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Zetas wilder Ritt: YellowTab ohne Mitarbeiter

Magnussoft und YellowTab-Chef planen neue Firma und Zeta 1.3. Gerüchten zufolge steht es gar nicht gut um den Betriebssystem-Entwickler YellowTab – seit einigen Wochen soll das Büro inkl. Support bereits nicht mehr besetzt sein. Dennoch versprechen Geschäftsführer Bernd Korz und sein neuer Vertriebspartner Magnussoft, dass Zeta anlässlich der im August stattfindenden Games Convention 2006 ein Update auf die Version 1.3 erfahren wird.
/ Christian Klaß
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Der vorläufige Insolvenzverwalter Herr Patric Naumann bestätigte im Gespräch mit Golem.de, dass der Geschäftsbetrieb von YellowTab eingestellt ist. Geschäftsführer Bernd Korz befinde sich gerade in Verhandlungen mit Magnussoft, die auch die von Golem.de an Korz gerichteten Fragen für diesen beantworteten. Dieses Vorgehen sei notwendig, da noch nicht alle vertraglichen Einzelheiten geprüft wurden und man "ungern Halbwahrheiten ausgeben bzw. nachträgliche Richtigstellungen" versenden wolle.

René Weinert von Magnussoft bestätigte ebenfalls, dass YellowTab geschlossen wurde – und wohl auch seine Tore nicht wieder öffnen wird: "Richtig ist, dass die Büros in Mannheim geschlossen sind. Von einer Wiedereröffnung wird abgesehen. Vielmehr wird ein Teil der Belegschaft evtl. nach Dresden ziehen, um hier vor Ort die Geschäftstätigkeiten fortzuführen."

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Demnach wird Magnussoft also nicht nur die Distribution vom kürzlich erschienenen Zeta 1.2 übernehmen, sondern plant auch die Weiterentwicklung des BeOS-Nachfolgers in Zusammenarbeit mit Bernd Korz. Gerüchte besagen, dass die zu Magnussoft gehörende Firma Epic (bzw. Runesoft(öffnet im neuen Fenster) ) in Zukunft für YellowTab verantwortlich sein könnte und der YellowTab-Geschäftsführer daran zu 49 Prozent beteiligt wird. Wie das Konstrukt genau aussehen wird, das die indirekte Nachfolge von YellowTab antreten soll, war noch nicht in Erfahrung zu bringen.

"Über eine Aufteilung/Neugründung von Unternehmen kann ich zurzeit leider keine offizielle Aussage treffen, da die Planungen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vollkommen abgeschlossen und noch einige rechtliche Fragen endgültig zu klären sind. Aus strategischen Gründen werden diese Informationen erst in den nächsten Wochen publiziert. In der Außenwirkung wird allein Magnussoft als exklusiver Vertrieb auch die PR-Arbeit und Medienarbeit übernehmen" , so Weinert gegenüber Golem.de.

Zeta wird "normal weiterentwickelt" , so zumindest das Versprechen der in Verhandlung befindlichen Partner. Zeta 1.3 soll als Update auf der Games Convention 2006 in Leipzig vorgestellt werden. Technische Details werden erst später unter www.zeta-os.com(öffnet im neuen Fenster) bekannt gegeben. Die in Entwicklung befindliche Website soll zu einer "kompletten Plattform" ausgebaut werden, inkl. Produktdetails zur letzten Zeta-Version, Kundendienst-Kontakt inkl. Telefonnummern und "nützlichen Tools" rund um Zeta.

Magnussoft, die selbst keine Telefonnummer auf ihrer Website angeben, versprechen, in den nächsten Tagen auch wieder Support per Telefon und E-Mail liefern zu können. Dies ist insbesondere deshalb relevant, da ein Großteil der Kunden Zeta über den RTL Shop erworben hat – als sichere Alternative zu Windows, die aber noch viel Entwicklungsarbeit nötig hat. Auch wenn Zeta – wie BeOS seinerzeit – schlank und schnell ist, so fehlen doch noch viele Treiber, es fehlt eine OpenGL-Unterstützung, Java und Flash werden ebenfalls nicht unterstützt und auch der mitgelieferte Firefox-Browser soll in der Zeta-Version Nutzern zufolge noch nicht drucken.

Ob das Update auf die Version 1.3 die alten Mängel wird beheben können, wurde noch nicht verraten. In Anbetracht der gerade stillstehenden Zeta-Entwicklung darf man eh gespannt sein, was das Update beinhalten wird. Stattdessen werden bereits Spieleumsetzungen in Aussicht gestellt, darunter ein Siedler-Klon (Nordland), Robin Hood oder Airline Tycoon, die "vielleicht neben der Version 1.3 präsentiert werden" könnten. Ob es sich dabei um Portierungen oder um eine Emulation handeln wird, wurde nicht genannt.

Der Untergang von YellowTab scheint nicht erst mit einem durch Dritte eingereichten Insolvenzantrag begonnen zu haben. Wie Golem.de zu Ohren kam, schrumpfte die Zahl der ehemals rund 40 YellowTab-Mitarbeiter bereits Ende 2005 deutlich – zudem wurden Löhne den bisher unbestätigten Gerüchten zufolge nicht ausbezahlt. Das verwundert etwas, denn YellowTab hat mit dem RTL Shop eigentlich einen sehr potenten Vertiebspartner, der mit Abstand am meisten Zeta-Packungen verkauft hatte und angeblich einen Umsatz von mehreren Millionen Euro bescherte.

Sollten die Pläne zur Rettung von YellowTab scheitern, dann ist es um Zeta geschehen: "Eine Freigabe des Codes kommt [...] zu keinem Zeitpunkt in Frage" , heißt es seitens Magnussoft. Der von Magnussoft nicht genannte, aber auch nicht dementierte Grund: Die Rechte am in Zeta zum Einsatz kommenden BeOS-Code liegen bei PalmSource/Access, YellowTab muss nach Informationen von Golem.de für jede Veröffentlichung einer Vollversion (nicht jedoch für Updates) Lizenzgebühren entrichten.

Eine freie Version von Zeta ist damit gar nicht möglich, andererseits gibt es noch einige verbliebene private Projekte, die sich seit Jahren einem Nachbau von BeOS widmen. Darunter das Haiku OS(öffnet im neuen Fenster) und der AtheOS-Fork Syllable(öffnet im neuen Fenster) .


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