Interview: Fast mehr als ein Weblog

Netzeitung: Ihr legendärer Jamba-Artikel endet, nachdem ein Bild der "Jamba!"-Gründer gezeigt wurde und im Artikel detailreich und systematisch entwickelt wurde, wie diese Gründer und ihr Konzern Kinder und Jugendliche abzocken, mit den Sätzen: "Und jetzt, liebe Kinder, guckt euch das Foto von dem Marc, dem Oliver und dem Alexander noch einmal ganz genau an. Wenn ihr die mal auf der Straße trefft, dann könnt ihr überlegen, wie ihr das findet, was die so machen. Ihr könnt ihnen sagen, wie toll sie sind. Wie schlau sie sind. Und wie klug. Ihr könnt sie aber auch anspucken."

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Haeusler: Der letzte Satz ist wirklich schwierig. Ich habe für den Artikel sehr lange gebraucht, damit er leicht zu lesen ist und doch alles Wesentliche drin steht. Er sollte in Foren verlinkt und somit verbreitet werden und gleichzeitig juristisch nicht anfechtbar sein, weil die Fakten stimmen. Diesen letzten Satz habe ich immer wieder herausgenommen, wieder eingesetzt, herausgenommen, eingesetzt. Am Ende habe ich mich für ihn entschieden. Denn hier zu Lande erfahren Leute, die Großartiges leisten, kaum Beachtung, während Leute, die andere bis aufs letzte Hemd ausnehmen, von Politik und Medien als unternehmerisches Vorbild gefeiert werden.

Netzeitung: Schon jetzt richten immer mehr Redaktionen Blogs ein. Verfolgen Sie solche Medienblogs regelmäßig?

Haeusler: Nö! Wenn ich Zeitungen lese, dann in gedruckter Form und nicht online.

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Netzeitung: Wie altmodisch.

Haeusler: Beim Milchkaffee eine Zeitung durchzublättern gehört bei mir zur Kategorie Luxus, das ist ganz wunderbar.

Netzeitung:Was stört Sie an den Zeitungsblogs?

Haeusler: Die meisten dieser Zeitungsblogs sind nicht sonderlich gut. Die gehen das falsch rum an. Beim Bloggen geht es ja nicht nur um Stil. Klar kann ich da lockerer schreiben. Aber das kann ich auch, wenn ich eine Kolumne habe. Beim Bloggen geht es, wenn auch nicht zwingend, um Geschwindigkeit und darum, sich mit dem auseinander zu setzen, was nach dem eigenen Blogeintrag kommt. Denn das ist es ja hauptsächlich, was Blogs von Zeitungen unterscheidet: dass die eigenen Kommentare von den Besuchern ständig kommentiert werden, dass es ein Hin und Her gibt, dass man sich schnell korrigieren kann.

Was ich an diesen Zeitungsblogs nicht verstehe, ist, warum verdammen die Redaktionen ihre Autoren dazu, jetzt auch noch zu bloggen? Autoren, die darauf vielleicht gar keine Lust haben. Die sich meistens damit nicht auskennen. Warum holen die sich keine Blogger mit Erfahrung?

Netzeitung: Vielleicht weil das Misstrauen zu groß ist. So im Sinne von: Erst laufen uns die Blogger im Netz den Rang ab und zwingen uns, wenn wir mithalten wollen, selbst Weblogs einzurichten. Und die sollen jetzt auch noch von diesen komischen Typen, diesen Nerds und Hobbyjournalisten betreut werden?

Haeusler: Einige Verleger wissen, dass Blogs für eine Renaissance der Meinung sorgen. Aber mit ihren Leuten werden Sie nur selten diese Subjektivität hinbekommen, die für gute Blogs charakteristisch ist. Und die führt halt manchmal dazu, dass auch mal was nicht korrekt ist - politisch oder inhaltlich. Das wollen die Zeitungen nicht dulden. Aber sie begreifen dabei nicht, dass Fehler in den Besucherkommentaren quasi automatisch korrigiert werden. Außerdem ist es ja nicht so, dass Zeitungen keine Fehler machen. Vielleicht liegt dieses Misstrauen auch daran, dass Blogs als Organe der Gegenöffentlichkeit wahrgenommen werden.

Netzeitung: Wo genau zwischen den Polen Öffentlichkeit und Gegenöffentlichkeit würden Sie Spreeblick verorten?

Haeusler: Es gibt alle möglichen Blogs, neoliberale Blogs, rechte Blogs und so genannte unpolitische Blogs, die ich allein durch diesen Begriff teilweise schon in einer gefährlichen Nähe zu rechten Blogs sehe, da sie mit einer beinahe nihilistischen Fun-Attitüde erstellt werden, die die Tore für bestimmtes Gedankengut öffnen kann. Im Vergleich dazu ist Spreeblick sicher links. Andererseits weiß ich aber gar nicht mehr, was das heute noch ist: links. Da trifft es der Begriff Gegenöffentlichkeit schon besser.

Netzeitung: Gegenöffentlichkeit - das klingt für mich eher nach Indymedia, nach Demoaufrufen, Delegiertenberichten aus Venezuela, Kampfansagen gegen "Bullen" und "Faschos"...

Haeusler: Nein, so etwas will ich nicht. Indymedia ist das Ergebnis einer guten Idee. Aber der Ton ist furchtbar, alles wird pauschalisiert, Kleingrüppchen bekriegen sich, das schmort im eigenen Saft. So erreicht man nur sich selbst und den Verfassungsschutz. Gegenöffentlichkeit kann doch auch bedeuten, eigene Schwerpunkte zu setzen, nicht jedes Mainstream-Thema zu behandeln, schlecht gelaunt zu sein und die schlechte Laune auch zu zeigen.

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