Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Massive Startprobleme bei in2movies (Update)

Sicherheitsproblem, überlastetes Peer-to-Peer-Netzwerk und schwache Bildqualität. Der am gestrigen 12. April 2006 erfolgte Start des deutschen Download-to-own-Filmshops in2movies lief nicht ohne Probleme ab. Zum einen skalierte das Peer-to-Peer-Netzwerk auf Grund des kostenlosen Harry-Potter-Films doch nicht so gut wie erwartet – dessen Bildqualität entspricht zudem nicht der einer DVD – und zum anderen tauchte ein Sicherheitsproblem auf.
/ Christian Klaß
82 Kommentare Auf Google folgen (öffnet im neuen Fenster)

Im Test bei Golem.de verhielt sich der zum Herunterladen und Abspielen der über in2movies angebotenen Filme mitunter recht träge. Während der kostenlos angebotene erste Harry-Potter-Film anfangs schnell (über 1,5 MBit/s) und dann nur noch langsam (teils 100 KBit/s) durch die Leitung kam und immer noch nicht vollständig ankam, war etwa der kostenpflichtige Film "Sophie Scholl" mit fast durchgängig 1 MBit/s schnell vollständig auf der Platte. Bei "Harry Potter" dürfte es daran liegen, dass durch das große Interesse das zum Einsatz kommende Peer-to-Peer-Netz völlig überlastet wurde – auch bei anderen Peer-to-Peer-Netzen kann bei zu viel Interessenten der Datenaustausch ineffizienter werden. Immerhin zählte in2movies aber in den ersten Stunden auch schon über 100.000 gleichzeitige Downloads.

Bei den Filmen verspricht in2movies zwar eine DVD-Bildqualität, allerdings ist man davon doch mit 720 x 300 statt 720 x 576 Bildpunkten weit entfernt. Trotz der hohen Bitrate und der Dateigröße gibt es mitunter sichtbare Kompressionsartefakte, etwa um die Lampen in der nebligen ersten Szene von "Harry Potter". Dank der niedrigen Auflösung wirkt der Film zudem bei Vergrößerung auf typische PC-Bildschirmauflösungen etwas unscharf. Wie Heise.de zudem herausfand, liegt der Ton nicht wie versprochen in Dolby-Digital-Ton vor, sondern ist in einer 5.1-Tonspur mit 384 KBit/s WMA-Pro-kodiert. Das Microsoft-DRM erlaubt in diesem Fall keine Ausgabe über den Digitalausgang der Soundkarte, sondern nur über analoge Ausgänge.

Der Client selbst erwies sich im Betrieb mitunter als recht träge – und der GNAB getaufte Filesharing-Teil der Software krallte sich bei einem Blick in den Taskmanager über 100 MByte Hauptspeicher für den Datenaustausch mit anderen Nutzern und den Seed-Servern von in2movies. Das ist allerdings nicht unüblich, andere Filesharing-Anwendungen belegen ähnlich viel Speicher, auch wenn es eher Ausnahmen sind.

Gravierender ist da schon, dass in2movies seinem Client noch keine intelligente Überwachung der Upload- und Download-Raten spendiert hat. Stattdessen nutzt die Software in den Standardeinstellungen die maximale Bandbreite. Damit wird das Webbrowsen und auch das weitere Nutzen des auf den Internet Explorer zurückgreifenden in2movies-Clients schon ab einem Filmdownload inkl. Upload nervig langsam.

Dass das kein Einzelfall ist, zeigte auch die Demonstration auf der Pressekonferenz, wo ein heruntergeladener Film bei einer 6-MBit/s-DSL-Leitung dafür sorgte, dass der zweite erst bestellt werden konnte, nachdem der Download/Upload des anderen pausiert wurde. Hier muss noch einiges nachgebessert werden, damit Kunden Interesse daran haben, wirklich Bandbreite zur Verfügung zu stellen und den Client nicht als nervig ansehen. Mit einer Reduktion der Upload-Bandbreite in den Einstellungen scheint sich das Problem bisher immerhin manuell entschärfen zu lassen.

Im Test wollten wir die einmal die Wiedergabe des Sophie-Scholl-Films außerhalb des in2movies-Clients per Windows Media Player ausprobieren, dem eigentlich die Lizenz vorliegen müsste. Stattdessen versuchte der Media Player die – eigentlich bereits vorhandene – Lizenz neu zu erwerben, was letztlich dazu führte, dass die auf der Platte gespeicherte Lizenz nun ungültig ist. Für diese Fälle bietet in2movies die Möglichkeit, die Lizenz wieder herzustellen, was aber nur dreimal erfolgen darf, danach ist eine Mail an den Support vonnöten – telefonische Hilfe gibt es bisher ausdrücklich nur bei Zahlungsproblemen. Falls es generell Probleme mit den Lizenzen der heruntergeladenen Filme gibt, kann daran auch das Microsoft-DRM selbst schuld sein. Dann kann es helfen, das DRM-Verzeichnis zu löschen und es per Microsoft-Website(öffnet im neuen Fenster) und Internet Explorer wieder in funktionsfähigen Zustand zu bringen.

Nicht eingreifen kann der Kunde bei dem Sicherheitsproblem, das am gestrigen Tag mehreren Nutzern auffiel. Im Test bei Golem.de tauchte während des Wartens auf den zu dem Zeitpunkt nicht so recht reagierenden Client in dessen Hauptfenster plötzlich ein fremder Nutzername auf. So landeten wir also unverhofft in der Session eines anderen Nutzers – das Gleiche passierte auch anderen, wie im Golem-Forum und auch bei Heise.de nachzulesen ist. Bei in2movies versucht man das Problem derzeit aufzuspüren und wollte deshalb noch nichts Weiteres dazu sagen.

Am 12. April 2006 ab 20 Uhr hieß es bereits: "Sehr geehrter Besucher! Aufgrund von Auswertungsläufen unserer ersten Betaphase sind wir in Kürze wieder für Sie da. Ihr in2movies Team". Nachdem es später wieder funktionierte, tauchte diese Nachricht am heutigen Vormittag wieder auf – auch wenn man den Client über die Website herunterladen will.

Auch wenn es sich noch um eine bis zum Juni 2006 andauernde Beta-Phase handelt, so macht in2movies in der aktuellen Form noch keinen sonderlich guten Eindruck. Der Erwerb von überall abspielbaren, teils günstigeren und zudem mit Extras bestückten DVDs ist da deutlich attraktiver. Um Kunden von unerlaubt über das Internet verbreiteten Filmen wegzubekommen, sollte ein kommerzieller Dienst zudem weniger Probleme machen als ein herkömmlicher Filesharing-Client, über den dann Filme in guter bis teils besserer Qualität zu finden sind, die in jedem Player auf jedem Betriebssystem laufen und zudem ohne potenzielle Lizenzprobleme daherkommen.


Relevante Themen