Chinesische und US-Filmverbände gemeinsam auf Verbrecherjagd
Die China Film Copyright Protection Association (CFCPA) wurde nach Angaben der MPA im August vergangenen Jahres gegründet. Der Verband von 62 Unternehmen will "eine Brücke schlagen zwischen Filmindustrie und kommunistischer Partei" , wird sein Vorsitzender, Zhu Yongde, in einer Pressemeldung der MPA zitiert.
Die MPA ist der internationale Ableger der Motion Picture Association of America (MPAA) und betreibt Lobbying für die Interessen der US-Filmindustrie. Die Organisation unterhält Büros in Washington, D.C., Brüssel, Sao Paulo, Singapur und Toronto.
Durch die Vereinbarung erklären sich beide Organisationen bereit, Informationen über unerlaubte Kopien auszutauschen, um so "die Reichweite und die Wirksamkeit der Regierungs- und Industriemaßnahmen in China zu erhöhen" . Außerdem wollen die Verbände die "Arbeit der chinesischen und US-amerikanischen Strafverfolgungsbehörden unterstützen, wo es angebracht ist."
Angaben, wie diese Unterstützung aussehen könnte, machten die Verbände nicht. Die MPA, wie auch die Business Software Alliance (BSA), arbeitet in vielen Ländern mit Polizei und Staatsanwaltschaften zusammen, indem sie bei der Suche nach Kopien von Filmen hilft, die ohne Erlaubnis der Rechteverwerter hergestellt und verkauft werden.
Dabei werden den Organisationen in einigen Ländern Sonderrechte eingeräumt, so dass sie an Durchsuchungen teilnehmen und Beweismaterial sicherstellen dürfen. Dieses Vorgehen wird von Bürgerrechtlern kritisiert, weil dadurch staatliche Aufgaben unter der Hand an private Interessengruppen delegiert würden.
In Deutschland war erst vor kurzem die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) in die Kritik geraten, weil sie angeblich Informanten zu Straftaten angestiftet hatte, um Urheberrechtsverletzern auf die Spur zu kommen. Der Urheber- und Strafrechtsexperte Udo Vetter kommentierte die Arbeit der GVU mit den Worten: "Da wandern sichergestellte angebliche Beweise direkt vom Tatort zur GVU, die ja als Vertreter der Rechteinhaber eigentlich Partei ist. Heraus kommen bisweilen Gutachten, die nicht einmal Formstandards genügen."
Nach eigenen Angaben hat die MPA im vergangenen Jahr mehr als 34.000 Fälle von Urheberechtsverletzungen in Südostasien untersucht und dabei die Ermittler bei 10.500 Durchsuchungen unterstützt. Dabei seien mehr als 34 Millionen rechtswidrig hergestellte optische Speicher (CDs und DVDs) sichergestellt worden. [von Matthias Spielkamp]
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