Interview: Fast mehr als ein Weblog

Netzeitung: Bedeutet weiter wachsen auch, sich weiter von dem zu entfernen, was Spreeblick bisher war und heute ist? Dem chronistischen Schreiben, dem Tagebuchartigen...

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Haeusler: Nein. Diese Tagebuchfunktion ist zu wichtig, um sie einfach fallen zu lassen. Obwohl meine Artikel zu wenig Google-optimiert sind, so dass ich lange suchen muss, bevor ich etwas wiederfinde. Aber ich habe es schon immer gehasst, mich Maschinen anzupassen. Ganz zu vermeiden ist es natürlich nicht, sonst dürfte ich gar nicht mit Computern arbeiten. Doch es gibt Grenzen.

Netzeitung: Ist das Internet, wie Bewunderer meinen, das größte Archiv der Welt?

Haeusler: Für die letzten 13 oder 15 Jahre mag das zutreffen. Das Internet sammelt so gut wie alles. Aber ist das ausschließlich positiv, dass da wirklich alles aufgehoben wird? Spreeblick hat die Rubrik "Heute vor einem Jahr" und wenn ich mir ansehe, was ich damals geschrieben habe, über was ich mich aufgeregt habe, dann muss ich schon manchmal lachen. Daneben finden sich Artikel, zu denen ich auch heute noch stehen kann. Dennoch: Wie steht ein Mädchen, das heute seine Bikinifotos auf MySpace zeigt oder wie steht jemand, der sich heute in einem S/M-Forum outet, in ein paar Jahren dazu, wenn sie oder er - im schlechtesten Fall - bei einem wichtigen Bewerbungsgespräch von Menschen darauf angesprochen wird, die das nichts angeht? Manchmal wünsche ich mir eine selektiv funktionierende Löschfunktion fürs Netz, empfehle aber, da es sie nicht gibt, sich im Netz mehrere Identitäten zuzulegen.

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Netzeitung: Was möchten Sie über sich selbst nicht aus dem Internet erfahren?

Haeusler: Über mich? Das ist mir relativ egal, solange es keine dreisten Lügen sind. Ich achte darauf, was ich von mir preisgebe. Durch die Band- und Radiozeiten war ich schon immer zum Teil eine öffentliche Person. Aber nur zum Teil. Ich möchte nicht, dass die Namen meiner Kinder oder Bilder von ihnen oder detaillierte Geschichten über sie ohne ihre Zustimmung im Netz kursieren. Es gibt Blogger, die stellen die Fotos ihrer Neugeborenen schneller online, als dass die Großeltern welche bekommen.

Netzeitung: Über Ihre Punkphase und Ihre frühere Band "Plan B" ist im Internet nicht viel zu finden.

Haeusler: Punk war das nicht, eher Postpunk. Oder Poprock, ein bisschen Undertones, ein bisschen Clash. Wir haben 1994, kurz vor dem Internetboom aufgehört. Und damit sind wir fürs Netz so gut wie nicht existent. Bestimmte Zeiten gibt es dort einfach nicht. Das Web hat, außer durch Zusammenfassungen und Rückblicke, kein Gedächtnis, das hinter die frühen neunziger Jahre zurückreicht. Heute hat niemand mehr Zeit, diese Phase nachträglich zu dokumentieren. Ich habe noch hunderte an Bildern aus jener Zeit, schaffe es aber nicht, sie zu digitalisieren und ins Netz zu stellen.

Netzeitung: Sind Sie selbst ein Sammlertyp?

Haeusler: Nicht mehr. Zeitschriften und Vinyl habe ich lange gehortet. Doch bei jedem Umzug hat mich das aufgeregt und irgendwann habe ich die Sammlung aufgelöst. Übrig geblieben sind viele Ausgaben von "Wired" und 500 Platten. Das Vinyl gehört zu den Jugenderinnerungen. Spannend ist, was im Zeitalter der Digitalisierung aus Jugenderinnerungen wird. Werden sich die heute 20-Jährigen im Jahr 2030 ihren alten Flickr-Account ansehen oder wie funktioniert das dann?

Netzeitung: Das klingt jetzt aber wehmütig.

Haeusler: Ein gewisser Verlust der Haptik ist schon beklagenswert. Deswegen haben gedruckte Sachen für mich ihren eigenen Wert. Ein gutes Magazin wie "Dummy" kann ich nicht einfach wegwerfen. Ich sage das, obwohl ich in Deutschland einer der ersten war, der Bilder digitalisiert und alles Mögliche auf der Festplatte statt in Pappkartons gesammelt hat. Beim Vinyl ist es ähnlich. Reizvoll sind nicht nur die Cover, man sieht einer Platte auch an, wie alt sie ist und wie oft man sie benutzt hat. Das Altern von Dingen ist nichts Schlechtes.

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