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Spieletest: Darwinia - Gelungene Independent-Überraschung

Mix aus Strategie, Action und vielen guten Ideen. Abseits der großen Spiele-Publisher gibt es heutzutage nur noch wenige unabhängige und kleine Entwickler-Teams, die wirklich interessante Spiele entwickeln – die Entwicklungskosten für einen zeitgemäßen Titel sind in den letzten Jahren derart in die Höhe geschossen, dass kaum Raum bleibt für kleine und finanzschwache Unternehmen. Ab und zu gelingt trotzdem mal ein paar Entwicklern eine sehenswerte Ausnahme von der Regel – wie etwa "Darwinia", das von Introversion Software gerade mal mit einer Hand voll Programmierern erschaffen wurde.
/ Thorsten Wiesner
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Eines vorweg: Darwinia ist sicherlich nichts für absolute Gelegenheitsspieler. Der Titel wartet mit ebenso innovativen wie ungewöhnlichen Ideen auf und präsentiert das Ganze in einer Grafik, die mit "retro" eigentlich nur unzureichend beschrieben ist – ein gewisses Faible für Experimente und Software jenseits des Mainstreams sollte man also schon mitbringen, will man hier Spaß haben. Dann allerdings kann es auch losgehen mit einer der sicherlich technisch nicht perfektesten, dafür aber zweifelsohne ungewöhnlichsten Spielerfahrungen der letzten Monate.

Schon die Hintergrundgeschichte ist alles andere als Standardkost: Bei Darwinia handelt es sich laut den Entwicklern um eine digitale Welt, die von einem gewissen Dr. Sepulveda erschaffen wurde – eine etwas seltsame Person, die ihr Geld einst mit dem Verkauf von Heimcomputern machte, dabei aber böse auf die Nase fiel. Mit Darwinia und dessen Bewohnern wollte er sich nun einem neuen Betätigungsfeld zuwenden: dem Erforschen künstlicher Intelligenz. Allerdings sollte man sich unter diesen Bewohnern keine allzu komplexen Lebewesen vorstellen, optisch sind sie nämlich nicht viel mehr als ein grüner Strich. Allerdings ein grüner Strich, der durchaus über eigene DNS verfügt und somit zu etwas Besonderem wird.

Eigentlich sollten sich diese Darwinia-Bewohner ruhig und friedlich immer weiterentwickeln und fortpflanzen, ein böses Virus macht das Ganze aber leider unmöglich und bedroht das Volk der grünen Strichmännchen mit der Ausrottung. Nun muss der Spieler also den Darwinianern unter die Arme greifen – und seinerseits das rote Virus bekämpfen. Nach typischer Strategiespielmanier warten fortan diverse Missionen darauf, gelöst zu werden – so gilt es dann unter anderem, immer mehr Bereiche der Welt vom Virus zu befreien. Dafür gibt es diverse Einheiten: Soldaten, die per Mausklick drauflosballern, Ingenieure, die die DNS gestorbener Männchen einsammeln, oder Offiziere, die die Darwinianer durch die Gegend scheuchen.

In Darwinia gibt es allerdings keine wirklichen Truppenbefehle und auch keine echte KI der eigenen Truppen, insofern verbringt man viel Zeit damit, jede einzelne eigene Einheit per Mausklick zu steuern und etwa mit den Viren und Ungetümern wie Kraken und Spinnen den Kampf aufzunehmen, was Darwinia den Beigeschmack eines Action-Titels gibt. Bestimmte Aufgaben besitzen auch einen absoluten Arcade-Charme und erinnern – passend zur Optik – an eine längst vergangene Spieledekade.

Die Steuerung klappt mittels simpler Mausgesten nach kurzer Eingewöhnungszeit recht gut, zumal Dr. Sepulveda auch immer wieder mit hilfreichen Tipps zur Seite steht. Manchmal muss man bei der Erschaffung neuer Bewohner auch an ein Spiel wie Black&White denken – ähnlich wie dort ist man auch hier mit simplen Mausbewegungen Herr der eigenen Welt. Anders als bei Black&White etwa spielt in Darwinia aber auch der Humor eine tragende Rolle – angefangen bei den Zwischensequenzen bis hin zu den Kommentaren des Professors oder dem Design bestimmter Icons, immer wieder muss man über den Eigensinn der Entwickler bei der Gestaltung von Darwinia anerkennend grinsen.

Optisch ist Darwinia – wie bereits angesprochen – gewöhnungsbedürftig. Fraktale, deutliche Pixel, Verwischungen und Strichmännchen sorgen einerseits für viel Charme und passen auch wunderbar zur Hintergrundgeschichte, dürften aber für viele nichtsdestrotrotz ein ganzes Stück zu retro sein. Die relaxte, loungeartige Hintergrundmusik lässt das Ganze aber zu einem ungewöhnlichen Gesamtkunstwerk werden, wenn man sich denn darauf einlässt.

Darwinia ist hier zu Lande nicht direkt in den Shops erhältlich, sondern muss entweder via Steam(öffnet im neuen Fenster) oder über die Website der Entwickler(öffnet im neuen Fenster) bezogen werden. Dort steht übrigens auch eine Demoversion des Titels zum Download, die sich Interessierte definitiv herunterladen sollten, um einen tieferen Einblick in die mit Worten nur schwer zu beschreibende Atmosphäre von Darwinia zu bekommen.

Fazit:
Darwinia ist ein gelungenes Experiment – und der Beweis, dass es auch heute noch möglich ist, mit vergleichsweise geringem Budget ernst zu nehmende und komplexe Spiele auf die Beine zu stellen, die sich wenig um bestehende Konventionen scheren und stattdessen versuchen, festgefahrene Spielgewohnheiten aufzubrechen. Sicherlich gibt es Mankos, etwa die nicht wirklich funktionierende Wegfindung der Einheiten, aber das lässt sich verschmerzen – denn im Gegenzug wartet ein Strategie-Action-Mix auf den Spieler, wie man ihn in dieser Form bisher nicht zu sehen bekam.


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