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Spieletest: SiN Episodes Emergence - Kurzweiliger Shooter

Erste Episode von Rituals mehrteiligem Shooter kann nicht voll überzeugen. Etwa acht Jahre ist es her, da begeisterte Ritual Entertainment mit einem SiN getauften Shooter, dessen Held John R. Blade mit Schusswaffen und markigen Sprüchen Horden von Gegnern niedermachte. Seit kurzem muss sich nun Blade im ersten Teil von SiN Episodes wieder mit seiner Erzwidersacherin Elexis Sinclaire und deren Vasallen anlegen - über Action und Blutmangel braucht man sich dabei nicht zu beklagen, nur Blade bleibt seltsam ruhig.
/ Christian Klaß
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Zu beziehen ist "SiN Episodes: Emergence" derzeit nur über Steam, wo das Spiel 20,- US-Dollar kostet und offenbar für deutsche Käufer beschnitten ist. Das bedeutet aber nicht, dass es deswegen deutlich weniger Blut zu sehen gibt, auf abgetrennte Gliedmaßen und die Möglichkeit, tote Gegner zu zerteilen, muss aber verzichtet werden - lediglich einige nicht menschlich aussehende Mutanten fliegen noch auseinander. Das alte SiN soll - was deutsche Steam-Kunden angeht - nur bei Vorbestellungen bis Ende April 2006 enthalten sein. Bei Golem.de war dies der Fall.

Eine Einstufung der USK für die normale und die geschnittene Version scheint es noch nicht zu geben, Valve und Ritual können deshalb laut offizieller Foren viele offene Fragen noch nicht beantworten. Zumindest die bedrohlich wackelnden sekundären Geschlechtsmerkmale und der Stringtanga-verzierte Hintern von Bösewichtin Elexis dürften eher in den USA bei den Jugendwächtern aufstoßen als bei der USK. In den USA wurde der erste Teil von SiN-Episodes-Teil mit "M" für Mature eingestuft.

Zum Beginn des Spiels findet sich der Polizist Blade in den Klauen von Elexis und deren Gefolgsmann Radek, die ihm eine Spritze mit unbekanntem Inhalt verabreichen und sich dann - vertrieben durch Blades neue Kollegin Jessica - aus dem Staub machen. Um herauszufinden, welche Gefahr Blade droht, nimmt Jessica kurzerhand die Verfolgung auf und begibt sich mit dem immer wieder in Ohnmacht fallenden Blade in einen konzernkontrollierten Industrie-Stadtteil.

Bis beide erstmals aktiv werden können, muss mehrmals in kurzen Abständen nachgeladen werden, was den Fluss der Geschichte am Anfang doch enorm stört. Auch im Spiel gibt es des Öfteren Pausen, ähnlich wie bei Half-Life 2 - auf dessen 3D-Engine SiN Episodes basiert. Man sollte eigentlich meinen, dass moderne Spiele intelligenter nachladen können. Im späteren Spielverlauf fallen die Ladebildschirme dann nicht mehr ganz so sehr auf, sind aber weiterhin vorhanden.

Zwar gilt es, in "SiN Episodes: Emergence" ab und an nachzudenken, wie bestimmte Stellen zu überqueren sind oder wo es weitergeht, diese Aufgaben sind aber in der Regel schnell gelöst. Vorrangig wird gekämpft, wobei Blades Waffenauswahl mit Pistole, Schrotflinte, Maschinengewehr und Granaten eher solide als beeindruckend ist. Immerhin gibt es aber alternative Schussmodi und die Möglichkeit, mit dem Kolben auf Gegner oder Kisten einzuschlagen.

Wie in Half-Life 2 spielen auch in Rituals neuem Shooter explosive Tonnen eine Rolle, zusätzlich gibt es aber auch zu Geschossen werdende Gasflaschen und toxische Gase, welche dem Gegner - und auch Blade - schaden können. Genesung nach heftigen Verwundungen findet Blade u.a. in Form von wiederbefüllbaren Maschinen, deren Behälter auch zerstört werden können, um in etwas schwächerer Form zu heilen.

Die Gegner kommen hinter Ecken vorgeschossen, seilen sich von oben ab oder greifen auch mal per Raketenrucksack aus der Luft an. Sie bewegen sich meist im Zickzack-Kurs, gehen auch mal in Deckung oder werfen selbst Granaten. Im Team scheinen sie aber nur bedingt zu arbeiten. Die in Scharen auftretenden Konzernsoldaten sind bei gutem Zielen auch mit einem oder zwei Pistolenschüssen aufzuhalten.

Die in der zweiten Hälfte des Spiels immer häufiger auftretenden gepanzerten Truppen sind mit einem Gatling-Maschinengewehr bestückt und - ebenso wie einige unappetitliche Mutanten - nicht mehr so einfach zu beseitigen. Bei den Endgegnern wird das Spiel zu einem Katz-und-Maus-Spiel, bei dem das Schießen aus der Deckung und Durchhalten lebenswichtig wird. Wer in der Hektik etwas Zeit findet, kann dann auch die Umgebung bzw. umherstehende Objekte nutzen, um Gegnern zu schaden.

Gekämpft wird vor und in Gebäuden, beim Balancieren auf Hochhaus-Simsen in schwindelerregender Höhe und aus dem Polizeiauto heraus. Ab und an müssen noch Schalterrätsel gelöst, Türen und Wege gefunden oder gefährliche Zonen schnell durchwandert werden. Die Geschichte wird durch Gespräche zwischen den Charakteren und durch die ab und an als Hologramm auftauchende fiese Gentechnikerin Elexis erzählt. Während die verfeindeten Damen sich Sprüche um die Ohren hauen, bleibt Blade eigenartig ruhig.

Zotige Kommentare beim Kämpfen bleiben also aus, was dem SiN-Feeling abträglich ist. Erst in der zweiten Hälfte und bei der Vorschau auf den Teil 2 kommt zudem etwas Stimmung auf, davor wirkt das ganze Geschehen wenig mitreißend. Das liegt auch daran, dass Blades Vergiftung durch seine Feinde zwar immer wieder erwähnt wird, aber im Gameplay selbst keine Rolle spielt.

Grafisch ist Sin Episodes: Emergence guter Durchschnitt, die Half-Life-2-Engine könnte sicherlich Besseres leisten. Während die Charaktere wieder mit gut gestalteten Gesichtern und glaubwürdiger Mimik aufwarten, sollte der Blick besser nicht auf die teils unglücklich gestalteten Hände fallen. Bei den kleineren Mutantengegnern drängte sich das Gefühl auf, dass ihre Bewegungsmuster denen der fiesen Kopfkrabben ("Headcrab") von Half-Life 2 mehr als ähneln - sie kommen angekrabbelt, spucken etwas und springen den Helden dann an.

Von der Spielzeit her ist Sin Episodes in etwa 5 bis 6 Stunden zu schaffen, häufiges Speichern (und Neuladen beim Ableben) eingerechnet. Da die "dynamische Spielschwierigkeit" dazu tendierte, etwas zu hart zu sein, hat Ritual sie nun per erstes Update repariert. Die Idee dahinter scheint recht sinnvoll: Das Spiel reagiert auf den Spielstil und greift dem überforderten Spieler manchmal unter die Arme. Beseitigt wurde unter anderem auch ein Fehler mit stotterndem Sound, der im Test nur nach einem Task-Wechsel zum Spiel zurück kurzzeitig auftrat.

Über Steam ist SiN Episodes: Emergence seit 10. Mai 2006 freigeschaltet. Als verpackte Version soll das Spiel ab 24. Mai 2006 in den deutschen Handel kommen.

Fazit:
SiN Episodes: Emergence ist kein Hit geworden, denn die Geschichte und die Charaktere reißen nicht sonderlich mit, der Weg im Spiel ist vorbestimmt, neue Ideen fehlen und die Grafik setzt keinen Meilenstein. Dennoch ist der erste Teil des als Serie angelegten Action-Spiels ein solider Shooter, der vor allem in der zweiten Spielhälfte fordernd ist. Ein Preis von 20,- US-Dollar für 5 bis 6 Stunden erscheint da durchaus fair. Für den zweiten Teil von SiN Episodes darf sich Ritual aber durchaus etwas mehr einfallen lassen, vor allem was die Entwicklung der Charaktere angeht.


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