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Interview: .berlin - Top-Level-Domain für die Hauptstadt

Netzeitung: Gibt es neuerdings eine Tendenz bei der ICANN, mehr Top-Level-Domains zuzulassen?

Krischenowski: Vor allen Diskussionen bei der ICANN steht immer noch die Grundsatzfrage: Brauchen wir überhaupt neue Top-Level-Domains? Diese Frage ist dort noch nicht endgültig beantwortet. Die Mehrheitsverhältnisse ändern sich ständig. Für uns wird wichtig sein, wie die Konstellation Mitte 2007 aussehen wird.

Netzeitung: Bei anderen neuen Domains wie ".info" und ".biz" musste man ja leider feststellen, dass die meisten Registrierungen von bereits etablierten Sites erfolgen, die dann einfach der Vollständigkeit halber auch die neuen TLDs erwerben. Web-Angebote, die nur die neuen Domains besitzen und sich darüber sinnvoll definieren, findet man nicht. Gibt es Beispiele für Websites, mit denen man der ICANN demonstrieren kann, dass zusätzliche Domains sinnvoll eingesetzt werden können?

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Krischenowski: Wenn man sich die Sites mit der Endung ".museum" ansieht, erkennt man, dass sich hier eine kleine, aber sehr klar umrissene Community anzusiedeln beginnt, die weltweit ein großes Potenzial für Museen erkennen lässt. Allerdings wird diese Domain bisher sehr restriktiv vergeben und sie ist enorm teuer.

Im Fall von ".info" war das Problem, dass angesichts des weltweiten Maßstabes praktisch kein Marketingbudget vorhanden war. Außerdem ist die Zielgruppe zu unspezifisch. Praktisch jede Website hat mit Information zu tun. Bei Städte-Top-Level-Domains hat man es mit einer klar umrissenen, natürlichen Community zu tun, die einen direkten Bezug zu dem Domain-Namen hat und eine Bedeutung damit verbindet. Auch das Marketing kann lokal begrenzt werden und ist effektiver als bei einem weltweiten Roll-Out.

Netzeitung: Wer wird die ".berlin-Domains" beantragen können? Nur Berliner?

Krischenowski: Klar. Nach John F. Kennedy wären das alle freien Menschen der Welt. Doch so weit wollen wir nicht gehen. Die erste Frage, die man klären muss, ist: Was machen wir mit den anderen Berlins? Es gibt ja noch eines in Schleswig-Holstein und einige relativ große Städte in den USA, mit bis zu 20.000 Einwohnern, die diesen Namen tragen, auch einige in Südamerika. Die werden natürlich auch das Recht haben, eine ".berlin-Domain" zu beantragen. Auch große Unternehmen mit Niederlassung in Berlin wie DaimlerChrylser werden ihre ".berlin-Adresse" bekommen, auch wenn ihr Hauptsitz anderswo liegt. Und natürlich alle Menschen, die in Berlin geboren worden sind, wo auch immer sie jetzt leben, sowie wahrscheinlich alle Menschen, die geschäftlich mit der Hauptstadt zu tun haben.

Allerdings wird es schwer werden, all dies konsequent zu kontrollieren. Man sieht ja beispielsweise an der Vergabepraxis der viereinhalb Millionen ".org-Domains", die ja eigentlich nur für Nonprofit-Organisationen gedacht waren, dass diese auch für andere Websites verwendet werden, weil die ICANN-Regeln nicht überprüft werden.

Netzeitung: Werden Sie bestimmte Domain-Namen von der freien Vergabe ausnehmen?

Krischenowski: Wir wollen eine intuitive Nutzbarkeit von ".berlin". Daher wird es zunächst einmal eine Liste reservierter Domain-Namen geben. Dazu gehören zum Beispiel finanzamt.berlin, buergermeister.berlin und alles was aus dem Verwaltungsbereich von Stadt, Land und Bund stammt. Darüber hinaus gehören bestimmte Begriffe dazu, unter denen man spezifische Informationen erwartet, wie wetter.berlin, stadtplan.berlin oder hotel.berlin. Wir wollen vermeiden, dass diese Begriffe auf den freien Markt kommen, aus Spekulationszwecken gekauft und dann jahrelang nicht genutzt werden. Gleiches gilt für Berufsgruppen und Innungen. Danach können dann alle Markenrechtsinhaber ihre Domains registrieren und anschließend startet die freie Vergabe, möglicherweise mit einer Auktion von 1.000 wichtigen kommerziellen Begriffen. Die ICANN begrüßt grundsätzlich solche Auktionen. Sie vermeiden die Massenregistrierung durch Domain-Grabber.

Netzeitung: Was machen Sie, wenn Sie die Domain nicht bekommen?

Krischenowski: Eine komplette Ablehnung einer TLD-Beantragung ist sehr unwahrscheinlich, wenn man wie wir schon einmal zur ICANN eingeladen war, um sie vorzustellen. Es ist dann eher eine Frage der Zeit, wann man sie bekommt, nicht ob überhaupt. Auch wegen der vor allem in den USA einflussreichen ".nyc-Bewerbung" haben Städte-Domains allgemein sehr gute Karten

Netzeitung: Wie wurde die Präsentation ihres Projekts denn bei der ICANN aufgenommen?

Krischenowski: Es gab Applaus, was nicht oft vorkommt.

[Das Interview führten Niki Kopp und Peter Schink.]

 Interview: .berlin - Top-Level-Domain für die Hauptstadt

eye home zur Startseite
betrüger stoppen 11. Feb 2006

Nicht zu vergessen diejenigen, die die "richtigen" Domains vorsorglich in einen...

Schwachfug 11. Feb 2006

Artikel lesen und nicht nur die Titel ... oder nicht kommentieren

isdennhieralles... 11. Feb 2006

NIEMAND kürzt Berlin mit ber ab ... das Kürzel für Berlin ist "BLN"

nochnenicke 11. Feb 2006

Dein Vorschlag mit den Subdomains wäre für mich vollkommen akzeptabel ... nur kommt man...

Anonymous 03. Feb 2006

Eine TLD .berlin ? Also wirklich, das hat gerade noch gefehlt. Wieviele TLDs soll es denn...



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