Yahoo China erneut im Zwielicht

Online-Anbieter soll Nutzerdaten eines E-Mail-Accounts herausgegeben haben

Yahoo soll den chinesischen Behörden den Nutzer eines E-Mail-Accounts mit regierungskritischem Inhalt verraten haben. Schon zum dritten Mal gerät das Unternehmen damit in Verdacht, den chinesischen Behörden dabei geholfen zu haben, einen Regimegegner ins Gefängnis zu bringen.

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Die Organisation Reporter ohne Grenzen wirft dem Unternehmen vor, der Polizei verraten zu haben, vom wem ein E-Mail-Account genutzt wurde, in dem sich ein Aufruf zum Sturz der Regierung befand. Der 39-jährige Jiang Lijun war im Jahr 2003 wegen des Aufrufs zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden. Als Beweis vermerkte das Gericht in seinem Urteil, Yahoo habe bestätigt, dass der fragliche E-Mail-Account von Jiang und einem weiteren Aktivisten genutzt worden sei. Eine übersetzte Fassung dieses Urteils legte Reporter ohne Grenzen seiner Mitteilung bei.

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Jiang soll in der fraglichen E-Mail unter anderem das chinesische Regime als autokratisch bezeichnet und erklärt haben, dass er eine Demokratie nach westlichem Vorbild bevorzuge. Auch soll er vorgehabt haben, den 16. Nationalen Volkskongress mit einem falschen Bombenalarm zu stören.

Nicht zum ersten Mal gerät Yahoos China-Engagement damit in die Schlagzeilen. Schon in den Fällen von Li Zhi und Shi Tao war das Unternehmen beschuldigt worden, die chinesischen Behörden mit Beweismitteln gegen die Regimegegner versorgt zu haben. Li war zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden, weil er Kommentare verschickt hatte, in denen er die Korruption in dem Land anprangerte. Shi, ein Journalist, wurde zu zehn Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, weil er eine E-Mail ins Ausland geschickt hatte, in der er Informationen über die chinesische Pressezensur öffentlich machte.

"Nach und nach beweist sich, was wir schon länger vermuten", heißt es in dem Statement von Reporter ohne Grenzen. "Yahoo scheint in zahlreiche Fälle, für die wir uns in China engagieren, verwickelt zu sein."

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Immer wieder geraten US-Unternehmen wegen ihres Engagements in China in die Kritik: Um von dem stark wachsenden Markt profitieren zu können, unterwerfen sich Internetfirmen den Zensurforderungen der chinesischen Regierung. So finden sich etwa in der China-Ausgabe von Google keine Verweise auf die Situation in Tibet.

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