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Handy-TV gestartet - Erster Eindruck von DMB

Erstes Gerät kommt von Samsung, der TV-Tarif liegt bei 9,95 Euro pro Monat. Debitel hat am heutigen 31. Mai 2006 auf den Startknopf für das mobile Fernsehen per DMB in Deutschland gedrückt. Golem.de konnte einen ersten Blick auf das erste Empfangsgerät und die Bildqualität der mobilen Fernsehunterhaltung per DMB werfen.
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Zur Auswahl stehen die vier TV-Programme ZDF, N24, ein Zusammenschluss von ProSieben und Sat1 namens Entertainment-TV sowie der Musikkanal MTV. Die TV-Option ist derzeit nur über einen Vertrag mit Debitel buchbar und soll ab 9,95 Euro pro Monat kosten. Vorerst kann DMB in Deutschland nur in den fünf Großstädten Berlin, Frankfurt, Köln, München und Stuttgart empfangen werden.

Zunächst gibt es mit dem Samsung SGH-P900 nur ein einziges Empfangsgerät in Deutschland, das via DMB das mobile Fernsehen unterstützt und die Bewegtbilder auf einem 2,2-Zoll-Display anzeigt. Nach dem Querschieben des Displays und dem Drücken der TV-Taste dauert es etwa 5 bis 7 Sekunden, bis das Programm startet.

Solange behutsame Autofahrten oder Talkshows über die Mattscheibe flimmern, macht das mobile Fernsehen durchaus Spaß. Die Bilder sind klar und scharf. Das ändert sich, sobald ein wenig Bewegung ins Spiel kommt. Blaulicht eines Polizeiwagens während der Nachrichten im ZDF z.B. zieht großflächige Pixelartifakte nach sich.

Ebenfalls eine Herausforderung stellen gewisse Sonderfunktionen dar, die N24 benutzt. So sind die Börsenticker, die am unteren Bildrand eingeblendet werden, nur mit einer Lupe zu entziffern. Genauso wenig augenfreundlich, weil nur briefmarkengroß, sind die Bild-in-Bild-Einblendungen, die der Nachrichtensender immer wieder anbringt. Schaltet man um auf MTV, so spielt die Klangwiedergabe eine bedeutende Rolle. Die Klangqualität auf dem SGH-P900 geht in Ordnung, das leichte Scheppern, das von den MP3-Playern der Handys bekannt ist, trifft man allerdings auch beim SGH-P900 an.

Die Bedienung des Fernseh-Handys gestaltet sich einfach. Egal, ob der Nutzer von TV auf Radio wechseln oder das Programm aufzeichnen will, ein Knopfdruck genügt. Damit die Umwelt nicht belästigt wird, kann der Anwender das Fernsehprogramm über ein Headset genießen. Außerdem können bis zu 45 Minuten Programm mitgeschnitten und in einem extra dafür vorgesehenen Ordner abgespeichert werden. An Speicher stehen im Handy 128 MByte bereit, der sich per Micro-SD-Karte erweitern lässt.

Um die Einstellung der Sender muss sich der Anwender nicht kümmern, die findet das Handy selbst. Sollte der Empfang schlechter werden, z.B. wenn man sich aus einem Sendegebiet entfernt, dann reicht es, den Aktualisieren-Knopf zu betätigen, der die Sendefrequenzen automatisch neu einstellt. Das Handy selbst, das 124 Gramm wiegt, steckt zwar nur in einem Plasktikgehäuse, die Verarbeitung ist jedoch solide, die Klappe des Handys wackelt und knirscht nicht.

Ob das neue Angebot nun tatsächlich zahlende Nutzer anlocken wird, bleibt die nächsten Monate noch spannend. Debitel hat zur CeBIT 2006 verkündet, 100.000 neue Fernseh-Fans für sich gewinnen zu wollen. Ein ehrgeiziges Ziel. Für die ersten Wochen nach dem Start des Handy-Fernsehens rechnet Robert Schweiger, Projektleiter Handy-TV bei Debitel, mit dem Verkauf von etwa 1.000 Geräten.

Den großen Ansturm erhofft sich Debitel für das Weihnachtsgeschäft. Bis Ende Dezember 2006 sollen die 100.000 Neukunden gewonnen werden. Vielleicht kommt der große Boom aber auch erst im Frühjahr oder Sommer 2007, fügt Schweiger hinzu. Dennoch, gibt sich der Projektleiter siegessicher. Selbst pessimistische Marktforscher hätten ein Marktpotenzial von etwa 10 Prozent aller Mobilfunkkunden in Deutschland als potenzielle Käufer identifiziert.

In Deutschland gibt es derzeit etwa 75 Millionen SIM-Karten im Umlauf, das entspricht etwa 50 Millionen Einzelpersonen, so Schweiger. Bis zu 5 Millionen Kunden sollen also bereit sein, für die Zusatzoption Handy-TV zu zahlen. Bei Debitel kostet dieser Luxus namens watcha-Option ab 9,95 Euro pro Monat und ist zu jedem bestehenden Mobilfunkvertrag hinzubuchbar.

Neben zusätzlichen Kosten für den Endverbraucher und der Debatte, ob nun DMB oder das konkurrierende DVB-H die richtige Technik ist, dürfte die geringe Auswahl an Endgeräten das größte Problem darstellen. Bis dato gibt es nur das Samsung SGH-P900, das Debitel mit Vertrag für 199,- Euro abgibt. Ohne Vertrag soll der Verkaufspreis bei 599,- Euro liegen. Debitel rechnet bis Ende 2006 mit insgesamt etwa fünf DMB-fähigen Geräten.

Als wahrscheinliche Fernseh-Handy-Produzenten gelten dabei die Asiaten: Samsung, LG Electronics und BenQ Mobile. Vor allem Nokia setzt auf DVB-H, wird aber von den vier Mobilfunkanbietern unterstützt. Die Anforderung an die TV-Handys bleibt die gleiche: Der Akku muss eine hohe Leistung liefern, es braucht ein gutes Display und einen leistungsfähigen Prozessor, der mindestens 25 Bilder schnell darstellen kann. Einzig das Senderempfangsmodul muss ausgetauscht werden. Die Industrie arbeitet bereits an einem Dual-Mode-Chip, der sowohl DMB als auch DVB-H darstellen kann. Der neue Name: DBX.


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