Wachsende Kritik an Googles China-Engagement
Rund 20 aus Tibet stammende Studenten haben vor dem Google-Hauptquartier dagegen protestiert(öffnet im neuen Fenster) , dass sich der Suchmaschinenprimus den chinesischen Zensurforderungen unterworfen hat, um auf dem chinesischen Markt aktiv zu werden. Auf Plakaten erinnern sie Google an das selbst gestellte Firmenmotto, nicht böse zu sein (Don't be evil) und fordern, dass der Suchmaschinenbetreiber die chinesischen Zensurbestimmungen nicht umsetzt.
Außer auf der Straße sorgt Googles China-Zensur aber auch in der Politik für Aufregung. Der republikanische Kongressabgeordnete Chris Smith aus New Jersey hat beantragt, dass sich Mitte Februar 2006 der Kongress mit Googles China-Aktivitäten befassen wird. Bei der Debatte soll aber nicht nur Google im Zentrum stehen, sondern man will allgemein das Engagement von US-Suchmaschinenanbieter auf dem chinesischen Markt unter die Lupe nehmen, erklärte Chris Smith gegenüber der Financial Times(öffnet im neuen Fenster) .
Auch die Blog-Welt griff Googles China-Pläne auf und entwarf als Zeichen des Protests Google-Logos, in denen die Zensurumsetzungen kritisiert wurden. So wurde aus dem Firmennamen Google schnell mal Gagged (geknebelt) oder den Google-Schriftzug zieren zwei Handschellen an Stelle der beiden "o". Die Bloggerin Michelle Malkin(öffnet im neuen Fenster) zeigt außerdem ein Google-Logo mit Hammer-und-Sichel-Symbolen und will weitere Protestlogos sammeln.
Außerdem wurde ein neues Blog mit dem Titel Open Letter to Google(öffnet im neuen Fenster) eingerichtet, den Internetnutzer kommentieren können. Bei einer ausreichend großen Anzahl von Kommentaren ist vorgesehen, diesen Blog als offenen Brief an Google zu senden. Der Blog-Eintrag trägt die Überschrift "Don't be Evil" und ruft Google auf, keine Suchergebnisse zu zensieren, sei es in China oder einem anderen Land der Erde.
Die Aufregung insbesondere in den USA um die chinesischen Zensurumsetzungen durch Google erklärt sich vor allem damit, dass in den USA das Recht auf freie Meinungsäußerung als sehr hohes Gut angesehen wird. Sergey Brin, einer der beiden Google-Gründer, rechtfertigte Googles Verhalten(öffnet im neuen Fenster) wie bereits zuvor damit , dass das Unternehmen es als besser ansieht, den Google-Index chinesischen Nutzern nur teilweise zur Verfügung zu stellen als gar nicht auf dem chinesischen Markt aktiv zu sein.
Sergey Brin könnte aber schon bald heftige Kritik einstecken, weil er in dem Interview demokratische Gesellschaften auf eine Stufe mit dem Regime in China stellt. Er weist darauf hin, dass der deutsche und französische Google-Index bereits seit Jahren um in Deutschland und Frankreich verbotene Nazi-Inhalte bereinigt wird. Google befolge also die nationalen Gesetze und dies sei nun auch in China der Fall, beschwichtigt Brin Googles China-Engagement. Hierbei übergeht der Google-Gründer allerdings, dass es sich sowohl bei Deutschland als auch bei Frankreich um demokratische Gesellschaften handelt, was nicht für China gilt, wie Berichte und Beschwerden von Menschenrechtsorganisationen immer wieder belegen.



