Spieletest: The Elder Scrolls IV Oblivion - Hit mit Macken
Spielerisches Meisterwerk mit technischen Mankos. Kaum ein anderes Spiel dürfte in diesem Jahr bisher so sehnlich erwartet worden sein wie The Elder Scrolls IV: Oblivion, schließlich hat man es hier mit dem Nachfolger des herausragenden und mit Auszeichnungen überhäuften Morrowind zu tun. Prinzipiell haben es die Entwickler von Bethesda auch tatsächlich geschafft, den hohen Erwartungen gerecht zu werden und ein absolutes Meisterwerk vorzulegen - würden nicht massive technische Schlampereien bei der deutschen Version den Spielspaß so spürbar trüben.
Die Geschichte von Oblivion ist relativ losgelöst von den bisherigen Elder-Scrolls-Spielen. Nach der umfangreichen Charakter-Erstellung, bei der neben der Rasse wie etwa Argonier, Bretone, Waldelf oder Ork auch jedes kleine Detail wie Geschlecht, Augen-, Nasen- und Mundform bestimmt werden kann, findet man sich zunächst in einem Kerker wieder; das erste Quest lautet dann auch folgerichtig, aus diesem zu entkommen. Warum man sich in dem Verlies befindet, klärt sich so schnell allerdings nicht; als dann überraschend der König vorbeischaut und im Spieler eine Person aus seinen Träumen wiedererkennt, wird die ganze Angelegenheit nicht eben übersichtlicher.
Es kommt allerdings noch verwirrender: Kurze Zeit später stürzen sich Meuchelmörder auf den König und erledigen ihn; gut nur, dass er kurz zuvor noch ein mächtiges Amulett dem Spieler überlassen hat. Nun gilt es, den Thronfolger ausfindig zu machen, die Hintergründe einer Verschwörung aufzudecken und herauszufinden, was eigentlich die eigene Rolle in dem Ganzen ist. Leicht wird das allerdings nicht, denn Auslöser der ganzen Katastrophe scheinen Tore zur Unterwelt Oblivion zu sein, die aufgestoßen wurden und aus dem Höllenschlund nun Dämonenarmee auf Dämonenarmee folgen lassen.
Mehr soll an dieser Stelle zur Story nicht verraten werden - inhaltlich steckt Oblivion voller Wendungen, die den Spieler mit jeder Stunde weiter ins Geschehen ziehen. Jedenfalls sollte man sich seiner Sache nie zu sicher sein: Vermeintliche Freunde werden zu Feinden, harmlose Gemälde werden zu Toren in eine andere Welt - vor angenehmen Überraschungen ist man hier nie gefeit.
Die große Stärke von Oblivion ist das unglaublich große Spielfeld und die spielerische Freiheit. Natürlich ist es möglich, strikt nach Plan einen Hauptquest nach dem anderen abzuarbeiten; das vorbildliche Tagebuch listet alle Aufträge übersichtlich auf, per Karte im Inventar lässt sich bequem von Stadttor zu Stadttor springen. Viel interessanter ist es allerdings, sich zunächst einmal ein wenig in der Spielwelt zu "verlaufen", durch Wälder und über Wiesen zu streifen, Burgruinen zu untersuchen und bei Zeltlagern vorbeizuschauen, in Städten die Tavernen und Läden abzuklappern oder sich einfach mit Wanderern zu unterhalten.
Natürlich ergeben sich so fast von selbst unzählige Nebenquests, auf die man sich oft ganz nach eigenem Gusto einlassen kann - ähnlich wie bei Fable, nur in deutlich komplexerer Form, obliegt es dem Spieler, ob er sich als edler Ritter, schleichender Mörder oder geschickter Dieb verdingt.
Ein Großteil des Spiels wird rollenspieltypisch für Kampf und Magie aufgewendet; aus der Ego-Perspektive vermöbelt man zunächst kleine Trolle und Ratten, muss sich dann später aber auf Skelette, Orks und immer größer werdende Dämonen einstellen. Gut also, dass das Inventar Unmengen an Waffen aufnehmen kann, die entweder gekauft oder besiegten Gegnern abgenommen werden.
Ähnlich sieht es mit den Zaubern aus, auch hier ist die Auswahl riesig; zu Beginn wird es trotz guter Einführung dauern, bis man die schiere Masse an Magie (natürlich abhängig von Rasse und Klasse) durchschaut hat und die wichtigsten Zauber vernünftig auf die Aktionstasten verteilt hat. Später wendet man sich dann geübt dem Mixen neuer Heiltränke und dem Einsammeln diverser Kräuter und anderer Ingredienzen zu.
Nach und nach werden die vielen Attribute wie Stärke, Schnelligkeit und Konstitution sowie zahlreiche Eigenschaften für den Kampf und die Magie trainiert, zu leicht sollte man sich aber auch die Gefechte nicht vorstellen - wer nicht den Block vernünftig einsetzt oder sich von Zeit zu Zeit auch mal geschickt anschleicht, wird früher oder später keine Chance haben. Das Spiel gibt also aus gutem Grund den Tipp, öfter mal zu speichern - vor allem die Energieleiste (die neben der Magie- und Ausdauerleiste am unteren linken Bildschirmrand angezeigt wird) braucht sich schneller auf, als es einem lieb ist. Per stufenlosen Regler kann der Schwierigkeitsgrad allerdings auch jederzeit angepasst werden.
Alles großartig also? Leider nicht - denn aus welchen Gründen auch immer hat Bethesda bei der deutschen Übersetzung nicht einmal ansatzweise die Sorgfalt walten lassen, die das Gameplay auszeichnet. Von Beginn an ärgert man sich über sinnlose Bildschirmtexte - viele Sätze ergeben grammatikalisch einfach keinen Sinn, traurige Highlights sind Englisch-Deutsch-Kombinationen wie "To ready your weapon or fists, drücke die Taste X."
Zudem werden auch in der PC-Version Teile des Xbox-Controllers als Tasten genannt und im Inventar herrscht völlige Verwirrung auf Grund kruder Abkürzungen wie "Schw. Tr. D.Le.en.-W". Verwirrend ist das vor allem deshalb, weil an der deutschen Sprachausgabe mitsamt ihren Untertiteln nur wenig auszusetzen ist; die Synchronisation mag zwar vielleicht nicht ganz so stimmungsvoll sein wie beim US-Vorbild, weitgehend gelungen ist sie aber allemal. Zudem verbessert sich die Textqualität im Spielverlauf: Schlägt man etwa das Zaubereibuch in einer Magiergilde auf, kann man es über weite Strecken lesen, ohne einen Lach- oder Wutanfall ob vollkommen unverständlicher Texte zu bekommen.
Hinzu kommen einige Performance-Probleme: Als PC-Besitzer sollte man schon über Top-Hardware verfügen, ein 3-GHz-Prozessor und 1 GByte RAM sind mehr als empfehlenswert, um die Welt von Oblivion wirklich genießen zu können. Xbox360-Besitzer bekommen zwar auch ohne HD-Fernseher schon einen Augenschmaus, müssen sich dafür aber damit abfinden, dass bestimmte Gesprächspassagen manchmal einfach nicht vertont sind, die Soundausgabe beim Abspielen stockt oder sich die Konsole im schlimmsten Fall auch mal aufhängt.
Und trotz all dieser Mankos ist Oblivion ein absolutes Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Natürlich nerven die technischen Unzulänglichkeiten, gerade zu Beginn will sich zunächst keine wirkliche Atmosphäre einstellen, da die miesen Bildschirmtexte ein Eintauchen in die mythische Welt fast schon mit Gewalt verhindern. Hat man den ersten Schock aber überstanden und sich etwa damit abgefunden, dass sich der Heilzauber aus welchen Gründen auch immer unter dem Begriff Feuerball verbirgt, lässt sich die Begeisterung kaum noch bremsen.
Wer das erste Mal den Höllenschlund von Oblivion betreten hat, die brennenden Ruinen einer von den Dämonen zerstörten Stadt durchschreitet oder dabei zusieht, wie sich über dem Wald der Himmel langsam rötlich färbt und die Sonne untergeht oder ein plötzliches Gewitter den Himmel mit Blitzen zerreißt, wird ehrfürchtig staunen - eine stimmigere, überwältigendere Welt hat man weder auf PC noch auf Xbox 360 bisher gesehen. Hinzu kommt die beachtliche Spieldauer von mindestens 50 Stunden - je nachdem, wie ausführlich auf Nebenaufgaben eingegangen wird.
Interessant wird sein zu sehen, wie Publisher Take2 auf die Probleme der Entwickler mit der deutschen Sprache reagieren wird; ein Patch für den PC ist bereits angekündigt. Bei Xbox-360-Besitzern dürfte das Ganze allerdings etwas komplizierter werden, denn Oblivion ist kein Xbox-Live-Spiel - theoretisch sollte es aber möglich sein, dennoch(öffnet im neuen Fenster) Patches online dafür bereit zu stellen.
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The Elder Scrolls IV: Oblivion erscheint exklusiv für den PC und die Xbox 360 und hat eine USK-Freigabe ab zwölf Jahrern erhalten. Für beide Plattformen gibt es zudem eine jeweils gut 15 Euro teurere Collector's Edition, die mit einem 112 Seiten dicken Reiseführer durch das Kaiserreich, einer umfangreichen Making-of-Dokumentation auf DVD und einer Nachbildung der Septim-Münze, der offiziellen Währung des Kaiserreichs Tamriel, aufwartet.
Fazit:
Bethesda macht es dem Spieler schwer: Einerseits haben die Entwickler mit Oblivion das wohl beste, atmosphärischste und umfangreichste Action-RPG geschaffen, das PC- und Xbox360-Spieler bisher gesehen haben; andererseits zerstören sie mit der katastrophalen deutschen Übersetzung der Bildschirmtexte und einigen Bugs gleich wieder einen Großteil der Faszination, vor allem der Spielbeginn gerät deutlich zäher als erwartet. Es spricht für Oblivion, dass man nach ein, zwei Stunden Spielzeit anfängt, über diese Schnitzer hinwegzusehen: Das Spiel ist so gut und faszinierend, dass man trotz aller Verärgerung nicht aufhören will und sich bald mit den Problemen abgefunden hat; einen Patch sollte Take 2 dennoch so schnell wie möglich nachliefern.