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Marktforscher: Wann ist ein PDA ein PDA?

Gartners Unterscheidung zwischen PDAs und Smartphones enthüllt. Gartner hat neue PDA-Marktzahlen vorgelegt, die wie die Studien zuvor kaum noch eine Aussagekraft aufweisen, weil die Geräte nach willkürlich von den Marktforschern bestimmten Faktoren rubriziert werden. Auf Nachfrage von Golem.de begründete Gartner, nach welchen Kriterien die Marktforscher einen PDA als PDA klassifizieren und wann ein technisch und funktionell identisches Gerät den Stempel Smartphone erhält.
/ Ingo Pakalski
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Bereits im Mai 2005 berichtete Golem.de darüber, dass die von Gartner veröffentlichten PDA-Marktzahlen seit längerer Zeit nur noch eine geringe, wenn nicht sogar keinerlei Aussagekraft mehr besitzen. Denn die Marktforscher rubrizieren Geräte mit technisch identischen Eigenschaften und gleichartigen Fähigkeiten mal als PDA und mal als Smartphone.

Im Gespräch mit Golem.de gab die für den PDA-Markt zuständige Gartner-Analystin Roberta Cozza darüber Auskunft, warum etwa die Symbian-Smartphones 9300 Communicator und E61 oder das WindowsCE-Smartphone iPAQ H6300 von HP nach deren Lesart als PDA klassifiziert werden. Außerdem erläutert sie, weshalb die Marktforscher zugleich die von den technischen Daten identischen Geräte wie das PalmOS-Smartphone Treo 650 oder RIMs BlackBerry 7100 nicht als PDA einordnen, sondern diese in der Rubrik Smartphone landen.

Demnach unterscheidet Gartner zwischen PDAs ohne Drahtlostechnik, PDAs mit Drahtlostechnik und Smartphones. Letztere messen die Marktforscher daran, ob die Geräte primär für Sprachtelefonie eingesetzt werden. Da die betreffende Einschätzung einzig und allein Gartner trifft, bleibt dies der Willkür der Marktforscher überlassen. So konnte Roberta Cozza nicht klären, weshalb etwa ein 9300 Communicator von Nokia primär für mobile Datenanwendungen eingesetzt werde, nicht aber der Treo 650, der prinzipiell die gleichen Möglichkeiten abdeckt.

Hier meint Gartner, dass der Treo 650 vornehmlich für Telefonie eingesetzt werde, was für Nokias 9300 Communicator nicht gelte. Um aber an die Datenanwendungen auf dem 9300 Communicator zu gelangen, muss das Gerät zunächst aufgeklappt werden. Denn im geschlossenen Zustand stehen ausschließlich die Telefonfunktionen zur Verfügung, während Telefon- und Datenanwendungen auf dem Treo 650 immer gleichrangig erreichbar sind.

Als weiteren Parameter zieht Gartner die Geräteform und Displaygröße heran, um anhand derer zu bestimmen, ob ein mobiles Gerät als PDA mit Drahtlostechnik oder als Smartphone klassifiziert wird. Unklar ist hierbei, inwiefern sich die beiden Parameter "Telefonfunktionen" und "Gerätemaße" ausschließen oder ergänzen bzw. ob einer der Parameter eine höhere Priorität besitzt.

Die von Gartner festgesetzten Grenzwerte für Geräteform und Displaygröße verhindern somit, dass Geräte jenseits dieser Norm als Smartphone klassifiziert und somit aus dem PDA-Marktvergleich verbannt werden. Gleichwohl können funktional identische Geräte die gleichen Fähigkeiten aufweisen und somit eigentlich in die gleiche Produktgruppe gehören.

Diese Art der Rubrizierung seitens Gartner führt zu der paradoxen Situation, dass etwa im Jahr 2005 Research In Motion (RIM) und Nokia Marktführer im weltweiten PDA-Markt wurden. Damit haben zwei Unternehmen den Markt angeführt, die nach eigener Aussage in ihrer gesamten Firmengeschichte nicht einen einzigen PDA gefertigt oder gar verkauft haben. Im ersten Quartal 2006 führt RIM nach Gartner-Lesart weiterhin den PDA-Markt an, obwohl RIM nach wie vor nach branchenüblichen Maßstäben keinen einzigen PDA im Sortiment hat.

Vollkommen unklar bleibt bei der Gartner-Rubrizierung, aus welchem Grund die beiden Parameter für eine Rubrizierung herangezogen wurden und sich die Marktforscher nicht stattdessen auf die in der Branche gebräuchliche Unterscheidung zwischen Handy, Smartphones und PDAs stützen. Denn ein PDA zeichnet sich dadurch aus, dass solche Geräte keine Mobilfunkfunktionen aufweisen, während sich ein Smartphone von einem Handy dadurch abgrenzt, dass ein erweiterbares Betriebssystem in Smartphones zum Einsatz kommt.

Marktforscher sollten zwischen Smartphones und PDAs deutlich unterscheiden, da beide Produktgruppen in völlig anderen Marktsegmenten positioniert sind. Während Smartphones meist über Mobilfunkbetreiber und häufig mit entsprechenden Subventionen bei Abschluss eines Mobilfunkvertrages angeboten werden, erhält man PDAs ausschließlich zum Vollpreis ohne derartige Vergünstigungen, weshalb auch die Kundenzielgruppe eine ganz andere ist.


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