Suse Linux künftig ohne proprietäre Treiber
Mit einer Änderung am Linux-Kernel von Greg Kroah-Hartman, die in die Entwicklung des kommenden Kernels 2.6.16 eingeflossen ist, bekam das Thema "Nicht-GPL-Treiber in Linux" neue Dynamik. Die Änderung sorgte dafür, dass nur noch USB-Treiber, die unter der GPL stehen, vom Kernel geladen werden können. Sollte dies so bleiben und es nicht mehr möglich sein, Nicht-GPL-Treiber für USB unter Linux zu nutzen, werde AVM seine Linux-Unterstützung einstellen müssen, hatte AVM-Entwickler Sven Schmidt in seiner E-Mail(öffnet im neuen Fenster) an die Linux-Kernel-Mailingliste die möglichen Konsequenzen verdeutlicht.
Nun wurde die entsprechende Änderung im offiziellen Kernel wieder entfernt, bzw. durch einen entsprechenden Warnhinweis(öffnet im neuen Fenster) ersetzt: Statt die Treiber auszusperren, weist der Kernel nun noch darauf hin, dass eine entsprechende Änderung ansteht. Auch wenn die proprietären Kernel-Treiber für USB-Geräte zumindest eine Gnadenfrist erhalten, besteht das grundsätzliche Problem aber weiter.
Doch an anderer Stelle manifestieren sich die Probleme: Novell will künftig keine Kernel-Module mehr ausliefern, die nicht unter der GPL stehen, heißt es in einem Suse Linux 10.1 Update(öffnet im neuen Fenster) . Man wolle auf diesem Weg dem Wunsch vieler Entwickler des Linux-Kernel entsprechen, wird der Schritt begründet. Man werde aber mit Herstellern zusammenarbeiten, um alternative Lösungen zu finden, um die bislang nur durch Nicht-GPL-Kernel-Module zur Verfügung stehenden Funktionen zur Verfügung zu stellen.
Gegenüber Golem.de unterstrich Novell seine Entscheidung: Suse Linux werde in Zukunft ohne Nicht-GPL-Kernel-Treiber auskommen. Auf diese Art und Weise wolle Novell der GPL eindeutig entsprechen. Treiber, wie die von AVM für deren Produkte bleiben also künftig außen vor, was nicht nur für openSUSE gilt, sondern auch in der kommerziellen Variante Suse Linux.
Bei Novell ist man sich im Klaren darüber, dass dies eine Verschlechterung darstellt. Nutzer könnten die Treiber bei den jeweiligen Herstellern im Normalfall aber problemlos herunterladen, so Novell. Was bei Grafikkarten-Treibern (z.B. 3D-Treiber für aktuelle ATI- und Nvidia-Karten) wohl recht unproblematisch sein dürfte, könnte gerade bei ISDN-Treibern schwierig werden, es sei denn, es steht ein alternativer Internetzugang zur Verfügung.
Hardware, die durch Firmware oder GPL-Treiber angesprochen wird, soll durch Suse Linux weiter voll unterstützt werden. Dies gilt auch für Treiber, die binäre Firmware nachladen, wie es die Treiber für Intels WLAN-Karten IPW2100/2200 tun.
Darüber hinaus soll es für Hardware-Hersteller künftig einfacher werden, eigene Kernel-Module zur Verfügung zu stellen. Dazu finden sich Abhängigkeiten von Modulen bezüglich des Kernel-ABI künftig auch in den RPM-Abhängigkeiten wieder. Mit kpm(öffnet im neuen Fenster) steht zudem ein Mechanismus bereit, der die Installation von Kernel-Modulen vereinfachen soll.
Unabhängig davon hat Novell Suse Linux 10.1 verschoben: Die Beta 4 habe die internen Tests nicht bestanden und werde um eine Woche nach hinten verschoben. Zudem soll es eine Beta 5 am 23. Februar 2006 geben. Wie es dann weitergeht, will man nach diesen beiden Beta-Versionen festlegen.