Stanislaw Lem verstorben
Obwohl oder gerade weil der am 12. September 1921 im damals noch polnischen Lviv (Lemberg) geborene Lem sich über die technische Entwicklung der Menscheit Gedanken machte und mal humoristisch, mal schonungslos mögliche Folgen beschrieb, zeigte er sich moderner Technik gegenüber eher skeptisch. Seine Texte brachte er stets mechanisch zu Papier, Computern und E-Mails verweigerte er sich, obwohl er über sie nachdachte. Dazu passt ein Lem-Zitat, das in der Wikipedia zu finden ist: "Die Steigerung der technischen Leistung geht paradoxerweise mit einem Verfall der Fantasie und Intelligenz der Menschen einher."
In den letzten Jahren betätigte sich Lem vor allem als Kolumnist. Zu den umfangreicheren Werken von Lem zählen das 2005 von Wigald Boning als Hörspiel vertonte Buch "Die Sterntagebücher des Weltraumfahrers Ijon Tichy" (1961), das von Andrei Tarkowski (1972) und von Steven Soderbergh (2002) verfilmte "Solaris" (1972), "Der futurologische Kongreß" (1974) und "Summa technologiae" (1976). Lesenswert ist auch "Frieden auf Erden" (1988), in dem der Mensch letztlich seiner Gier nach immer mächtigeren Waffensystemen auf kuriose Weise zum Opfer fällt – Protagonist ist hier wieder Ijon Tichi.
Aus Sicht der Golem.de-Redaktion darf ein Roman in dieser unvollständigen Liste nicht fehlen: "Also sprach Golem" (1984). Statt in der Sage um den Prager Rabbi Löw und seinen aus Lehm geschaffenen Golem geht es im Lem-Roman um eine künstliche Intelligenz, welche der Menschheit ihre eigene Fehlbarkeit erklärt. Der Golem steht jeweils für das technisch Mögliche und warnt gleichermaßen vor den Folgen allzu großer Technik-Euphorie.