Rollenspielen beginnt auch Titan Quest nach der ansehnlichen Intro-Sequenz mit der Charakter-Erstellung, die in diesem Fall allerdings recht spartanisch ausgefallen ist – viel mehr als Geschlecht und Namen wählt man kaum aus. Die wahre Charakter-Entwicklung findet somit erst im Spiel statt; dann aber auf sehr umfangreiche Art und Weise. Neben Attributen wie Stärke, Intelligenz und Leben können bei jedem Level-Aufstieg auch so genannte Meisterschaften ausgebaut werden. Erstmals zu Beginn, dann ein weiteres Mal nach dem achten Levelaufstieg entscheidet man sich für eine bestimmte Klasse innerhalb der Kampfkünste und der Magie; wie diese beiden Klassen kombiniert werden, obliegt dabei allein dem Spieler – wer will, verknüpft einen Geisterbeschwörer mit einem Kämpfer, aber auch Kombinationen etwa innerhalb der Kampftugenden sind problemlos machbar.

Innerhalb der Klassen werden dann mit jedem Levelaufstieg neue Fähigkeitspunkte erlangt, wobei der Spieler auch hier wieder die Wahl hat, entweder neue Fähigkeiten freizuschalten oder bestehende auszubauen – und so etwa aus dem anfangs noch recht schwachen Feuerzauber einen fast bildschirmfüllenden Flammenball zu machen.

Die Fülle an Kombinationsmöglichkeiten beim Charakter-Aufleveln verleiht dem Spiel eine gewisse taktische Komponente, die man sonst über weite Strecken vergeblich sucht – den Großteil der Spielzeit ist Titan Quest nämlich wirklich Hack&Slay in Reinkultur. Von Anfang an stürmen Gegnerhorden auf den Spieler ein, Dungeons müssen gesäubert, Horden von Monstern geplättet werden. Von einer KI darf allerdings nicht so direkt gesprochen werden – sobald der Gegner einen erblickt, rennt er auf den Spieler zu, und als Spieler muss man nicht viel mehr machen als Heiltränke und Fähigkeiten auf die Aktionstasten zu legen und sich ohne besondere Vorgehensweise durch die Angreifer metzeln.

Titan Quest befriedigt den Sammlertrieb im Spieler auf fast schon übertriebene Art und Weise: Die unzähligen Gegner hinterlassen Unmengen von Schwertern, Schilden, Rüstungen und anderen netten Objekten nach ihrem Ableben; glücklicherweise lässt sich per Tastendruck anzeigen, welche Dinge nach einer Schlacht nun wieder alle zum Aufklauben bereitliegen. Weniger komfortabel ist dafür das Inventar-Management: Anstelle einer automatischen Sortierfunktion muss selbst akribisch angeordnet werden, was in die Taschen passt.

Neben kleineren Bedienmängeln gibt es leider auch sonst einige Dinge an Titan Quest, die den Spielspaß trüben. So bieten sich zwar zahlreiche Neben-Quests an – nur dass die im Endeffekt auch immer nur aufs bekannte Monstermetzeln hinauslaufen und wenig Abwechslung bieten. Das nicht sonderlich unterschiedliche Verhalten der einzelnen Monstertypen wurde schon angesprochen, hinzu kommt aber, dass oft auch über Stunden hinweg immer wieder dieselbe Monsterart geplättet werden muss; immerhin sorgen die teils recht pompösen Zwischen- und Endgegner hier für Abwechslung. Und auch die Atmosphäre leidet – teils wegen fehlender optisch ansprechender Zwischensequenzen, teils auf Grund der immer brav an ihrem Platz bleibenden NPCs. Immerhin gelingt es Titan Quest, den Spielfluss immer aufrechtzuerhalten; man bleibt nie wirklich an einer Stelle hängen, und das andauernde Aufleveln und Extras-einsammeln sorgt für den typischen "Ein Gemetzel noch"-Suchteffekt.

Eine Party gibt es in Titan Quest nicht zu führen, wer trotzdem gerne mit Mitstreitern ins Gefecht zieht, darf sich aber über den Multiplayer-Modus freuen – hier lädt ein gelungener Koop-Modus zum gemeinschaftlichen Hack&Slay-Fest. Voll und ganz gelungen ist auch die technische Seite von Titan Quest: Die Physik-Engine sorgt in den Kämpfen für nette Effekte und die Grafik prunkt mit unzähligen Details, schönen Licht- und Schattenspielen sowie sehenswerten Landschaften und Gebäuden. Technische Probleme hatten wir im Test übrigens keine, in den Foren finden sich allerdings Kommentare einiger frustrierter Spieler, die von gelöschten Spielständen und Abstürzen berichten.

Fazit:
Titan Quest ist ein zweischneidiges Schwert: Dem ebenso simplen wie fesselnden Hack&Slay-Prinzip, der tollen Präsentation und dem gelungenen Koop-Modus im Multiplayer stehen kleinere Bedienmängel, eine recht einfallslose Story, wenig Abwechslung bei den Kämpfen und generell ein deutlich von Diablo 2 inspiriertes, aber nicht wirklich um neue Ideen ergänztes Gameplay gegenüber. Ein neues Genre-Highlight ist Titan Quest somit sicherlich nicht; ein schickes und sehr kurzweiliges Hack&Slay-Abenteuer aber allemal.


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