Intel vor größter Umstrukturierung
Ungewohnt deutlich und direkt gab Otellini offen zu, dass der Marktanteil von Intel seit 2002 sinkt – aber, so Otellini, an dieser Stelle sei Intel 1997 schon einmal gewesen. Mit Einführung der Core-Architektur 2006 soll es wieder aufwärts gehen, wie dies schon beim Start von Pentium und Pentium 4 geschehen sei. Neben den Marktanteilen ("MSS" in den Grafiken) hat Intel jedoch in den letzten Quartalen auch bei Umsatz und Gewinn Einbußen zu verzeichnen.
Ob damit auch Entlassungen gemeint sind, ließ der Konzernchef nicht durchblicken. In früheren Krisen, etwa nach dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000, hatte Intel mit einem Einstellungsstopp und Vorruhestandsprogrammen reagiert und war dabei immer profitabel geblieben. Aktuell will sich Otellini zunächst einmal die Effizienz jeder Abteilung Intels ansehen und im dritten Quartal 2006 dann seine Entscheidungen bekannt geben. Intels Finanzchef Andy Bryant nannte bei dem Analsytentreffen aber explizit die Zahl der Mitarbeiter ("Headcount" im US-Business-Englisch) als Ansatzpunkt.
Die geplanten Produkteinführungen sollen davon nicht betroffen sein. Laut Otellini stellen bereits drei Halbleiterwerke Chips mit 65 Nanometern Strukturbreite her. Diese Fertigung wird für die Core-Architektur auch dringend gebraucht. Die Entwicklung der 45-Nanometer-Prozesse sei außerdem "im Plan" , sagte Otellini. Insgesamt will man, vor allem durch Core, schon 2006 wieder Marktanteile zurückgewinnen. Mit den neuen Plattformen Viiv und vPro will Otellini schon in den ersten zwölf Monaten nach der Markteinführung jeweils eine Milliarde Umsatz erzielen – vor allem bei den Wohnzimmerrechnern mit Viiv-Logo ist das ein ehrgeiziges Ziel.
Intels Chef von Vertrieb und Marketing, Andand Chandrasekher, wurde im Anschluss an Otellinis Pläne noch konkreter: Intel habe zu hohe Lagerbestände, konnte im ersten Halbjahr 2005 zu wenige Prozessoren liefern – und sogar eine "unangebrachte Roadmap" bei den Server-Produkten gestand Chandrasekher ein. Die Übersetzung aus dem Marketing-Deutsch muss wohl lauten: Die Kunden greifen lieber zum Opteron.