Intel in Indien: Mit WLAN gegen den grauen Star
In der vergangenen Woche stellte Intel das Projekt im Rahmen des "Research at Intel Day" im kalifornischen Santa Clara vor. Treibende Kraft dahinter ist der Berkeley-Professor Eric A. Brewer, der das Konzept mit Fördermitteln von Intel entwickelt hat. Brewer stellte zunächst klar, dass es dabei nicht um ein Forschungsprojekt mit Wohltätigkeitsmitteln für einen begrenzten Zeitraum geht. Auf die neuen Filialen der Klinik angesprochen erklärte er, diese würden sich unter anderem durch den Verkauf von Brillen bereits selbst tragen. "Ich möchte nicht, dass sie existieren, solange wir da Geld hineinpumpen – ich möchte, dass sie für immer existieren", betonte Brewer.
Als Lösung hat Eric Brewer die "Vision Centers" auserkoren. Dabei sind größere Dörfer mit einem Einzugsgebiet von rund 100.000 Personen über eine Richtfunkverbindung an die nächste Augenklinik des Aravind-Systems angebunden. In den Zentren arbeiten bei der Klinik angestellte, gut ausgebildete Krankenschwestern, die erste Untersuchungen vornehmen. Stellen sich dabei größere Probleme wie eine Star-Erkrankung heraus, kann der Arzt in der Klinik über bildgebende Verfahren, wie man sie auch hier zu Lande vom Augenarzt kennt, dem Patienten in die Augen blicken.
Ähnlich wie bei einer Videokonferenz werden die Bilder dabei in das Krankenhaus übertragen, der Arzt kann auch direkt mit dem Patienten sprechen. Über eine Entfernung von derzeit bis zu 15 Kilometern werden die Daten dabei mit leicht modifizierter WLAN-Technik gefunkt. Brewer wählte diese Lösung vor allem, weil der Betrieb von WLANs samt den nötigen Frequenzbändern in nahezu allen Ländern der Welt lizenzfrei möglich ist – die lokalen Regelungen für die Signalstärke werden auch stets eingehalten. Laufende Kosten gilt es bei derartigen Projekten soweit wie möglich zu vermeiden, um den dauerhaften Betrieb sicherzustellen.
Die Lösung erreicht dabei mit Parabolantennen von rund einem Meter Durchmesser eine Reichweite von über 10 Kilometern. Unter Laborbedingungen sind auch schon über 50 Kilometer erzielt worden, in Indien arbeiten jedoch die kürzeren Verbindungen unter realen Bedingungen stabil. Versorgt werden die WLAN-Geräte, die wegen kürzerer Kabel und zum Schutz vor Diebstahl auf den Masten direkt montiert sind, per Solarenergie. Sie benötigen nur rund 8 Watt. Sonnenstrom hat sich auch als nötig erwiesen, nachdem dem Forscherteam zahlreiche Netzteile wegen des unsauberen Stroms in Indien durchgebrannt waren.
Im Vordergrund steht bei dem aktuellen Projekt aber noch die Augenmedizin. Von Januar 2006 bis Mai 2006 wurden allein in einem der Vision Centers 1.380 Patienten behandelt, 88 wurden dann für eine Star-Operation in die Klinik überwiesen. Diese Patienten hätten nur für eine Untersuchung den Weg nicht auf sich genommen, so Brewer – mit Aussicht auf Erhalt des Augenlichts wäre dies aber nun ein vertretbarer Aufwand.
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