Streit um die Verwaltung des Internets

US-Regierung plant angeblich, IANA-Aufgaben öffentlich auszuschreiben

Die US-Regierung plant offenbar, die Aufgaben der Internet Assigned Numbers Authority (IANA) auszuschreiben. Sollte es tatsächlich dazu kommen, wäre dies eine große Niederlage für die Internetverwaltung ICANN. Bereits im November 2005 gab es entsprechende Gerüchte.

Artikel veröffentlicht am , nz

Die Internetregistratur IANA steht Medienberichten zufolge vor einer öffentlichen Ausschreibung durch die US-Regierung. Die IANA verwaltet die zentralen IP-Adress- und Domain-Dateien sowie IP-Protokollnummern. Diese so genannten Root-Dateien wurden mitsamt weiterer IANA-Funktionen bislang von der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) verwaltet, die sich immer wieder mit anderen internationalen Domain-Verwaltern, aber auch der US-Regierung streitet, die die Non-Profit-Organisation eingesetzt hat und kontrolliert.

Die mögliche IANA-Ausschreibung wird von Beobachtern als Druckmittel auf die ICANN gesehen. Bereits im November 2005 berichtete Spiegel Online und auch die US-Website Computer Bussiness Review über entsprechende Pläne.

In einem am vergangenen Dienstag veröffentlichten Papier des US-Wirtschaftsministeriums heißt es nun, mögliche Interessenten, die den IANA-Vertrag übernehmen wollen, sollen sich melden. Dies ist jedoch erst die erste Stufe vor einer echten Ausschreibung. Der IANA-Vertrag wurde zuletzt 2003 für drei weitere Jahre an die ICANN vergeben und müsste nun nochmals erneuert werden.

Auf Seiten der internationalen Domain-Verwalter gibt es schon seit längerem Kritik an der Durchführung der IANA-Funktion durch die ICANN. Der Top-Level-Domain-Verband CENTR hat daher ein automatisiertes Testsystem erstellt, das die IANA-Funktionen einfacher nutzbar machen könnte; die ICANN weigerte sich bislang jedoch, dieses auch umzusetzen. CENTR versucht seit längerem, selbst zum IANA-Vertragsinhaber zu werden und könnte sich nun bewerben.

Bislang verläuft die IANA-Nutzung in geregelten Bahnen. Beobachter fürchten aber, dass es bei einem Streit zu einer faktischen Aufspaltung des Internets kommen könnte. Die wenigen Funktionen, die im Netz zentralisiert sein müssen, dürften nicht im Chaos enden. Die ICANN hat zur potenziellen IANA-Ausschreibung bislang noch nicht Stellung bezogen.

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