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Europa will legale Video-Downloads voranbringen

"Film Online-Charta" nennt Voraussetzungen für wirtschaftlichen Erfolg. Mit der "Europäischen Film Online-Charta" wollen die europäische Kommission und Vertreter der Wirtschaft ihre Bemühungen im Bereich Online-Film-Distribution durch bessere Zusammenarbeit verstärken. Thematisiert werden dabei auch legale Tauschbörsen, die "Schaffung einer Kultur der Wertschätzung" und die Notwendigkeit von Förderprogrammen.
/ Christian Klaß
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Vertreter der Film- und Inhaltsbranche, der Internet-Diensteanbieter und der Telekommunikationsbetreiber aus der EU und den USA haben die gemeinsam verfasste Absichtserklärung am Rande der internationalen Filmfestspiele von Cannes gebilligt. Als laut europäischer Kommission weltweit erste ihrer Art nennt diese Charta Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit Inhaltsanbieter und Infrastrukturbetreiber gewerbliche Online-Film-Dienste erfolgreich verwirklichen können.

Die Europäische Film Online-Charta soll als Bezugsrahmen für künftige kommerzielle Vereinbarungen sowie für die langfristige Politik der Europäischen Kommission im Bereich der Online-Inhalte dienen. Es geht dabei um die Entwicklung legaler Märkte für den Online-Vertrieb und die Online-Verbreitung von Filmen.

Die Charta war von der Kommission im letzten Jahr in Cannes bei einem Treffen mit Branchenvertretern initiiert worden. Die Kommission will bei künftigen rechtlichen Schritten dafür Sorge tragen, dass "legale Online-Inhalte in der Europäischen Union auf verbraucherfreundliche Weise grenzüberschreitend zugänglich gemacht werden können."

"Die Film Online-Charta ist ein wichtiger Schritt in Richtung digitaler Wirtschaft in Europa und für die europäische Inhaltsbranche" , betont Viviane Reding, EU-Kommissarin für die Informationsgesellschaft und Medien, die diese Charta im Mai 2005 angeregt hatte. "Online-Dienste werden den Zugang zum europäischen Film in seiner ganzen Vielfalt erheblich erleichtern und die Verbreitung europäischer Filme sowohl innerhalb der Europäischen Union als auch auf dem Weltmarkt fördern."

Die Unterzeichner der Charta sind der EU-Kommissarin zufolge davon überzeugt, dass Video-Download-Dienste "dank ihres großen wirtschaftlichen und kulturellen Potenzials eine gewaltige Chance für eine weitere Verbreitung europäischer Filme bieten, zu einem dynamischeren und wettbewerbsfähigeren Filmschaffen beitragen und den Breitbandaufbau in Europa stark vorantreiben werden."

Die Charta widmet sich vier Hauptpunkten. Darin geht es unter anderem um eine breite Verfügbarkeit, die nicht zu Lasten der Produktionskosten gehen soll. Zum anderen sollen europäische Filme per Download nicht nur in europäischen Regionen angeboten, am besten "geeignete" Termine zum Online-Filmstart unter Berücksichtigung der Nachfrage gefunden und der Nutzen legaler Peer-to-Peer-Anwendungen als positiv anerkannt werden.

Gleichermaßen wird eine "dringende Notwendigkeit der Schaffung einer Kultur der Wertschätzung und Achtung der Kreativität und des wirksamen Schutzes von Urheberrechten" anerkannt. In diesem Rahmen sollen sich vor allem Online-Dienstleister verpflichten, "wissentlich keine Werbung von juristischen Personen veröffentlichen, die an Piraterie beteiligt sind oder diese vorsätzlich veranlassen."

Nicht weniger unkonkret klingt da der Punkt, in dem es um die Notwendigkeit der Zusammenarbeit von Inhaltsanbietern und Online-Dienstleistern bei der Entwicklung von Technologien zum Schutz urheberrechtlich geschützten Materials geht: Gefördert werden sollen laut Charta "Technologien, die sicher, kostengünstig, zuverlässig und kompatibel sind und im Idealfall auf offenen Standards beruhen sowie auf vielen Plattformen und Geräten laufen." Damit wird zwar anerkannt, dass es schön ist, wenn DRM-Systeme auf vielen Plattformen laufen, aber mehr als das scheint nicht dahinter zu stecken.

Zu guter Letzt wird noch die Notwendigkeit von Förderprogrammen wie etwa MEDIA 2007 und eContent angesprochen, die zur Verringerung der Kosten der digitalen Verteilung und mehrsprachiger Versionen europäischer Werke beitragen sollen.

Die Europäische Film Online-Charta(öffnet im neuen Fenster) (im PDF-Format) soll zum Bezugsrahmen für den gesamten Film- und Fernsehsektor werden – mehr als eine lockere Zusage der Marschrichtung dürfte aber nicht dahinter stehen. Reding erwartet, dass in den kommenden Monaten weitere Unternehmen und Organisationen die Charta unterzeichnen werden.


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