Interview: Fast mehr als ein Weblog

Die Netzeitung sprach mit Spreeblick-Blogger Johnny Haeusler

Mit seinem "Spreeblick" ist Johnny Haeusler für den Grimme-Online-Preis nominiert: Die Netzeitung sprach mit ihm über leidenschaftliches und professionelles Bloggen.

Artikel veröffentlicht am , nz

Der 41jährige Haeusler hat schon einiges gemacht: Er war in den achtziger und frühen neunziger Jahren Sänger der Rockband "Plan B", danach Radiomoderator unter anderem beim Jugendsender "Fritz", nebenbei baute er eine Multimediafirma auf. Und heute betreibt er in Berlin-Kreuzberg "Spreeblick", eines der bekanntesten und am besten besuchten Weblogs in Deutschland. Die Netzeitung traf Haeusler am Haus der Kulturen der Welt. An der nahe gelegenen Anlegestation sollte eigentlich ein kleines Ausflugsschiff zu einer so genannten Stadtkernfahrt auslaufen, doch das fuhr wegen eines Missverständnisses ohne die beiden ab.

Netzeitung: Nun haben wir unser Schiff verpasst und müssen im so genannten Biergarten des Haus der Kulturen der Welt Platz nehmen, der mehr einer Baustelle gleicht. Ganz schön laut hier ...

Johnny Haeusler: Ja, aber das wäre auf dem Schiff mit diesen ganzen Lautsprecherdurchsagen nicht anders gewesen, Sie wissen schon: "Zur Linken sehen Sie jetzt...". Aber wir sitzen an der Spree, naja, einem Spreekanal, immerhin.

Netzeitung: Können Sie aus Ihrem Spreeblick-Büro wirklich auf die Spree blicken?

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Haeusler: Als der Name entstand, war das noch so. Heute arbeiten wir in einem kleinen Souterrainbüro in Kreuzberg - ohne Spreeblick.

Netzeitung: Wie ist Spreeblick entstanden?

Haeusler: Anfangs sollte Spreeblick ein Berliner Stadtmagazin werden, ein gedrucktes Magazin, das in Konkurrenz zum "Tip" und zur "Zitty" tritt. Mittlerweile hat es sich ein wenig gebessert, aber damals fand ich diese beiden Magazine schrecklich konservativ und spießig. Man kann den Lesern mehr abverlangen als ein interessant angekündigtes Thema, das dann im Heft aber nur lau abgehandelt wird.

Netzeitung: Wie genau hätten Sie das mit einem Spreeblick-Magazin anders gemacht?

Haeusler: Weiß ich nicht, es gab nur einige Ideen. Auf dem Cover sollte immer eine Berliner Persönlichkeit zu sehen sein, kein Prominenter, sondern jemand, der interessant aussieht und spannende Sachen in der Stadt macht. Von Stadtstreichern bis zu Selbstständigen. Das Ganze wäre vermutlich schief gegangen. Ich hatte damals noch meine Multimedia-Agentur und gar keine Zeit für so was.

Netzeitung: Und daraus ist das Weblog mit den derzeit zweitbesten Besucherzahlen in Deutschland geworden.

Haeusler:Es ist im Jahr 2002 entstanden. Ich habe mich damals häufig in US-Weblogs nach Antworten auf technische Fragen umgesehen und dabei bemerkt, dass sich dort viele interessante und gut informierte Beiträge finden lassen. Mit der Technik kannte ich mich ganz gut aus und habe dann mit kleinen, eher belanglosen Themen angefangen.

Netzeitung: Haben Sie vorher schon Artikel geschrieben?

Haeusler: Wenig. Ich habe ja jahrelang beim Radio gearbeitet, meistens als Moderator. Klar, da habe ich hier und da auch mal einen Beitrag für die nächste Sendung geschrieben. Und vorher das eine oder andere für Musikmagazine. Aber ich schreibe sehr gerne.

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