Bericht: GVU-Fahnder sponserten Warez-Server
Heise Online und Onlinekosten.de hatten nach gemeinsamen Recherchen berichtet, dass die GVU mindestens einen Administrator eines FTP-Servers bezahlt und damit zur Verbreitung von Raubkopien beigetragen habe. Nun wurden die in Form von E-Mail-Auszügen, an die GVU gestellten Rechnungen für den FTP-Server-Betrieb und einem Kontoauszug vorliegenden Beweise in der c't-Ausgabe 4/2006 veröffentlicht.
"Um an Informationen über Ersteller und Verbreiter von Raubkopien zu kommen, bezahlte die GVU Informanten aus der Szene. Mit finanziellen Zuwendungen unterstützte sie außerdem den Betrieb von Raubkopierer-Servern" , so die c't in einer Mitteilung unter Berufung auf die veröffentlichten Beweise. Zumindest einen Admin bezahlte die GVU laut des c't-Berichts dafür, Lock-Server mit Filmen und Musik zu betreiben – die in der stets nach kostenlosen Servern Ausschau haltenden Szene rege benutzt worden seien. Ein weiterer GVU-Helfer soll der in der Szene bekannte "Evil Admin" sein, der Verbindungsdaten an die Gesellschaft weiterleitete, zitiert die c't aus der eidesstattlichen Versicherung eines verurteilten Raubkopierers.
Ob die jeweiligen Urheber, deren Inhalte von der GVU teils selbst ins Netz gestellt worden sein sollen, jeweils ihr Einverständnis dazu gaben, erscheint dem Bericht zufolge fraglich. Zumindest einige Unternehmen gaben gegenüber der c't an, nichts von der Aktion gewusst und auch nicht ihr Einverständnis gegeben zu haben. "Mit dieser Art der Fallenstellerei hat die GVU die Rechte, für deren Schutz sie sorgen soll, selbst verletzt" , kommentiert c't-Redakteur Holger Bleich. Sofern die Anschuldigungen gegen die GVU stimmen, hätte die GVU zumindest Beihilfe zur Urheberrechtsverletzung geleistet, was für sich genommen schon strafrechtlich relevant sei, wie ein von der c't zitierter Fachanwalt betonte.
Die GVU hatte auf einen dpa-Bericht verwiesen , nach dem es bei der Durchsuchung lediglich um Daten für einen Abgleich mit anderen sichergestellten Daten gegangen sei. Die Gesellschaft sei nicht als Beschuldigte, sondern in der Rolle des Zeugen während der im Januar 2006 erfolgten Razzia durchsucht worden. "Dabei wurden zweifellos die Beweise für das dubiose Vorgehen der Privatfahnder gefunden, auch wenn die Staatsanwaltschaft Ellwangen danach aus formalen Gründen bekundet hat, dass die GVU nicht als Beschuldigte durchsucht worden sei" , so c't-Redakteur Holger Bleich weiter. Bisher habe die Staatsanwaltschaft noch keine Ermittlungsergebnisse bekannt gegeben.
Die GVU arbeitet im Auftrag der Film- und Software-Industrie und hat die Aufgabe, die Strafverfolgungsbehörden im gesetzlichen Rahmen zu unterstützen. Kritik gibt es dabei laut c't auch an der zu engen Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft, von der Polizei gesicherte Beweismittel sollen zum Teil von der GVU und nicht von den Behörden ausgewertet worden seien. Bezuschusst werden die Privatfahnder aus Mitteln der Filmförderungsanstalt (FFA), die aus der gesetzlich vorgeschriebenen Filmabgabe von Filmtheaterbetreibern und Videoprogrammanbietern stammen.
Die dpa hat inzwischen neue Informationen zu der Angelegenheit in Erfahrung bringen können, demnach sollen die bisher zuständigen Staatsanwälte in Ellwangen inzwischen die Ermittlungen bezüglich der GVU an die Staatsanwaltschaft in Hamburg abgegeben haben. Ob die GVU dort als Beschuldigter oder als Zeuge eingestuft werde, wurde bisher von Seiten der Justiz nicht angegeben.