Kino der Zukunft - 5.000 x 2.000 Pixel mit deutscher Technik
Auf die Datensicherheit wurde dabei zwar nicht eingegangen, die Industrie arbeitet aber auch an diesem Thema. Sofern die Verschlüsselungstechnik nicht den Ansprüchen Hollywoods entspricht, wird sich die Filmwirtschaft kaum auf einen Übertragungsweg einlassen, bei dem Dritte lauschen können. Die Errichtung eines eigenen Glasfasernetzes für die Filmübertragung, wie es Hollywood als eine weitere Methode vorschwebt, ist laut T-Systems aus Kostengründen nicht sinnvoll.
Die Fraunhofer-Techniker und ihre Partner wollen für die Demonstration ihres Projektionssystem-Prototypen noch eins draufsetzen und haben kurzerhand ein 5K-System gezeigt. Dazu wurden im Kinosaal 7 des Cinemaxx-Kinos am Potsdamer Platz in Berlin fünf HD-Projektoren aufgestellt, die gemeinsam für eine riesige Breitbildauflösung von rund 5.000 x 2.000 Pixeln und damit für ein gestochen scharfes Bild mit – zumindest subjektiv – angenehmen Farben insbesondere bei der Hautdarstellung sorgten. Das vom Fraunhofer IIS entwickelte System soll sicher stellen, dass die fünf Projektionen fast perfekt aufeinander abgestimmt sind.
In 5.000 x 1.480 Bildpunkten auf voller Bildbreite des Kinosaals wurde aber ein eigens erstelltes Video demonstriert: Dabei handelte es sich um ein regionales, eher uninteressantes deutsches Fußballspiel, das mit zwei D-20-Kameras von ARRI aufgenommen wurde und das komplette Fußballfeld inkl. Stadiontribünen zeigte und damit den Eindruck vermittelte, als Zuschauer aus einer höheren Sitzposition das Spiel zu beobachten. Während der Detailreichtum beachtlich war – es konnten sogar noch Personen in den Aufgängen auf der anderen Stadionseite ausgemacht werden -, war diese Darstellung doch etwas ungewöhnlich.
Noch wird es allerdings etwas dauern, bis 4K-, 5K- oder – laut den Fraunhofer-Forschern – auch 8K oder noch höhere Auflösungen im Kino Einzug halten. Zum einen muss die Technik reifen, um den Anforderungen gewachsen zu sein, zum anderen stehen noch einige Überbleibsel aus der Frühzeit der 80 Jahre alten Kinotechnik zur Diskussion. Darunter zum Beispiel die Zahl der pro Sekunde übertragenen Bilder, mit den bisher im Kino üblichen 24 Bildern/s ist es nicht möglich, schnelle Kameraschwenks ohne Unschärfe oder Ruckler hinzubekommen.
Die CineVision-2006-Partner gehen davon aus, dass 4K- bzw. 5K-Kino-Projektionen noch mindestens fünf Jahre lang weiterentwickelt werden muss, bis sie marktreif sind. Noch etwa zehn Jahre würde es dauern, bis die Industrie auf die neue Technik migriere. Ein schnellerer Umstieg ist auch deshalb nicht zu erwarten, weil derzeit erst die Produktion auf 2K-Technik durchgängig möglich ist – zudem würden analoge Filmkameras so lange eingesetzt, bis digitale Technik eindeutig besser sei. Die einzigen Filme, die derzeit ohne großen Aufwand in 4K-Technik erstellt werden können, sind (Computer-)Animationsfilme, da hierfür keine Kameras benötigt würden.
Damit deutsche Technik wie das Digitalkino-Projektionssystem des Fraunhofer IIS ihren Platz auf dem internationalen Markt behaupten und ausländische Unternehmen überzeugen kann, mischt auch die Bundesregierung mit. Im Rahmen der staatlichen Initiative " Land of Ideas / Invest in Germany(öffnet im neuen Fenster) " steuert sie Gelder und Marketing-Unterstützung bei. Es soll verhindert werden, dass Fraunhofer-Erfindungen wie das MP3-Format – das auch vom Fraunhofer IIS stammt – in Deutschland versauern und erst in den USA oder anderswo zu Ruhm und wirtschaftlicher Bedeutung kommen. Partner und Sponsoren der Initiative kommen auch aus der Industrie, darunter deutsche Unternehmen wie Adidas, Audi, Deutsche Bank, Deutsche Telekom, Lufthansa, RWE und Wall.
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