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Handy-TV - Flop oder Killerapplikation?

Begrenzte Zahlungsbereitschaft vorhanden. Der Erfolg von Handy-TV ist umstritten, die Marktforscher scheinen uneins. Aussagen wie "Für Fernsehen auf dem Handy würden die Interessierten zusätzliche Gebühren bis zu 25,- Euro im Monat bezahlen" treffen auf Statements wie "Nur jeder Dreizehnte (7,6 Prozent) würde sich ein Mobiltelefon mit Fernsehfunktion kaufen" .
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Immer, wenn eine neue Technologie auf den Markt gebracht wird, versuchen Marktforscher die Erfolgschancen für das Zukunftsprodukt zu ergründen. So auch beim Handy-TV. Der Bitkom (Bundesverband Informationswirtschaft Telekommunikation und neue Medien) kam in einer Umfrage(öffnet im neuen Fenster) zu dem Ergebnis, dass rund 8 Millionen erwachsene Deutsche sich auf ihrem Mobiltelefon Fernsehnachrichten anschauen würden, gut 7,5 Millionen auch Sportübertragungen.

Das Magazin Zeit Wissen dagegen will festgestellt haben, dass nur jeder Dreizehnte (7,6 Prozent) sich ein Mobiltelefon mit Fernsehfunktion kaufen würde. Dabei sollen die Frauen weniger interessiert sein als die Männer: Nur 5,3 Prozent des schwachen Geschlechts in Deutschland beabsichtigen, ein entsprechendes Gerät anzuschaffen. Bei den Herren der Schöpfung sollen es 10,2 Prozent sein, so eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Magazins Zeit Wissen, die von tns-emnid unter 1.009 Befragten Mitte Juni 2006 durchgeführt wurde.

Bitkom hat neben dem puren Interesse am mobilen Fernsehen sogar eine gewisse Zahlungsbereitschaft bei den potenziellen Kunden ausgemacht: Gut 5 Prozent scheinen bereit, mehr als 25,- Euro im Monat zu zahlen, 23 Prozent 10,- bis 25,- Euro, gut 31 Prozent 5,- bis zu 10,- Euro und 22 Prozent der Interessierten soll Handy-TV zumindest bis zu 5,- Euro monatlich wert sein. Nur 18 Prozent der Interessierten würden Handy-TV nur dann nutzen, wenn es kostenlos ist.

Noch steht Deutschland am Anfang des Mitnahme-Fernsehens, erst Anfang Juni 2006 fiel der Startschuss für die Sendeübertragung via DMB, kurz vorher der für die Testprojekte von DVB-H. Erste Auswertungen über top oder flop dürften also frühestens zu Weihnachten vorliegen.

Derzeit läuft Handy-TV noch eher als Testballon in ausgewählten Städten, die Anbieter wollen derzeit vor allem Erfahrungen sammeln. Debitel und Mobiles Fernsehen Deutschland (MFD) bieten über DMB für rund 10,- Euro im Monat vier Fernsehkanäle. Die vier Handynetzbetreiber T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 testen 14 Programme mit ausgewählten Nutzern via DVB-H.

Die verschiedenen Mobilfunk-Unternehmen hoffen dabei, bereits zur laufenden Fußball-Weltmeisterschaft Erfolg zu haben und Kunden begeistern zu können. Die Unternehmen laufen dabei derzeit allerdings Gefahr, mit unausgereiften Konzepten frühzeitig das Vertrauen in eine vielversprechende Technik zu verspielen. Noch immer tobt der Standardkampf zwischen DMB und DVB-H, es gibt noch keine optimierten Inhalte für die kleinen Handybildschirme und es steht nicht fest, wer am Ende die Sendelizenzen für den Regelbetrieb bekommt.


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