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Foneros für ein kostenloses Internet

Martin Varsavsky: Wir haben kein Henne-und-Ei-Problem mehr. Das spanische Internet-Start-up Fon will in Städten zehntausende alternative Hotspots errichten, um das größte WLAN-Hotspot-Netzwerk der Welt aufzubauen. Google und Skype unterstützen das Projekt mit mehreren Millionen.
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Martin Varsavskys Idee klingt etwas verrückt. Bis zum Ende des Jahres will er weltweit mehr Internet-Hotspots anbieten als jeder Provider. Etwa 25.000 sollen es bis dahin sein. Der in Spanien lebende argentinische Unternehmer versucht jedoch nicht, selbst die nötige Hardware in Cafés und Bahnhöfen zu installieren. Er setzt stattdessen auf "Foneros". So nennt er alle Mitglieder seines Projekts Fon, mit dem er seit November das Netz an Hotspots aufbaut. Noch vor wenigen Wochen sei das Ziel sehr ambitioniert gewesen, sagt Varsavsky selbst. Inzwischen hat er sein Ziel fast erreicht.

Das Prinzip ist einfach. Jeder, der zu Hause einen Breitband-Internetanschluss hat, kann sich bei Fon registrieren und mit der Fon-Software seinen Anschluss für andere "Foneros" freigeben. Diese können dann maximal die Hälfte der vorhandenen Bandbreite nutzen, zunächst kostenlos. "Fon ist somit ein sicherer Weg, sein Internet zu teilen" , sagt Varsavsky.

In den kommenden Wochen will er erstmals die Möglichkeit bieten, Geld von anderen "Foneros" für den Zugang zu verlangen. Dann wird es zwei Optionen geben: "Linus" und "Bill". Die erste Variante, angelehnt an Linux-Erfinder Linus Torvalds, soll weiterhin kostenlos sein. Bei "Bill", benannt nach Microsoft-Gründer Bill Gates, erhält man von anderen Nutzern einen Euro pro Stunde – muss dann aber auch für die Nutzung anderer Hotspots zahlen.

"Die Idee dazu kam mir in Paris" , sagte Varsavsky der Netzeitung. "Ich saß in einem Café, da hatte ich 19 WLAN-Signale auf meinem Notebook und dachte mir: 'Hey, lass uns das doch nutzen.' Die Provider würden stattdessen kommen und für einen Hotspot noch einen 20. Zugang einrichten."

Die Idee freier Internetzugänge ist nicht neu, Varsavsky will sie aber neu und professionell organisieren. Er ist kein Neuling in dem Geschäft. In Spanien hat er bereits erfolgreich drei Telekom-Unternehmen aufgebaut. Für Fon muss er nun ein neues Problem lösen: Die Community wird erst attraktiv, wenn ausreichend viele Hotspots zur Verfügung stehen. Die ausreichende Anzahl entsteht aber nur, wenn viele Internetnutzer Fon attraktiv finden.

Von November bis Ende Januar fanden sich auf der Fon-Website 3.000 Mitglieder – weltweit gesehen ist das nicht viel. Anfang Februar stellten Google, Skype und einige andere Investoren dann überraschend 21,5 Millionen Dollar zur Verfügung. Daraufhin berichteten Medien wie CNN und BBC über die Initiative und die Zahl der Mitglieder explodierte innerhalb von wenigen Tagen. "Anfang dieser Woche hatten wir schon mehr als 17.500 Nutzer" , sagte Varsavsky der Netzeitung. "Nun haben wir kein Henne-und-Ei-Problem mehr, wir haben jetzt viele, viele Eier."

Dabei ist die Router-Software, die die "Bills" und "Linus" verwaltet, derzeit nicht gerade massentauglich. Sie läuft nur auf dem Linux-basierten Linksys-Router WRT54G. Deshalb vertreibt Varsavsky die Geräte für Fon-Nutzer im Moment für 25,- Euro, er selbst zahlt beim Hersteller fast doppelt so viel. "Wir fanden, 25 Euro ist ein hübscher Preis" .

In einigen Monaten soll die Software auch auf anderen Geräten laufen. Dann hofft Varsavsky, die Ausgaben für die Subventionen der Geräte reduzieren zu können. Er kann die Google-Millionen also erst einmal gut gebrauchen. 18 Angestellte beschäftigt er inzwischen in Madrid, in dieser Woche hat er den deutschen Ableger von Fon gegründet.

Und Varsavsky plant schon weiter. Eine Zusammenarbeit mit der Community "Plazes" wird es demnächst geben. "Foneros" sollen vorhandene Hotspots leichter finden, indem sie auf den Karten bei "Plazes" eingeblendet werden. Auch mit Verleger Hubert Burda hat Varsavsky sich in dieser Woche getroffen. "Wir machen etwas mit denen zusammen" , mehr will er noch nicht sagen. Mit einigen größeren Städten verhandelt Fon ebenfalls über eine Zusammenarbeit.

"Fon ist etwas, von dem alle profitieren können, die das Internet verbreiten wollen" , sagt er. Deshalb hätten Google und Skype auch Geld in sein Projekt investiert. Diese seien extrem daran interessiert, dass an möglichst vielen Orten Internet verfügbar sei.

Etwas anderes sei dies natürlich mit Providern, so Varsavsky. Viele von ihnen untersagen ihren Kunden, dass sie ihren Internetanschluss für mehrere Computer verwenden. Streng genommen ermöglicht die Fon-Software also etwas Illegales. Zwar gibt es bislang noch keine Klagen gegen Fon oder dessen Mitglieder. Varsavsky verhandelt aber bereits mit mehr als 40 Providern, um künftig "einen Großtteil unserer Einnahmen" weiterzugeben. Ob dann noch genug Geld bleibt, um Fon und seine Angestellten zu finanzieren? "Das hoffe ich natürlich" , sagt Varsavsky.


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